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eiseopZilpZalppoesie

Das Lyrik Kabinett München legt den neuen ZilpZalp-Kalender für 2021 vor.

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Der Kalender ist in Zusammenarbeit mit dem Staffelsee-Gymnasium Murnau erstellt worden. Gedichte wurden von den Schüler*innen unter Betreuung ihres Deutschlehrers Norbert Neumann ausgesucht. Inspiriert von den Texten wurden dann von ihnen visualisierende Linolschnitte angefertigt. Aus dem Wort gestaltet sich das Bild, eine verbindende Idee im Rahmen der Lyrik. Der Begriff der Metapher erhält hier eine wunderbar anschauliche Bedeutung. Wie es auch Gertrude Stein in ihrem Gedicht “Sacred Emily” angedeutet hat: Rose is a rose is a rose is a rose (1913)

Es sind berühmte Namen im Kalender vertreten, von Ilse Aichinger bis Fritz Werf. Den Februar 2021 teilen sich Nikolaus Lenau (Winternacht) und Bernhard R.M. Ulbrich (lyrikmodus). Das macht mich stolz mit einem großen Dank an diese kreative Schülergruppe.

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Von tausend Gedichten wird eines gut. Wer auch immer das gemeint hat, es könnte stimmen.

Wer sich überzeugen will und alle Gedicht-Bild-Kunstwerke im Kalender betrachten will, der kann ihn beim Lyrik Kabinett bestellen: hier klicken.

© 05.09.2020 brmu

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Essmann's Temperini - oder Paganini?

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© 2020 brmu: Theres Essmann‘s Debüt als Novelle

Jürgen Krause ist Taxifahrer in Köln, lebt alleine, hat Probleme. Er ist schon länger geschieden. Leon, sein geliebter Sohn, lebt bei seiner Mutter, Jürgens ex-Frau Irene. Vater und Sohn planten eine Tour durch Kanada, was nun der Stiefvater Ulrich mit Leon realisiert. Jürgen fühlt sich abgehängt.

Der Anruf eines Kunden mit Namen Federico Temperini (s. Titel) setzt Änderung in Gang. Er ist ein Mann alter Schule, der Jürgen ausdrücklich als Chauffeur für Fahrten zu Konzerten bucht. Es entspinnt sich eine wundersame Geschichte. Jürgen hat keinen blassen Schimmer, was der Alte wirklich von ihm will, es muss mehr als das Taxifahren sein. Aus den Gesprächen im Taxi erfahren wir etwas über Paganinis enormes, musikalisches Talent. Und peu-à-peu gibt der Alte Informationen auch über sein eigenes Leben preis, mit erstaunlichen Parallelen.

Jürgen beginnt, in Paganinis Biographie zu lesen. So kann er sich auch an den Gesprächen beteiligen, wenn auch etwas burschikos als er meint, Paganini habe seine ganze verdammte Seele in das Geigenspiel gepackt. Der kauzige Alte war ebenfalls ein begnadeter Geiger. Gemäß alter Rezensionen sei sein Geigenspiel kongenial zu Paganini gewesen. Und ebenso wie Paganini musste er seine Karriere wegen der Erkrankung seiner linken Hand aufgeben. Die Ähnlichkeiten mehren sich derart, dass Jürgen ein Aha-Erlebnis hat. Er liest in alten Rezensionen über Federico Temperini, den Solisten. Ich schaute in die schwarze Leere vor meinem Fenster, …, und ich dachte: Natürlich. Natürlich, du Depp.

An dieser Stelle denkt man verwundert: wieso Depp? Und der Blick fällt auf das Cover mit der offenen Hand und auf den Begriff „Novelle“. Im weiteren Verlauf werden die Vermutungen zur Gewissheit. Wer ist wer? Und warum eine Novelle? Wenn Sie nun Antworten erwarten und wissen wollen, wie alles ausgeht, nehmen Sie das Buch in die Hand und lesen Sie selbst. Es lohnt sich!

© 02.06.2020 brmu
Theres Essmann: Federico Temperini – Novelle, Klöpfer.Narr Verlag 2020
Die vollständige Rezension können Sie auf der Homepage „Sätze & Schätze“ von Birgit Böllinger lesen.

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Axel Kutsch und die Lyriker*innen

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© 16./17.05.2020 KStA: Artikel von U. Jürgenssonn über Versnetze_13

Der Kölner Stadt-Anzeiger ehrt den Lyriker und Anthologie-Herausgeber Axel Kutsch zu seinem 75. Geburtstag mit einem Artikel über seine jüngste Ausgabe „Versnetze_13 – Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart“ aus dem Ralf Liebe Verlag.

litbiss.de sendet ebenfalls herzliche Glückwünsche!

Der Titel des Artikels ist Programm. Ohn‘ Anseh’n der Person erhalten Lyriker*innen aus dem deutschsprachigen Raum eine faire Chance, einige ihrer Gedichte gewürdigt zu finden. Wer den Kriterien des Herausgebers entspricht, der hat eine reelle Chance, in die engere Auswahl zu kommen. Zu den Kriterien hat sich Axel Kutsch oftmals schon geäußert, auch bei litbiss.de.

An dieser Stelle muss auch gesagt werden, dass es ohne einen engagierten Drucker und Verleger vielleicht keine Versnetze gäbe. Im Ralf Liebe Verlag mit seiner Landpresse ist das Projekt von Axel Kutsch seit vielen Jahren gut aufgehoben. Dafür gebührt beiden, Axel Kutsch und Ralf Liebe, der Dank all jener, die sich trotz des etablierten Literaturbetriebs, der leider der Lyrik von der Basis abhold ist, ab und an gedruckt sehen können.

heimlich ein gedicht im koppe
das erscheint vielleicht schon toppe
und eines auf’s papier getippt
an einer öffentlichkeit nippt
doch ein gedicht sogar im print
ist, was des dichters herz gewinnt

© 17.05.2020 brmu
Weitere Infos zu Axel Kutsch und sein Werk finden Sie auf „KUNO“.

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Ralf Liebe im Gespräch

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© 2018 foto brmu: Ralf Liebe in seiner Druckerei

Anlässlich der Herausgabe der Lyrik-Anthologie Versnetze_13 war der Verleger und Drucker Ralf Liebe zu einem Interview bereit.

Herr Liebe, die neue Ausgabe der „Versnetze“ liegt als 13. Band druckfrisch aus Ihrem Verlag vor. Ist diese langjährige Anthologie-Reihe ein Lieblingsprojekt von Ihnen?

Nein. Ich arbeite seit über zweieinhalb Jahrzehnten mit Axel Kutsch zusammen. Zur Lyrik bin ich gekommen, weil Axel Kutsch die Lyrik liebt. Ohne Axel Kutsch keine Lyrikanthologien, eigentlich ganz einfach.

Die Lyrik hat es besonders schwer im gängigen Literaturbetrieb. Damit kann man wohl kaum großes Geld verdienen. Warum knien Sie sich da so hinein?

Ich empfinde es nicht so, als würde ich besonders viel für die Lyrik tun.

Mittlerweile verlege ich viel weniger Bücher, vielleicht noch so acht bis zehn im Jahr, zu meinen „Hochzeiten“ waren es mehr als doppelt so viele. Und dass ich immer noch relativ viel Lyrik verlege liegt in erster Linie daran, dass ich mit den meisten Autoren gerne mehr als einmal zusammenarbeite. Und da aus der Vergangenheit viele Lyriker dabei sind, sind eben auch noch einige Gegenwartsbegleiter.

Ihr Verlag und Ihre Druckerei sind langjährig ansässig in Weilerswist. Wie würdigt die Stadt Ihr Engagement für die regionale Literatur?

Meines Wissens nicht.

Was reizt Sie, auch den Druck der von Ihrem Verlag Ralf Liebe ausgewählten Werke z. T. persönlich zu übernehmen?

Ich bin aber ganz gut im Setzen, Drucken und Binden von Büchern. Die einzig richtige Bezeichnung, in der ich mich also selbst wiederfinde, für das, was ich hier mache ist Buchmacher. Ich produziere also Bücher, weil das meine eigentliche Profession ist.

Welchen Anspruch erheben Sie an die Produkte Ihrer Druckerei?

Möglichst guter Satz, möglichst guter Druck auf möglichst gutem Papier und zum Abschluss eine möglichst haltbare Buchbinderei. Und dass ganz zu einem möglichst überschaubaren Preis. Meist gelingt es allein deswegen schon nicht, möglichst viel Geld zu verdienen, aber egal.

Was wünschen Sie sich von den Autor*innen, die Manuskripte bei Ihnen vorlegen, in der Hoffnung des Druckens und Verlegens?

Das Grundverständnis, dass die Arbeit eines Autors erst anfängt, wenn das Buch fertig produziert ist. Das Kreative, das Erschaffen eines Werkes, ist zunächst einmal ein unbezahlbarer Vorgang. Aber irgendwann wird aus dem Werk eben auch ein Produkt. Bei Unverkäuflichkeit wird aus dem Produkt, hinter dem das Werk steht, ganz profan Müll. Es gibt – auch in der Literaturszene – grandiose Selbstvermarkter, die mehr oder weniger Müll absondern, aber daraus ein verkäufliches Produkt machen. Und es gibt eben viele, bei denen das umgekehrt ist. So gut wie kein Künstler kann sich darauf verlassen, dass andere ihm in Gänze das Verkaufen abnehmen können.

Wenn ein Manuskript von Ihnen, resp. Ihrem Verlag ausgewählt worden ist, was dürfen Autor*innen sich dann darauf einbilden?

Kein Autor sollte sich etwas darauf einbilden, wenn sein Werk irgendwo verlegt worden ist. Dass er es dennoch tut ist menschlich und auch nicht verwerflich, aber eben nicht zielführend. Ich unterstelle zunächst einmal jedem Autor, dass er von sich dahingehend überzeugt ist, dass er etwas zu sagen hat und sein Ziel von daher auch ist, dass möglichst viele Leser von seiner Botschaft erfahren. Es wäre also von Nöten, dass die ganzen Schreibwerkstätten im Lande sich nicht nur um das qualitätsvolle Schreiben kümmern würden, sondern auch um den aktiven Beitrag des Autors zur Verbreitung – sprich dem Verkauf.

Was wünschen Sie sich von der Leserschaft Ihrer Bücherauswahl, die Sie auf Ihrer Homepage darstellen?

Im Schnitt lese ich ein Buch pro Woche, … in meinem ganzen Leben werde ich also vielleicht so 3000 bis 3500 Bücher gelesen haben. Jedes Jahr erscheinen im deutschen Sprachraum rund 70.000 belletristische Neuerscheinungen, von denen lese ich also weniger als 1 Promille. Und so ein Leser „verirrt“ sich nun also auf meine Homepage. Was soll ich ihm wünschen, was soll ich mir von ihm wünschen? Ich kann ihm eigentlich nur wünschen „Mach keinen Fehler mit Deiner Auswahl!“. Und mir kann ich wünschen, dass ich ihm mit „meinen“ Büchern bei der Fehlervermeidung geholfen habe.

Wie empfinden Sie die enormen Beschränkungen des kulturellen Lebens momentan aufgrund der Corona-Pandemie?

Für viele Künstler und Freiberufler sowie Selbständige: Existenzen gefährdend. Wir haben ein irres Glück, in diesem reichen und halbwegs sozialen Land während dieser seltsamen Pandemiezeiten zu leben. Das absolute Minimum an Essen, Trinken, medizinischer Versorgung sowie Schlafplatz wird jeder erhalten. Dreiviertel der Menschheit haben dieses Privileg der Sicherheit nicht. Das sollte sich jeder vergegenwärtigen. Es wäre ein mittelprächtiges Wunder, wenn alle Kreativen und Kulturschaffenden diese Krise als Soloselbständige überstehen und sie an ihre - schon vorher häufig prekäre – Arbeitssituation lückenlos anknüpfen können. Der Aderlass für die Kulturszene wird bedeutend sein und ich fürchte, dass die Nach-Corona-Zeiten deutlich weniger bunt und vielfältig sind. Das betrübt mich sehr, nicht nur, wenn ich mit diesem Unwissen an mich selbst als Kulturproduzent denke, sondern mich auch als bedürftigen Konsumenten sehe. Denn der Kultur bedarf es.

Ihr Verlag erscheint nicht als rühriger Akteur im etablierten Literaturbetrieb. Ihr Verlag ist eher den „Eingeweihten“ bekannt. Das erscheint mir wenig angemessen. Warum diese Zurückhaltung?

Die Form des „Erscheinens“ oder eben der Wahrnehmung ist nur sehr eingeschränkt steuerbar. Das ist ja auch einer der Gründe, warum es so viel mehr Werbeagenturen als z.B. Buchverlage gibt. Mit viel Geld für Werbung kann man vielleicht eine Weile dieses Wahrgenommenwerden etwas steigern, manchmal hilft einem auch das, was ich den Freakfaktor nenne. Da geht es dann nicht um die Kunst oder Kultur, sondern um das – vermeintlich? – Besondere, was der Mensch dahinter ist. Diese Frage kann ich nicht wirklich beantworten.

An welchem Projekt arbeiten Sie gerade?

Auftragsarbeiten für einen Verlagskollegen, eine Künstlermonographie, ein Erstlingswerk einer jungen Autorin und Malerin.

Können Sie sich vorstellen, Ihr profundes Wissen zur Buchherstellung Interessierten von Seminaren (z.B. bei „Zeit für Wissen“ in Köln) vor Ort anzubieten?

Kann ich mir nicht nur vorstellen, das mache ich hier vor Ort gerne und häufig …

Herr Liebe, das Alleinstellungsmerkmal Ihres Verlages, resp. Ihrer Druckerei, die nachvollziehbare, kreative Buchherstellung, möge sich kontinuierlich bei der Leserschaft herausstellen. Vielen Dank für dies Interview.

© 10.05.2020 brmu

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Axel Kutsch im Interview

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© foto brmu: Axel Kutsch im Gespräch


Herr Kutsch, die neueste Ausgabe Ihrer Anthologie „Versnetze_13“ liegt wieder in beachtlichem Umfang druckfrisch vor. Immer wieder hört man, die Zahl „dreizehn“ soll keine Glückszahl sein. Haben Sie überlegt, diese Zahl in der Reihe zu überspringen?

Bei Lyrik-Anthologien ist die 13 eine Glückszahl. Ich weiß nicht, ob das schon allgemein bekannt ist. Wenn nicht, sei es hiermit verkündet.

Die regionale Literatur hat es schwer, um einiges schwerer noch die regionale Lyrik. Wie, glauben Sie, kann man diesen seltsamen Trend im Literaturbetrieb verändern?

Wer Wert auf regionale Lyrik legt, sollte nach dem Ende der Coronakrise Lesungen mit einheimischen Autorinnen und Autoren organisieren, im Internet aktiv sein, vielleicht mit anderen zusammen eine Zeitschrift oder Anthologie herausgeben und  diese medienwirksam anbieten. Für meine Sammlungen mit neuer deutschsprachiger Lyrik interessiert mich eher das Gesamtbild, das sich freilich aus vielen Szenen zusammensetzt. Von diesen erwarte ich, dass sie sich am guten Niveau unserer neuen Dichtung insgesamt orientieren und mit ihrer Poesie nicht am nächsten Kirchturm hängenbleiben.

Sie sind selber Autor vieler Bücher. Autorinnen und Autoren empfinden sich oft als Konkurrenten um die Aufmerksamkeit der Leserschaft. Wie kamen Sie auf die Idee, die lyrischen Texte der „Konkurrenten“ zu sammeln, zu sichten, zu bewerten und zu publizieren?

Mir geht es bei meiner Herausgebertätigkeit um die deutschsprachige Lyrik der Gegenwart. Da spielen Konkurrenzdenken oder Eitelkeiten für mich keine Rolle. Ich freue mich, wenn mir „Konkurrenten“ gute Gedichte schicken, die ich dann gerne in meinen Sammelbänden vernetze. Gerade Anthologien sind dazu geeignet, einen weitreichenden Überblick über den Stand der aktuellen Poesie zu vermitteln. Und das ist meine Absicht als Herausgeber.

Was reizt Sie an der Gattung der Lyrik, den enormen Arbeitsaufwand der Sichtung tausender von Gedichten auf sich zu nehmen?

Man kann es Leidenschaft für die Möglichkeiten der Sprache nennen, die gerade Lyrik in konzentrierter Form bietet – Erweiterung, Vertiefung, Erneuerung, auch Aufbrechen von Sprache.

Welchen Anspruch erheben Sie sich selbst gegenüber als Anthologist der Versnetze-Reihe?

Keinen Kitsch, keine naiven Wald- und Wiesenverse, keine verbrauchte Diktion oder ranzigen Metaphern einfließen zu lassen.

Was wünschen Sie sich von den Schreibenden, auf Grund der Erfahrung, die Sie mit den Texten machen?

Manche Gedichte, die ich erhalte, sind mir zu oberflächlich. Man merkt ihnen an, dass sie flüchtig hingeschrieben und dann nicht mehr überarbeitet worden sind. Da wünsche ich mir von den Verfassern mehr Professionalität. Schnellschüsse gehen meistens daneben.

Wenn man von Ihnen ausgewählt worden ist, was darf man sich dann darauf einbilden?

Ich meine, dass man sich freuen darf, gemeinsam mit bekannten und weniger bekannten Kolleginnen und Kollegen in einer seriösen Anthologie zu stehen. Aber sich darauf etwas einbilden? Ach nein.

Was wünschen Sie der Leserschaft bei der Lektüre der neuesten Anthologie Vernetzte_13?

Anregende Stunden, Freude an der Sprache, Nachdenklichkeit, auch das Schwierige nicht zu überblättern, sich auf das unterhaltsame Abenteuer Lyrik der Gegenwart möglichst unbefangen einzulassen.

Wie empfinden Sie die enormen Beschränkungen des kulturellen Lebens momentan aufgrund der Corona-Pandemie?

Ich könnte es mir leicht machen und sagen: Lest mehr, vor allem Gedichte. Ja, das wäre schön. Zeit ist ja momentan für viele genug vorhanden. Aber mir tun die Menschen gerade auch im kulturellen Leben leid, denen der Boden unter den Füßen wegbricht. Es ist tragisch. Wo es nur irgendwie geht, sollten die Beschränkungen angemessen reduziert werden.

Über Sie findet man im Literaturbetrieb wenig, Sie arbeiten zurückgezogen. Das erscheint Ihrer Bedeutung nicht angemessen. Warum diese Scheu?

Es kommt darauf an, was man unter Betrieb versteht. Aus Verbänden bzw. Vereinigungen wie VS und PEN habe ich mich immer herausgehalten. Aus dem Autorenkreis Rhein-Erft, den ich jahrelang leitete, habe ich mich 2005 zurückgezogen, bin aber dort noch Ehrenmitglied. Wichtiger als Mitgliedschaften ist mir beispielsweise ein ausführlicher Artikel, der im renommierten Killy-Literaturlexikon über mich steht. Das hat doch auch etwas mit „Betrieb“ zu tun. Und was heißt hier Scheu? Ich liebe einfach meine Zurückgezogenheit. Die bedarf keiner Rechtfertigung.

An welchem Buchprojekt, außer der nächsten Versnetzte-Edition, arbeiten Sie gerade?

Ich werde nach der vielen Arbeit an den neuen Versnetzen erst einmal durchatmen und vielleicht versuchen, das eine oder andere Gedicht zu schreiben. Ein neues Buchprojekt kann warten.

Können Sie sich vorstellen, Ihr profundes Wissen begabten Lyrikerinnen und Lyrikern an Rhein und Ruhr in hilfreichen Seminaren (z.B. bei Zeit für Wissen in Köln) anzubieten?

Vorerst nicht. Vielleicht später. Ich brauche jetzt Ruhe.

Lieber Herr Kutsch, die Ruhe möge Ihnen vergönnt sein, bis zur nächsten Ausgabe von „Versnetze_14“.
Vielen Dank für dies Interview.

© 03.05.2020 brmu
Ein weiteres Interview mit Axel Kutsch finden Sie in FIXPOETRY.

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versnetze 13

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© 2020 foto brmu: fischers Axel fischt frische verse

A.K. ist nimmermüder
gedichtesammler aus
dem raum der sprache
die wir lyrik nennen

ob reim oder nicht
ob klein oder nicht
ob form oder nicht
ob norm oder nicht

wichtig ist nicht
abgenutzt nicht
rausgeputzt nichts
als leichtgewicht

da bin ich zweimal dabei
auf seite einsachtsieben
meine seite denk ich mir
und bin so stolz wie bolle

© 02.05.2020 brmu
Axel Kutsch, Versnetze_13, Ralf Liebe Verlag 2020, S. 187
erste Rezensionen: lyrikgesellschaft

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Franzen hält den Spiegel vor

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© 2020 foto brmu: Buchtipp #33 des LHK

Das Literaturhaus Köln (LHK) steht für die engagierte Befassung mit regionaler und internationaler Literatur. Lesungen sind ein wesentliches Grundprinzip der gemeinsamen Rezeption unter Einschluss der Autor*innen. Das kann in Coronazeiten nun nicht in üblicher Weise stattfinden. Daher lädt das LHK ein Autor/innen und Mitglieder/innen, kleine Buchbeschreibungen als Tipps abzugeben. Dies als Anregung für die Leserschaft, das Buch zur Hand zu nehmen und die Stunden in der Alleinsamkeit bereichernd zu erleben.

Mein Buchtipp wurde am 19.4.2020 als Tipp #33 auf der Homepage des LKH veröffentlicht. Eine gekürzte Version biete ich hier an:

Jonathan Franzen legt seine Gedanken zur Klimaproblematik in einem Brevier vor. Es macht nachdenklich und ist keineswegs eine Couchlektüre. Die von Ängsten befeuerte Corona-Krise überdeckt alles im Lande, weil sie die Einzelnen direkt betrifft, verstellt dabei den Blick auf das Grundsätzliche: Die Misswirtschaft der Menschheit auf diesem Planeten und deren brutale Auswirkungen.

Nach Meinung von J. Franzen ist die Klimaerwärmung soweit fortgeschritten, dass sie nicht mehr abwendbar ist. Es sei nun realistischer, ihre Auswirkungen im Schulterschluss aller Länder zu minimieren. Das mit machbaren Projekten, die somit Erfolgserlebnisse schüfen, die den Lebensmut befeuern.

Das erinnert an die aktuelle Strategie, die Corona-Pandemie flach zu halten, eine Herdenimmunität zu begünstigen, damit Krankenhäuser nicht überfordert werden.

Der letzte Satz seines Essays ist richtungsweisend: Vor allem aber gibt sie mir Hoffnung für heute. Es steht zu hoffen, dass in Sachen Klimaveränderungen keine geistige Immunität eintritt.

© 19.04.2020 brmu

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Scheuers Winterbienen und Bergers Töne dazu

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© 29.10.2019 Fotomontage brmu: Norbert Scheuer, auf Rainer Berger deutend

Die Buchhandlung Brockmann ist eine nicht wegzudenkende Stätte der Buchkultur in Brühl. Was anderen nicht gelingt, das schafft Frau Brockmann zu realisieren. Diesmal ist es die Lesung des weit über die Region der Eifel hinaus bekannten Autors und Preisträgers Norbert Scheuer, tönend congenial begleitet von Reiner Berger. Dafür erhielten sie und ihr Team einen Extraapplaus vom Publikum im vollbesetzten Saal des Begegnungszentrums margaretaS.

Als Leser/in kann man noch etwas lernen vom neuesten Roman „Winterbienen“, für den die Stadt Braunschweig den Wilhelm-Raabe-Preis verliehen hat. Die Geschichte spielt wieder in der Eifel, diesmal gegen Kriegsende. Ein Imker, Flüchtlinge jüdischen Glaubens, Lockenwickler mit Königinnen drin, Bienenschwärme drumherum, alles in einem Pferdefuhrwerk – und schon ist die perfekte Tarnung für einen grünen Grenzübertritt von Nazi-Deutschland nach Belgien möglich. Die Bienen halten jeden Grenzer auf Distanz. Diese Kerngeschichte ist umgeben von vielen Hinweisen über das Leben eines Bienenstaates, was sich bestens als Metapher für ein Leben in reaktionären, fremdbestimmten Systemen eignet.

Der Roman ist weitgehend in Tagebuchform strukturiert und erzählt die Erlebnisse des Menschenretters und Imkers Arimond in Scheuers ureigenem Stil distanzierter Beobachtung. Keine Einmischung des Autors zwischen den Zeilen. Der Leserschaft wird die Geschichte überantwortet, sie soll ihre Schlüsse ziehen, gerade auch in unserer heutigen Zeit, zwei Generationen nach Kriegsende 1945.

Der Autor las souverän aus seinem Roman, eingerahmt und untermalt von dem fantastischen Querflötisten Rainer Berger, der seine eigenen vier Kompositionen, den Bienensound einfangend, uns allen als Uraufführung darbot. Eine gelungene Adaption des Romanthemas.

Gute Literatur und gute Musik – eine wahrlich gelungene Veranstaltung.

Nach Ausklingen des letzten hingehauchten Flötentons übernahm Werner Höbsch das Wort und begab sich ins Gespräch mit dem Autor, leider wurde der Musiker dabei ausgeblendet. Darum habe ich Rainer Berger im Nachhinein um ein paar Anmerkungen zu seinem Flötenspiel gebeten. Sie sind dem Artikel nachgereicht.

In lockerer Art und Weise wurde über Buch und Bienen parliert. Höbsch legte seine Interpretation oder Fragen vor, Scheuer antwortet mit Witz und Humor. Der Bienenstaat komme ja ziemlich totalitär daher, ja, er sei damit in gewisser Weise eine Metapher für den damalige NS-Staat.

Die Bienen seien einerseits ein Symbol der Bedrohung, ja, aber andererseits im Roman auch eine clevere Art der Rettung, weil sich der Bienenschwarm um die Flüchtlinge schmiegt, die Königinnen in den Lockenwicklern trügen. In der Tat werden die Königinnen damals in Lockenwicklern transportiert. Und es sei auch so gewesen, dass Eifeler Bauern auf diese Weise Menschenleben gerettet hätten. Damit habe man eine gefällige Parallelgeschichte aus sehr unterschiedlichen Welten.

Nebenbei werde also eine Menge Wissen über die Bienen vermittelt, ja, das habe viel Recherchearbeit erfordert und eine Reihe von Erstlesern haben fachliche Korrekturen gemacht, damit alles stimme. Zum Beispiel werde die Bienenart, die das verwesende Herz des Cusanus eingeharzt („einbalsamiert“) hätten, Apis mellifera Carnica genannt. Sie soll seinetwegen über die Alpen in den Eifeler Raum gelangt sein. Näheres im Buch!

Das bepreiste Werk sei aber kein Sachbuch, obgleich es ein Literaturverzeichnis habe. Scheuer meint, er betrachte es als „eine Form der Redlichkeit“ (O-Ton), die Quellen und Querbezüge dem interessierten Leser kundzutun. Und noch eines sei ihm wichtig: Die integrierten Zeichnungen stammen allesamt von seinem Sohn Erasmus Scheuer.

Abschließend gemahnt der Autor schmunzelnd: Was alles noch in der Geschichte sei, das müssten sich Leserin und Leser selber zusammensetzen. Was man weiterdenke, über den Rahmen der Geschichte hinaus, das sei also Sache der Leserschaft.

Mit dieser Einstellung würdigt der Autor seine Leserschaft und die wiederum bleibt treu und seinem Werk aufgeschlossen.

Nachtrag:

Am 3.11.2019 schrieb mir Rainer Berger eine Erläuterung, die ich etwas gerafft mit seiner Erlaubnis hier veröffentliche: In Bezug auf die 'Winterbienen' habe er nach Anknüpfungspunkten für eine musikalische Idee gesucht und sich schließlich entschieden, die Titel in dieser Reihenfolge zu spielen:

carnica bezieht sich auf die Bienenart, die Norbert Scheuer in seinem Buch so präzise beschreibt. Die Bienen schweben über allem, sie machen ihre Arbeit, ob es im 15. Jahrhundert war oder zu Zeiten des 2. Weltkrieges. Der Bienen-Staat ist stabil organisiert und funktioniert nach bestimmten Regeln. Entsprechend habe ich mit Wiederholungen gearbeitet, diese aber variiert. Das Bienenfleißige habe ich in den Motiven versucht einzufangen, den Schwarm mit 'laufenden' Motiven und die einzelne Biene, die sich in einer Blume tummelt mit einer Art Melodie. Das Summen habe ich mit Geräuschen in Kombination mit Tönen angedeutet. Im weiteren Verlauf vorkommende Ideen tauchen schemenhaft auf. Für das 'laufende' Motiv habe ich Töne mit einer speziellen Färbung versehen. Es gibt normalerweise auf der Querflöte einen Griff, der einem Ton zugeorndet ist. Ich habe sog. falsche Fingersätze verwendet, die zwar die Tonhöhe belässt, aber jeweils eine eigene Klangfarbe verleiht. Die falschen Fingersätze sind Tüftelarbeit und müssen außerdem geübt werden, da nicht gewohnte Griffkombinationen entstehen. In carnica steckt von daher auch die meiste Entwicklungsarbeit.

der mond taghell zu eis gefroren - immer wieder wird in den Winterbienen die Angst vor dem Entdecktwerden, bzw. vor der Verhaftung durch die Gestapo beschrieben, dieses Stück nimmt darauf Bezug. Als Instrument habe ich die Altquerflöte eingesetzt, deren sehr hohe Töne verrauschter daherkommen. Diese Töne habe ich bewusst eingesetzt und mit sehr tiefen Passagen kombiniert, so als würden diese unter dem Radar fliegen.

via obstinatus - dieses Werk habe ich in anderem Zusammenhang (mit Kunst) schon einmal gespielt, fand ich aber von der Stimmung passend. „obstinatus“ hat mehrere Bedeutungen, erstarrt, beharrlich, unbeugsam. Je nach Kontext kann es positiv sein, aber auch katastrophal. Der Aufbau des Stückes ist so, dass ich ein musikalisches Wiederholungsmotiv, sehr rhythmisch, hier und da asymmetrisch gewählt habe, dies steigert sich irgendwann zu einem musikalisch Schrei in allerhöchsten Tönen und danach folgt eine sehr leise Passage, quasi als Ruhe nach dem Sturm -wiederum mit falschen Fingersätzen, bei denen hier und da zwei Töne gleichzeitig erklingen - Am Dienstag habe ich es mit diesem Motiv enden lassen, um einen offenen Übergang zur nächsten Textpassage zu schaffen

optatio - ebenfalls schon mal gespielt, auch im Zusammenhang mit Kunst. Ich fand ‘optatio‘ also den 'Wunsch' als ausklingendes Werk passend. Eine schlichte Melodie, die mittels Beatboxtechnik zu einem späteren Zeitpunkt noch mal eine Leichtigkeit erhält, aber immer etwas verhalten. Diese Momente gibt es für mich immer wieder in dem Buch, kleine Inseln, die die furchtbare Zeit in den Hintergrund rücken lassen.

Ich habe gelernt, als Musiker eigenständig zu denken, gerade auch dann, wenn ich zu Literatur, Tanz und Kunst meine Musik entwickle, so dass eine zusätzliche Dimension entsteht. Dabei halte ich es so, dass meine Musik Stimmungen schaffen soll, die zu eigenen Bildern anregen.

Kein Wunder, dass Scheuer und Berger beim Vortrag so gut harmonierten, denn beide billigem der Leser- und Hörerschaft eigenes Entwickeln von Bildern auf der Basis von Resonanz zu dem Gehörten und Gelesenen zu. Möge ihnen viel Publikum gegönnt bleiben.

© 03.11.2019 brmu

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Doris Dörrie gibt Schreibtipps

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© 2019 foto brmu: Gisela Steinhauer im Gespräch mit Doris Dörrie

Trau dich einfach, schreibe, und wenn es auch erst einmal Blödsinn ist. Einfach mit einen Triggersatz starten und los. Das war die zentrale Botschaft im Alten Pfandhaus am 14. Okt. 2019 in dem Podiumsgespräch zwischen Gisela Steinhauer und Doris Dörrie, das das Literaturhaus Köln ausgerichtet hatte.

Doris Dörrie will mit ihrem neuen Buch „Leben Schreiben Atmen“ zum Schreiben einladen. Es bedarf nicht des Musenkusses. Man muss kein Genie sein wie etwa weiland Goethe. Die Einladung ist an Jedefrau und Jedermann gerichtet. So einfach, wie das Atmen.

Keine verkomplizierten Vorstellungen, keine begrifflichen Stolperfallen, keine theoretischen Fallgruben. Einfach Schreiben - und das vorzugsweise per Hand. Nicht am Computer, der alles indirekt macht und ständig zu Korrekturen mahnt. An der Handschrift kann man den Beginn seiner Schreiblust erkennen: Sie wird großzügiger, flüssiger, flotter. Übung gehört natürlich dazu.

Und Papier. Deswegen gab es als Geschenk der Veranstalter ein rotes Notizbuch mit Bleistift mit der Aufschrift „literaturhaus köln“. Ja! Beide wurden auch zweimal gebraucht, denn auf die etwa hundert Anwesenden, zu 90 Prozent Frauen, warteten auch gleich Übungen. Hier eine davon: Ich erinnere mich an …- und los für zehn Minuten. Es hat mich gerissen und ich kritzelte los.

die elster von links heran
ganz tief und flach im flug
im garten, am weg zum haus
sie streift meine beine
war doch gerade sauber
so stolz windellos
jetzt nicht mehr

das feuerholz klackt zu boden
es sollte zum küchenherd
für die suppe mit wärme
jetzt nicht mehr

mama! – der schrei war
schiere pein- und lichkeit
sie kam, sah und wiegte
mich in ihren armen:
macht nix jungchen,
gibt ja die badewanne -
und plantschen darin
das war wunderschön

Im Schreibfluss, andere sagen Flow, ergeben sich dann changierende Erinnerungsbilder, die ohne Hemmung nur auf das Papier wollen. Also erst einmal pinnen, pinnen, pinnen und nicht korrigieren, nicht radieren, nicht simmelieren. Sonst wird der Flow unterbrochen und alles ist pfutsch.

Während der Diskussion nach der Übung geht mir durch den Kopf, ob Goethe das auch so gemacht hat. Ach nein, der hatte es einfacher, der hat flowlich diktiert. Und was ist mit den Schreibschulen, Literatur-Unis, Workshops und so weiter?

Mir scheint, Doris Dörrie revoltiert gegen diese Institutionen der professionellen Schreibwelt und Schriftsteller/innenbildung. Mit ihrer Methode werden keine Genies erzogen, sondern nur Schreiblust geweckt. Vielleicht ist ja dann auch ein Talent dabei, das sich immer weiter auf dem Papier verliert und plötzlich ist ein Romanmanuskript auf dem Tisch, den die Leserschaft verschlingt. Hoffnung für alle.

© 14.10.2019 brmu
Quelle: Doris Dörrie, Lesen Schreiben Atmen, Diogenes 2019

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Seevögel in rezension

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© 2019 Nils Conradt, rezension in Seevögel 40/2 – Juni 2019

der seit 111 jahren bestehende >Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur e.V. < gibt eine fachliche Vereinszeitschrift heraus, „Seevögel“ genannt. in der soeben erschienen ausgabe band 40, heft 2 (Juni 2019) findet sich eine kurze rezension von „Der Traum des Vogelwärters auf Schleidmünde“. hier der text zum leichteren lesen:

Die gesammelten Erlebnisse als ehrenamtlicher Vogelwart auf der Lotseninsel im Schutzgebiet Oehe-Schleimünde des Vereins Jordsand im Juli 2014 bannt Bernhard Ulbrich in seiner Novelle „Der Traum des Vogelwärters“ auf 146 kurzweilige Blatt Papier. In gut 50 kleinen Einzelgeschichten begleitet die Erzählung den Protagonisten bei seinen alltäglichen Aufgaben im praktischen Naturschutz vor Ort und lädt den Leser gleichzeitig dazu ein, den Job des Vogelwartes mit den Augen der Erzählfigur auf unkonventionelle Weise neu zu entdecken. So versteckt sich im schmalen Raum zwischen den zwei Buchdeckeln ein fantastisches Potpourri aus Realität und überbordender Vorstellungskraft, das sprachliche Gewohnheiten konsequent ignoriert und mit literarischer Vielfalt kontert. In der Welt des Erzählers verschwimmen die Grenzen zwischen Beobachtung und Gedanke, im „Traum des Vogelwärters“ kommentieren die Sturmmöwen mit dem Alter Ego des Autoren um die Wette und führen gemütliche Galloway-Rinder tiefgehende Gespräche über die Eigenarten der Menschheit. Wer sich darauf einlässt, wird mitgenommen auf die Lotseninsel des passionierten Biologen und selbsternannten Querdenkers Bernhard „Bennat“ Ulbrich, der Autor, Protagonist, Interviewpartner und kritischer Alter Ego der Story in einem ist. Sein Bericht erlaubt es dem Leser auch, einzutauchen in die Gefühlswelt der Erzählfigur, die emotionale Nähe der zugrunde gelegten Tagebucheinträge bestimmt die Atmosphäre der Novelle ganz unmittelbar. Wer jetzt Lust bekommen hat, einem farbenfrohen, ausgelassenen und zeitgleich philosophisch-intimen Sommermonat an der Schleimündung beizuwohnen, dem sei „Der Traum des Vogelwärters“ wärmstens empfohlen. Nils Conradt

was soll „Bennat“ noch dazu sagen, er ist bestimmt happy, weil ihn einer, den er gar nicht kennt, so gut verstanden hat. dem verein Jordsand sei dank für die chance, dieses ehrenamt auszuführen und dabei sich selber etwas kennen zu lernen und auch anderen davon zu erzählen. mitmachen lohnt sich!

© 19.07.2019 brmu

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lesung unterm baum

lesen von büchern ist nicht nur eine individuelle sache daheim im kuscheligen lesesessel. es kann auch an interessantem ort und in anregender atmosphäre anlass zu einem geselligen erlebnis werden. in der buchmanufaktur „Landpresse“ in Weilerswist konnte man das jüngst erleben.

am 7. Juli 2019 gewährte der verleger Ralf Liebe etwa zwei dutzend interessierten eine führung durch seine manufaktur mit betagten, jedoch bestens funktionierenden maschinen zur buchherstellung.

zunächst wurde mit der mähr aufgeräumt, dass herr Johannes Gutenberg (~1400 – 1468) der erfinder des buchdruckes sei. mitnichten, denn diese kunst stamme aus Asien um die wende des ersten jahrtausends. aber Gutenberg war ein begnadeter unternehmer und habe diese kunst in serie gebracht, was ihm die erinnerung aller gesichert hat.

sodann wurde vom drucken der bögen, dem falzen, kleben, binden und schneiden gesprochen, dies an entsprechender maschine demonstriert. dabei wurde klar, dass das klassisch gebundene buch eine eher aussterbende form darstellt, die masse der bücher wird als broschur hergestellt, also nur geklebt. dann ging es weiter in den bereich der druckmaschinen. dort wurden deren funktionen beschrieben und vorgeführt. man muss schon flinke finger haben, will man sie unversehrt heimwärts tragen.

nach etwa einer stunde konnte man sich ein bild davon machen, wie früher bücher hergestellt wurden. zur abwechslung ging es dann in den garten, der hinter der druckerei gelegen ist. dort war alles vorbereitet für den zweiten und dritten teil des tages.

weiß man, wie bücher entstehen, so sollte man auch darin lesen oder daraus vorlesen.

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© 07.07.2019 U. Brockmann: brmu erläutert den realen plot der geschichten

auf einladung der buchhändlerin Karola Brockmann aus Brühl, die auch die idee zu diesem event hatte, fiel dies dem autor Bernhard R. M. Ulbrich zu. er gab zunächst eine kurze einführung, wo wie und warum sein buch „Der Traum des Vogelwärters auf Schleimünde“ entstanden ist. mit in der druckerei eigens hergestellten, großformatigen foto-prints konnte der autor die wichtigen schritte illustrieren. dann ging es in medias res.

das gedicht „seh.adler“ öffnete die aufmerksamkeit, dann folgten eine begegnung am naturschutzgebiet „Aus Essen komm’se wech“ und ein hafenkonzert auf der Lotseninsel „Der Sänger am Hafen“. den abschluss bildete das gedicht „sing a song“, das inzwischen auch in der anthologie „Versnetze_zwölf“ des lyrikers Axel Kutsch veröffentlicht wurde.

die veranstaltung klang aus bei gutem wein, wasser, snacks und interessierten gesprächen im schönen garten des verlagshauses von Ralf Liebe. einhellige meinung: ein bereicherndes erlebnis.

© 16.07.2019 brmu

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lesung im museum

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© 2019 foto brmu: ausschnitt des werbeplakats

der autor erzählt von seinem ehrenamt als vogelwart am naturschutzgebiet Schleimünde und liest dazu kurze geschichten aus seinem buch.

der verleger und drucker Ralf Liebe gibt einblick in das museum und die herstellung des buches.

eine veranstaltung am 7. Juli 2019 ab 11Uhr im Verlag Ralf Liebe & Museum für Druckgeschichte und Buchherstellung – Kölner Straße 58, 5319 Weilerswist

eintritt: 15,- € inkl. einem getränk und snack

vorverkauf in der Buchhandlung Karola Brockmann in Brühl, Uhlstraße 82, 50321 Brühl, tel. (02232) 410498

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© 2019 foto brmu: R. Liebe bedient die Heidelberg

es ist immer spannend zu sehen
wie unsere bücher entstehen
einst, in alter weise
zischend
wischend
und das gar nicht leise

© 18.06.2019 brmu

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Axel Kutsch fischt weiter

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© 2019 foto brmu: cover der 12. ausgabe Versnetze

Never change a winning net! Axel Kutsch verwöhnt uns wieder mit der inzwischen zwölften ausgabe seines anthologie - konzeptes “Versnetze”. es ist ermutigend, dass sich diese ehrbare initiative, bislang vom literaturbetrieb eher überlesene lyriker/innen aus dem deutschen sprachraum zu worte kommen zu lassen, in ungebrochenem elan durchgesetzt hat. die qualitätskriterien sind anspruchsvoll und eine aufnahme in den kreis der erlesenen ist keineswegs gemachte sache. jede ausgabe ist eine prüfung und ein ritterschlag, falls man dabei sein darf.

aus Deutschland melden sich 214 lyriker/innen zu worte, arrangiert nach postleitzahlen. weitere 25 aus Österreich, Schweiz, Frankreich, Niederlande, Finnland und USA. darunter mir bekannte namen wie Achim Amme, Manfred Enzensperger, Gert Robert Grünert, Ulla Hahn, Guy Helminger, Günter Kunert, Anton G. Leitner, Rolf Polander, Karl Rovers, Joachim Sartorius, Lutz Rathenow, Gerrit Wustmann – und Axel Kutsch natürlich.

auch brmu ist zum wiederholten male vertreten. diesmal mit zwei gedichten, davon dies hier mit dem titel „trübnis“:

reiher auf dem schuppen
dach vollendet getarnt in
flutender trübnis wie
grau in grau zerflossen
die teiche versiegelt von
mürbem eise spiegellos

wo ist oben und unten
zu suchen in diesen so
kaltherzigen welten

es ist noch raum im regal: möge die reihe noch lange fortgesetzt werden mit dank für die viele arbeit an den anthologisten Axel Kutsch und seinen verleger Ralf Liebe.

© 04.06.2019 brmu
Axel Kutsch, Versnetze_zwölf, Verlag Ralf Liebe, 2019; darin: brmu auf seite 181

dazu der gut gemeinte artikel im Kölner Stadt-Anzeiger von U. Jürgensonn „Ein Muss für Freunde der Sprache“ vom 7.6.2019. darin haben sich leider einige fehler eingeschlichen:
1. Axel Kutsch ist Bergheimer,
2. einer der „unbekannten Namen“ ist falsch geschrieben: „Bernhard R. M. Ul.rich“ und
3. Herr Kutsch wird mit dem gedichtsammelband „Versflug“ von 2015 aus dem Verlag Ralf Liebe abgebildet und nicht mit der aktuellen Vernetzte_12 – Anthologie.

wenn man schon die regionale lyrik lobt, so sollte man ihr mehr aufmerksamkeit schenken, denn lyrik ist ein sensibles unterfangen.

interview mit Axel Kutsch

im nachgang dazu gab Axel Kutsch am 20. Juni 2019 litbiss ein interview, für das ihm dank gebührt:

  1. herr Kutsch, sie als lyriker und anthologist sind eng verbunden mit der langjährlichen reihe „Versnetze“: erfinder, protagonist und mentor. nun ist der zwölfte band erschienen. welches signal für welche lyrik im deutschen sprachraum darf man davon ableiten?

in den "Versnetzen" versuche ich, die ganze breite der deutschsprachigen gegenwartslyrik abzubilden, vom leicht zugänglichen bis zum schwierigen gedicht, möglicherweise am rande des verstehens. ein signal meiner anthologien ist es, brücken zwischen realpoesie und "akademischer" lyrik zu bauen.

  1. das älteste göttergeschlecht der Griechen, die zwölf Titanen, soll hervorgegangen sein aus dem pärchen Gaia und Uranos, die wiederum dem Chaos entstammen. wäre das die pas­sende metapher für ihre arbeit an der anthologie, quasi aus dem chaos der einsendungen die inzwischen zwölf versnetze-bände erstellen?

man kann es durchaus als titanenarbeit bezeichnen, aus mehreren tausend texten, die mir zugeschickt werden, eine auswahl von einigen hundert gedichten zu treffen, zumal ich alle einsendungen einige male lese, bis ich mich für bzw. gegen die aufnahme entscheide. es ist ein produktives chaos, mit dem ich jahr für jahr gerne konfrontiert bin.

  1. im band zwölf kommen 239 lyriker/innen zu worte. wie haben wir uns das zahlenver­hältnis von angenommenen zu abgelehnten lyriker/innen für diesen band vorzustellen?

der verlag hat über 400 autorinnen und autoren gebeten, neue gedichte einzureichen. die meisten sind dieser einladung gefolgt, aber nicht alle konnten veröffentlicht werden, weil beispielsweise die schreibweise generell oder einzelne metaphern zu abgenutzt waren.

  1. der erste band „Versnetze“ aus dem jahre 2008 hatte den untertitel „Das große Buch der neuen deutschen Lyrik“. darin sind bereits gut 200 einsender/innen versammelt. wie haben die von ihrem projekt erfahren?

ich habe bereits vor 2008 lyrikanthologien herausgegeben, so dass schon viele adressen von lyrikerinnen und lyrikern vorhanden waren. die wurden dann angeschrieben. im laufe der folgenden jahre sind zahlreiche weitere hinzugekommen. es spricht sich landauf-landab in autorenszenen herum, wenn seriöse anthologien mit niveau veröffentlicht werden.

  1. als anthologist sind sie werber, sammler, auswerter und juror in einer person. was macht ihnen am meisten spaß bei der arbeit?

spaß macht mir zunächst das lesen jeder einsendung, ob von renommierten dichterinnen und dichtern wie Ulla Hahn, Manfred Peter Hein, Günter Kunert oder weniger bekannten verfassern. besonders freue ich mich, wenn ich junge leute entdecke, die noch am anfang ihres literarischen schaffens stehen. das waren in früheren jahrzehnten unter anderem Marcel Beyer und Jan Wagner, die inzwischen mit dem Büchnerpreis ausgezeichnet worden sind.

  1. bei aktuell 239 einsender/innen zu je etwa zehn einsendungen müssen sie ein konvolut von weit über 2000 gedichten lesen und bewerten. die frage nach den auswahlkriterien und deren gewichtung liegt natürlich nahe?

ich lege wert auf eine nicht abgenutzte schreibweise. wenn etwa in einem großstadtgedicht vom "häusermeer" die rede ist, dann ist mir eine solche metapher zu abgegriffen. das gilt auch für naturgedichte mit naiver blümchenpoesie. wenn auch nicht jedes poem, das ich aufnehme, ein kleines meisterwerk zu sein braucht, so erwarte ich doch eine gewisse originalität und frische des ausdrucks.

  1. die nicht berücksichtigten einsender/innen sind sicherlich nicht begeistert, rechnen sie sich doch auch zu den lokalen, regionalen oder gar überregionalen lyriker/innen. autorinnen und autoren sind ja ohnehin empfindliche wesen, was ihre schreibkünste anbelangt. wie reagieren die nicht berücksichtigten?

die meisten reagieren nicht. es gehört zum "geschäft", dass man auch mal durch die maschen fällt, wobei man sich ja einreden kann, dass der herausgeber mit seiner ablehnung daneben gelegen hat. hier und da ist das vielleicht auch bei mir der fall gewesen. ich kann es jedenfalls nicht ausschließen. es gab bisher allerdings einige nicht berücksichtige einsender, die mich telefonisch oder schriftlich beschimpft haben. gekränkte eitelkeit? sie waren jedoch eine verschwindend kleine minderheit.

  1. wie haben sie den verleger Ralf Liebe überzeugen können, sich so intensiv in die welt der lyrik, die ja leider eine randgruppe im literaturbetrieb darstellt, zu begeben und sich für dieses langjährige projekt als drucker und verleger einzusetzen?

als in den neunziger jahren meine zusammenarbeit mit Ralf Liebe begann, hat er bald feuer für lyrik gefangen. wenn mit dieser nischengattung der literatur auch nur bescheidene finanzielle erwartungen verbunden sind, ist er meinem langjährigen projekt treu geblieben. die lyrikanthologien ziehen sich wie ein roter faden durch die verlagsarbeit, die auch einzeltitel von poetinnen und poeten umfasst.

  1. wie wird sich die vernetze–reihe im laufe der jahre weiterentwickeln oder gibt es gar ein avisiertes ende?

ein ende ist nicht in sicht. verleger und herausgeber sind noch nicht müde.

  1. sicherlich arbeiten sie außerdem noch an eigener lyrik. womit dürfen wir in diesem jahr aus ihrer feder rechnen?

es gibt bislang zwölf lyrikbände von mir. ich lasse mir inzwischen viel zeit mit dem schreiben eigener gedichte, werde allerdings immer wieder in anthologien anderer verlage veröffentlicht, so bei dtv, S. Fischer, Reclam, Anton G. Leitner oder in der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA). ein highlight war in dieser hinsicht die aufnahme von drei texten in "Der große Conrady - Das Buch deutscher Gedichte" von den Anfängen bis heute. einen neuen eigenen lyrikband habe ich nicht geplant. es bleibt vorerst bei zwölf, eine schöne zahl, wie ich finde.

  1. der Kölner Stadt-Anzeiger vom 7. Juni 2019 hat unter dem titel „Ein Muss für Freunde der Sprache“ den neuesten band der Versnetze gewürdigt. was geben sie den neugierig gewordenen leser/innen mit auf den leseweg?

gedichtbände und vor allem lyrikanthologien werden in den medien, vor allem in zeitungen selten besprochen. da freut man sich als autor und herausgeber über jede rezension, auch wenn sich hier und da einige ungenauigkeiten eingeschlichen haben. die "Versnetze" sind bislang rund 25 mal in zeitungen, zeitschriften, onlineforen für literatur und im rundfunk vorgestellt worden. immerhin - aber es dürfte gerne mehr sein, zumal anschließend oft der eine oder andere band weitere leserinnen und leser findet. das war auch nach der erwähnten rezension im Kölner Stadt-Anzeiger der fall.

  1. zum abschluss noch: welche botschaft haben sie für all die anderen, denen bücher inzwischen gleichgültig zu werden drohen?

bücher bereichern das leben. romane und erzählungen regen die phantasie an, erweitern den horizont, ebenso wie gedichte, die vor allem durch sprachliche finessen und ungewöhnliche metaphern neue sinnliche erfahrungen ermöglichen. wer in unseren twitterzeiten vor umfangreichen romanen zurückschreckt, kann es ja mal mit einer lyrikanthologie versuchen. dort findet man lauter kurze texte, deren lektüre wenig zeit in anspruch nimmt und die freude an der sprache vermitteln.

ein gespräch mit dem verleger Ralf Liebe anlässlich der neuen ausgabe von Versnetze_zwölf finden sie in Das-Gedicht-blog.

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interview auf Radio Erft

WRE Interview BU

© 2019 foto M. Bernhardt: brmu im interview am 6.3.2019

schön ist‘s, über’s buch zu reden
schöner noch, es ganz zu lesen
am schönsten aber wird es sein
gehst du auf die sache ein
schutz der vögel an der see
damit man sie noch lange sehe

© 29.04.2019 brmu
wer das interview der journalistin Martina Bernhardt von der "Welle-Rhein-Erft" mit brmu hören will, kann es hier tun. es wurde am 28. April 2019 auf Radio Erft ab 19:04 uhr gesendet.

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Lit.Lies mit vogelwärtertraum

Lit.Lies Plakat Ulbrich2

© 2019 Lit.Lies Plakat der Stadtbibliothek Bergheim

der autor und blogger Bernhard R.M. Ulbrich ist eingeladen, im rahmen der veranstaltungsreihe Lit.Lies in der Stadtbibliothek Bergheim aus seinem prosadebüt zu lesen.

zur einführung wird der reale plot der geschichten und gedichte mit einer bildpräsentation erläutert, fragen zur sache werden gerne beantwortet. danach startet die lesung den fiktiven teil des nachmittags. im hintergrund werden zu den gedichten zeichnungen von Rolf Strack, grafiker im ruhestand, gezeigt und fotos des autors aus seiner vogelwärterzeit.

was aber der traum nun sei, das mögen die leser/innen selber herausfinden. die/der buchhändler/in ihres vertrauens wird das buch gerne besorgen.

© 13.03.2019 brmu
Bernhard R. M. Ulbrich, Der Traum des Vogelwärters auf Schleimünde, Verlag Ralf Liebe 2018

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vogelwärters traum Am Kappeseng

IMG 20190224c WA0001© 23.2.2019 foto: T. Ulbrich, autor im lesemodus

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© 2019 Rolf Strack: zeichnung zu „sing a song“

wie angekündigt las Bernhard R. M. Ulbrich im „Locura Am Kappeseng“ aus seinem prosadebüt „Der Traum des Vogelwärters auf Schleimünde“ vor humorvoll mitgehendem publikum. es wurde eine melange aus einführung, gedichten, geschichten geboten. der autor las mit kräftiger stimme in bühnenreifer façon.

im hintergrund wurden die texte mittels eines beamers auf der leinwand illustriert. die projektion bestand aus zeichnungen von Rolf Strack, grafiker im ruhestand, und fotos des autors aus seiner vogelwärterzeit. sie halfen, sich in die geschichten hinein zu versetzen.

zur begrüßung trug Lars Röcher, mitglied des Locura-Teams, einen slam vor. es folgte einem gedicht „Kölsch im kopp II“, das skizziert, was passiert, wenn man zwöllef Kölsch im koppe hät. nach diesem auftakt kam dann das eigentliche.

das gedicht „seh.adler“ eröffnet die lesung, gefolgt von drei geschichten zum traum des vogelwärters Bennat. das zweite gedicht „ensemble“ leitet über in zwei geschichten miteinander sprechender Gallowayrinder und segelnder schwalben. den dritten teil der lesung eröffnet das gedicht „ruhe.los“ und es kommen in den geschichten kinder zu worte. den abschluss bildet dann eine erinnerung an die jugendzeit des protagonisten Bennat mit dem gedicht „sing a song“:

plötzlich die alte zeit im kopf
als über den wolken diese
freiheit fast grenzenlos war
als Wader aufgemüpft und
lässig seine songs gezupft

so einer saß mitten im hafen
und sang gegen den wind so
versonnen vor sich hin und
lockte: über ein kleines saß
unsere hoffnung möwengleich
auf der kaimauerreling und
wogte singend im takte mit

selbst die sonne, die kritische
errötete beim untergeh‘n vor
all dieser milden romantik

und die masten der schiffe
winkten fröhlich dazu:

komm‘ wieder sänger ins
unbeschwerte leben !

was aber der traum nun sei, das mögen die leser/innen selber herausfinden. die/der buchhändler/in ihres vertrauens wird sie ihnen gerne besorgen.

© 24.02.2019 brmu
Bernhard R. M. Ulbrich, Der Traum des Vogelwärters auf Schleimünde, Verlag Ralf Liebe 2018

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Hoppe, hoppe heiter ...

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© 8.2.2019 foto brmu: Felicitas Hoppe im gespräch mit Antje Arnold

Hoppe, hoppe heiter,
wenn sie schreibt,
dann weiter.
füllt schön auf mit gaben,
was sie schreibt in tagen,
schwebt so auf mit trumpf:
macht der leser plumpf. 1

genau! literatur ist fiktion! das wird an diesem abend im Brühler „margaretaS“ einmal mehr eindringlich bezeugt von Felicitas Hoppe. sie erfreute uns auf einladung der Buchhandlung Karola Brockmann mit ihrer anwesenheit im gespräch mit Antje Arnold, einer guten bekannten, die ihr so manches statement entlocken konnte.

in dem erfreulich gelösten gespräch bekundete die schriftstellerin denn auch, dass es nichts realistischeres gäbe als märchen. nach meinung der autorin beinhalten märchen also prinzipien, die zu allen zeiten typische lebenssituationen spiegeln und regen daher zu reflektionen auf seiten der leser/innen an. märchen sind folglich keineswegs nur kindersache.

das ist eine hilfreiche leseanleitung für ihre geschichten, die in ihren büchern oftmals überraschend das märchenhafte streifen, in der lateinamerikanischen literatur „magischer realismus“ genannt. belegt wird das durch eine lesung aus ihrem neuen buch „Prawda“, in dem die autorin eine historische reise in den 30er jahren des letzten jahrhunderts zweier sowjetischer journalisten nachzeichnet.

mitten in einem tornado im "Mittleren Westen der USA", statt sich in den keller zu flüchten, öffnet die protagonistin das dachfenster, krabbelt auf das dach und entschwindet im sturm, sieht die welt von oben – und berichtet darüber. eine erfrischende melange aus auktorialer, ich- und märchenerzählerin.

dabei versäumt Hoppe es keineswegs, uns heutigen so nebenbei die eine oder andere klatsche zu verpassen. es drängt sich mir der begriff dystopie auf. die sucht nach strom zur angeblichen vervollständigung des menschen, der „neue mensch“ als ideal. und dann das: er wird ohne mängel sein. wohlan: ohne kreativität, die ja heute noch existiert als ausdruck der suche nach vollkommenheit. keine kunst, keine literatur, keine individualität mehr.

schauderhaft. stimmt die welt in den märchen schon nachdenklich, so unsere heutige erst recht. die großen resonanzflächen der alltäglichen unvollkommenheiten sind denn auch der grund zu behaupten, dass märchen uns spiegeln, wenn auch in einer metaphernbeladenen sprache, die entschlüsselt werden will.

das bild des letzten menschen, des perfekt zum algorithmus gewordenen menschen im totalen computersystems hat Miriam Meckel in ihrem roman „Next“ erschreckend illustriert. Felicitas Hoppes bücher werden ab sofort in meinem Regal neben dieser dystopie stehen.

© 11.02.2019 brmu
1 nach dem kinderlied: hoppe, hoppe reiter ...

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prosadebüt

Buchhandlung Brockmann

© 2019 foto K. Brockmann: Der Träumer in der Buchhandlung Brockmann in Brühl an der Kasse

alle können träumen, der vogelwärter auch. fragt sich nur: wer träumt wo was? die sammlung von gedichten und prosageschichten, fünfzig an der zahl auf 146 seiten, will auskunft geben.

zu allererst steht der autor im verdacht, ein träumer zu sein. aber man bedenke: literatur, große und kleine, besteht im wesen aus dem ei der fiktionen. das muss die leserschaft erst bebrüten, will sie mehr als nur die eioberfläche bestaunen.

der protagonist „Bennat“ übernimmt für einen monat (Juli 2013) einen ehrenamtlichen job in seinem verein Jordsand. er hütet als vogelwart das einfallstor eines naturschutzgebietes für seevögel, das NSG Schleimündung. er hütet es vor anlandenden touristen aus der mitwelt. ort und zeit sind real in den fiktiven handlungen. die figuren als kinder und erwachsene schillern in rollen, vögel kreischen und sprechen, verwandeln sich, sind anhänglich. Galloway-Rinder plaudern und wundern sich. der lebensraum Bennats, nah am wasser gebaut, erglüht in farben der pracht, sonnig, neblig, wie die launen des wetters so sind mit der sonne als über allem thronende königin des lichtes.

im traum wird nicht schwadroniert, er symbolisiert mit wortbildern. so will es der schreibstil vermitteln: gedichte sowieso und die kurzen geschichten im geiste offener beobachtung, reflektiven staunens. um die gedanken zum ausdruck zu bringen bedurfte es keiner dickleibig-romanhaften verbrämung. wer will, kann sich auf reisen nach innen begeben: wie viel von mir steckt in dem typ, wie viel sehnsucht weckt in mir die see, was würde ich tun an dessen stelle?

Bennat wollte in eine eremitage eintauchen, sich finden - und landet mitten unter den „landgängern“. und täglich grüßt das schleifährboot. wer mehr wissen will und 14 € locker macht, lese das buch. es ist natürlich im buchhandel erhältlich. viel vergnügen!

wer die herstellung des buches verfolgen möchte, kann dazu einen flyer unter der im impressum angegebenen e-mail anfordern.

© 15.01.2019 brmu
umschlag: kreidezeichnung von C. Ulbrich "Seeblick" (30 cm x 100 cm)

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litbiss: der geist der strophen wirbelt...

einen literaturblog zu schreiben ist eine sache, einen lyrikband zum druck zu bringen eine andere. ich habe dabei eine menge gelernt, wie man es nicht machen sollte und wie es dann doch erfolgreich funktioniert. dabei möchte ich allen, die mir dabei selbstlos mit rat und lektorat geholfen haben, aus vollem herzen danken.

litbiss geist-gedichtband

mein debüt hat den titel „litbiss: der geist der strophen wirbelt dich herum“. drei aspekte haben mich beseelt. der eine steckt im begriff des debüts, gemeint ist keine eintagsfliege vorzulegen, es sollen noch weitere werke folgen. die notizbücher sind voll. der andere zitiert den blog litbiss, der mir eine liebe und wichtige, tägliche übung ist. und drittens wollen meine gedichte wirbeln: resonanz erzeugen und innere wirkung auslösen.

liebe leserin, lieber leser, schreiben sie mir als kommentar, ganz unkompliziert, ob mir das mit meinem lyrikband gelungen ist. konstruktive sätzte in den kommentaren (rezensionen) sind schätze im geiste der autoren.

© 16.04.2013 brmu
ergänzt 30.4.2013, ergänzt am 06.9.2014:

auszug aus der rezension vom 3.7.2014 bei amazon:

"Gedichte haben keine Konjunktur, ... Deshalb überrascht es immer wieder, dass Autoren ... sich die Mühe machen, Ideen und Erfahrungen in gebundener Sprache, ..., zu formulieren. In dem vielstimmigen Chor neuer deutscher Lyriker ist hier mit Bernhard Ulbrich ein Autor zu entdecken, der knapp und präzise, mit Witz und Verve, schlagfertig und sensibel, stets pointiert und originell in seinen Ansätzen oder Wort-Findungen und ungewohnten Kombinationen, seine Gedanken zu Papier bringt. Spaß macht es, mitzuerleben, wie er seine mitunter bizarren intellektuellen Volten schlägt, scheinbar Altbekanntes neu sehen, durchschauen und erkennen lässt. ..."

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das goldene dachl

das Goldene Dachl (um 1500) ist das wahrzeichen Innsbrucks. ein spruchband mit unbekannten schriftzeichen ist bis heute nicht enträtselt. in der tiroler tageszeitung (tt) vom 10. Juni 2009 steht über das Goldene Dachl geschrieben: "Jetzt dürfen sich Kreative den Kopf zerbrechen."

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