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hoffen mit Aitmatow

der kirgisische schriftsteller Tschingis Aitmatow hat in seinem gesamtwerk ein unscheinbar daher kommendes büchlein "Der Junge und das Meer" (ein vom Verlag formulierter titel) untergebracht, das uns im lesekreis bei Brockmann eine rege, tiefgehende diskussion beschert hat.  

unerbittlich läuft die uhr ab, auf dem Ochotkischen Meer. Wenn Väter und Söhne gemeinsam jagen, wüten die bösen Geister. Sie könnten den einen vernichten, um dem anderen Kraft und Willen zu rauben, … So sind sie, diese tückischen Geister, versäumen keine Gelegenheit, dem Menschen zu schaden. (13/14) wir ahnen schlimmes.

drei erfahrene robbenjäger waren im Niwchenkajak auf see unterwegs, um dem jungen Kirisik aus ihrer sippe das jagen beizubringen. die geschichte beginnt wie eine ethnologische erzählung mit brauchtum und dem mythos von Luwr, der weltente, Agukuk, der  richtungsweisenden eule und vor allem der lockenden meerfrau. es wird von Kirisik etwas ungeschickt die erste robbe erlegt. Man ist guter dinge und will weiter zum nächsten teil der robbeninsel.

aber da kippt die beschauliche geschichte ins lebensdrama. nebel und unwetter nehmen allen vieren jede orientierung, das mitgeführte trinkwasser schwindet dahin und es stellt sich die überlebensfrage. nun erweist sich der autor Tschingis Aitmatow als sensibler beobachter menschlicher tragik und größe.

das sagen im boot hat Organ, ältester und weiser des clans. während der kajakfahrt zur robbeninsel reflektiert er seine sehnsucht nach der fischfrau. Angesichts der unendlichen Weite ist der Mensch im Boot ein Nichts. Doch der Mensch denkt … Darum ist der Mensch, …, geistig so mächtig wie das Meer und so endlos wie der Himmel, denn seinem Denken sind keine Grenzen gesetzt. (33) und weiter: … welche Not, dass die Seele nicht altert! Daher diese Gedanken, …, denn nur … in Gedanken fühlt sich der Mensch unsterblich und frei. (47) Darin liegt ja auch seine Größe, dass er bis zu seiner Todesstunde über alles nachdenkt, was es gibt im Leben. (48) Organ entscheidet sich, als erster am vierten tag von bord zu gehen zugunsten der überlebenschancen der anderen.

es folgen am fünften tag nacheinander Mylgum, der als rebell noch vorher die götter beschimpft, dann Emraijin, der vater von Kirisk. er rebelliert nicht, sondern reflektiert wie Organ die situation. Wir sitzen alle in einem Boot, sollten alle auch das gleiche Schicksal teilen. (107) er meint die erwachsenen und auktorial wird nachgeschoben: Er begriff, dass nach Organ und Mylgum auch ihn beschieden war, das Boot  zu verlassen, dass dies die einzige Möglichkeit war, das Leben des Sohnes wenn nicht zu retten, so zumindest um so viel zu verlängern, als der Wasserrest auf dem Grunde des Fässchens zuließ. (128) die schlussfolgerung ist elementar: Er war geboren worden, und er starb, um alles zu tun, damit er im Sohn weiterlebte. (132) und …, dass er nichts Schöneres und Stärkeres empfunden hatte als sein Vaterliebe. (133)

so haben wir bislang drei motive vorliegen: Organ opfert sich aus übergeordneter sicht für den Clan, dem Kirisk als guter robbenjäger das überleben sichern soll. Mylgum geht in den tod aus rebellion gegen das schicksal und Emraijin opfert sich aus vaterliebe zum sohne.

und Kirisk seinereseits empfindet sohnesliebe. An den Vater geschmiegt, heimliche Tränen schluckend vor Mitleid mit ihm, erfuhr der Junge in dieser Nacht eine solch ursprüngliche Sohnesliebe, wie er sie bislang nie gekannt hatte. (130) was ihn zu einer tiefgreifenden, auch für den leser wichtigen erkenntnis bringt:   Der Vater, das war er selber – sein Ursprung, und er war die Fortsetzung des Vaters. (130) das ist das vierte Motiv und der kristallisationspunkt der parabel von Aitmatow über das leben und das prinzip des „generationsvertrages“.

am sechsten tag befindet sich der junge allein im boot, das am siebten tag dann endlich vor den klippen der heimatlichen gestade, dem Schickigen Hund, auftaucht. die andeutungen am schluss über das schicksal Kirisks sind im spekulativen konjunktiv notiert.

damit bleibt der ausgang des meeresdramas geschickt in der schwebe, um uns leser/innen aus der reflektion unsers eigenen lebens nicht vorzeitig zu entlassen. die beschreibung des kampfes zwischen meer und land als ein gewaltiges tosen an der küste umklammert wörtlich anfang und ende der erzählung.

Aitmatows buch „Der Junge und das Meer“  wird zurecht der erzähltheoretische begriff der „parabel“ zugeordnet im sinne einer lehrhaften erzählung.

© 11.03.2017 brmu
Tschingis Aitmatow, Der Junge und das Meer, Unionsverlag 2009

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Doron's Kafka

Lizzie Doron hat einen roman in die welt geschrieben, dessen titel „Who the fuck is Kafka“ alles sagt. im rahmen eines friedenssymposiums in Rom lernen sich die „ich“-erzählerin (offenbar die autorin) als Jüdin und Nadim als Moslem, beide bürger des staates Israels, kennen und schätzen. sie wollen dem oft totgesagten friedensprozess zwischen den juden in Israel und den muslimen in Gaza durch persönliches engagement aufhelfen. sie will ein buch über Nadims lebensumstände schreiben. Ich erzählte ihm [Nadim], dass ich Geschichten über Menschen schriebe, die einen Krieg führten, über ihre Traumata . Über jene, die mit Albträumen kämpften und dennoch zu neuem Leben aufstünden. (29) und er will einen film drehen über dasselbe thema, denn: Ich mache ihnen klar, dass ein Film wesentlich effektiver sein kann als ein Sprengstoffgürtel. (39)

zu diesem zweck treffen sie sich sporadisch über eine längere zeit. der roman begleitet die entwicklung der beziehung beider vor dem immer wieder misstrauischen hintergrund der besonderen umstände in der israelischen gesellschaft, die die protagonisten als paranoid, traumatisiert bezeichnen. das eher durch nüchterne beschreibung und sarkastische dialoge. kein wunder, dass das buch in Israel nicht veröffentlicht wurde.

nun könnten wir uns selbstgefällig fragen, was soll’s? wir leben in Europa und nicht im Nahen Osten. wir haben eine säkulare demokratie in Deuschland und keine von Orthodoxen mitbestimmte wie in Israel. bei uns ist religion eine schlafpille, bei denen eine triebfeder. das ist deren problem. aber so einfach ist es nicht. liest man genauer, so schälen sich die muster der freund-feind konfrontationen, der kollaborateur-verdächtigungen, die offenen schuldzuweisungen, die vergeltungsfallen mit heraus. abstrahiert man diese muster, dann wird einem plötzlich klar, dass der roman uns allen einen gesellschaftlichen spiegel vorhält: so sieht es aus, wenn die dinge kafkaesk werden. daher der titel.

der roman kommt ganz ohne die beilagen von sex & crime aus. ihm unterliegt eine fast essayistische nüchternheit, ein diagnostischer unterton: Es dauert keine fünf Minuten, da hörst du das Echo der Worte Shoah, Krieg, Besatzung, Intifada. (33) Nadim meint: Du bist hier, um dein Gewissen zu polieren, ich hingegen kann morgen sterben. (137) dennoch beginnt man mit den beiden protagonisten, mal mit Nadim, mal mit der ich-erzählerin, zu sympatisieren und jeweils den anderen dann zu verdammen. ein dekuvrierendes ping-pong-spiel von gefühlen. was, wenn dies in der realität in der dummen menge oder verblendeten masse zu taten führen könnte?  es mündet in krieg und verdammnis. die religionen nicht als hort von respekt und toleranz, besänftigend und mäßigend einwirkend, sondern eher im gegenteil fundamentalistisch die spannungen noch verstärkend.

in summe hat Lizzi Doron mit ihrem roman einen brennenden busch gezündet, der den religiösen wahn auf beiden seiten der grenzen in unseren tagen grell beleuchtet. die ich-erzählerin meint gleich zu beginn: Der Staat Israel ist im Grunde eine psychiatrische Anstalt für posttraumatisierte Juden. (19) und: So ist es in Jerusalem nun mal, in dieser Stadt versammeln sich alle Irren. (23) möge das buch auch in Israel zu finden sein und eine heilsame diskussion entfachen, auf dass sich die meinung der ich-erzählerin als falsch erweise, auf dass der wunsch ihres sohns wirklichkeit werde: Ach, Mama, …, ich wünsche mir ein anderes Land. (56)

© 09.02.2017 brmu

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Stamm in ungefährer landschaft

drei anläufe brauchte es, bis das talent von Peter Stamm mit dem debüt-roman „Agnes“ (Arche, 1998) gewürdigt wurde. wir befassten uns mit seinem zweiten roman „Ungefähre Landschaft“ (Arche, 2001) und fanden dort bestätigt, was Hellmuth Karasek1 über den autor meinte: er sei ein erzähler, der sehr viel könne, weil er auszulassen, zu konzentrieren verstehe.

dadurch erhält der roman einen schlichten erzählstil, der die leser/-innen mitfühlend in seinen sog zieht. ständig denkt man, warum macht die Kathrine nun dies so und nicht anders, warum denkt sie so, was will sie überhaupt …

Kathrine ist die protagonistin, die in ihrem namenlosen „dorf“ im norden Norwegens den beruf der zöllnerin ausübt, auf den im hafen anlegenden fischereischiffen nach illegal eingeführtem Wodka suchend. im dorf befindet sich eine fischfabrik.

im laufe der story werden eine reihe von männern eingeführt, zu denen Kathrine sehr unterschiedliche, eher oberflächliche beziehungen unterhält:

mit Alexander, dem kapitän der Verchneuralsk, unterhält sie sich gern nach den durchsuchungen des schiffes. er stellt die schlüsselfrage des romans, warum sie nicht endlich weggehe von hier. Aber sie lachte nur. (15) Alexander macht auch die entscheidende bemerkung: Du erwartest zu viel von den Menschen. Du bist selbst für dein Leben verantwortlich. (19) im laufe des romans verschwindet er spurlos in der polarnacht. wir leser/-inen bleiben ratlos zurück.

an dieser selbstverantwortung von Kathrine hapert es aber gewaltig, denn aus einer oberflächlichen begegnung mit Helge, der ein Trinker und ein Schläger (17) ist, wird eine ehe mit einem kind, das erst im späteren verlauf des romans beim namen genannt wird: Randy. man zweifelt bis dahin ernsthaft an der mutterliebe zu diesem kind. die ehe mit Helge hat keinen bestand und wird geschieden.

und schon verheddert sich Kathrine in die nächste fruchtlose beziehung: Thomas wird ihr zweiter ehemann. war Helge arbeiter in der fischfabrik, so bedeutet Thomas den sozialen aufstieg, denn er ist der produktionsleiter und sohn des fabrikanten Nils Nielsen. Vielleicht träumte sie … von einer Familie, von einem großen Haus, von einem sorglosen Leben. … Alles, was danach geschah, war ein Irrtum gewesen. (30) denn: Thomas und sein Leben war ein Strich durch die ungefähre Landschaft ihres Lebens. (31)

einen strich durchmachen ist ein metaphorische redewendung und bedeutet: etwas löschen. die anmaßende dominanz von Thomas war ein auslöser: Thomas hatte, nachdem er bei ihr eingezogen war, langsam von ihrem Leben Besitz ergriffen und von ihrer Wohnung. (38) ein auslöser der ablösung von diesem leben.

nun versteht man auch, warum der autor die story in den hohen norden verlegt hat, in eine ewig trübe winterlandschaft mit langen nächten, kurzen tagen und diffuser weitsicht in eis und schnee. er will die allmähliche entwicklung seiner protagonistin Kathrine aus einer inneren unentschlossenheit in dieser großen metapher illustieren.

denn erst die flucht in den süden (nach Paris) und den damit zusammenhängenden gesprächen und erlebnissen auf hin und rückfahrt, verändert das wesen von Kathrine. sie ist unsicher und brauchte lange dafür, denn vor einem neuen Leben hatte sie noch mehr Angst als vor ihrem alten. (133) aber dann platzt der knoten und sie wollte endlich wieder nach Hause in ihr Dorf. Sie wollte ihre Ruhe. Sie wollte aufhören zu denken. (135) die normalität soll eintreten.

in situationen des umbruchs braucht man gute freunde. Morton war ihr ältester Freund, ihr einziger wirklicher Freund. (46) schon mit sechzehn jahren saßen sie zusammen auf der kaimauer und sprachen vom weggehen. Morton, der lichtblick in der trübnis ihres daseins und auch eine hoffnung für die leser/-innen.

aber noch ist es nicht so weit. ihr ehemann Thomas hat eine schwere macke, er lügt sich seine vita vom himmel herunter und Kathrine kommt ihm auf die schliche und resümiert: Thomas. So hieß er. Ihr Mann. Mein Mann, dachte sie. Seine Familie war seine Familie. Alles andere war gelogen. (32) die trennung ist nicht mehr aufzuhalten.

Kathrine lernt Christian kennen. er fragte, warum sie weggegangen, warum sie hierherge­kommen sei. Und sie erzählte ihm von Thomas‘ Lügen und von ihrer Flucht. (95) für diesen Christian, monteur aus Dänemark, interessiert sich Kathrine so sehr, dass sie ihm nachreist und somit einen ausbruch aus der routine in ihrem dorf wagt. aber aller aufwand geht fehl, aus der liaison wird, außer einem one-night-stand, nichts.

doch die flucht, die Kathrine bis nach Paris führt, und auf der sie mit verschiedenen leuten in kontakt kommt, bewirkt eine entwicklung des wesens der protagonistin, daher ist auch die klassifizierung „entwicklungsroman“ gerechtferrtigt. die leser/-innen atmen auf. nach einer reihe von umwegen gelangt Kathrine dann endlich wieder in die arme von Morton.

in lakonisch-lapidarem schreibstil, der sich durch den ganzen roman zieht, erfahren wir auf der letzten seite, dass beide gemeinsam ihre zukunft planen, wegziehen und eine tochter Solveig geboren wird. wir leser/-innen atmen auf: noch einmal glück gehabt - familienglück.

alle personen im roman haben ein ungefähres lebensgefühl. Morton, radiojournalist, drückt das so aus: Manchmal, …, wenn ich meine Sendungen mache, denke ich, vielleicht hört niemand zu. Und meine Stimme fliegt an den Häusern vorbei und aus dem Dorf hinaus, soweit der Sender eben reicht. Es ist eine seltsames Gefühl. (171) das könnte man auch gut und gerne als ein auktoriales statement ansehen, denn wenn man „senden“ durch „schreiben“ ersetzt, dann ist die situation eines autors gut beschrieben.

dazu passt auch der schreibstil. beispiel 1 (20): Es wurde Herbst und Winter. Das Jahr ging zu Ende, ein neues begann. Es war Frühling. und beispiel 2 (189): Es wurde Herbst und Winter. Es wurde Sommer. Es wurde dunkel, und es wurde hell. welcher deutschlehrer ließe das durchgehen?

bei Peter Stamm ist dieser stil ein markenzeichen, der auch einen wichtigen vorteil bedeutet. Tim Parks2 bringt es aufs papier, in dem er meint, Stamms genialität bestehe darin, seine knappe prosa der psychologie von menschen anzugleichen, die fülle und dichte fürchteten; auf diese weise schaffe er einen stil, der sowohl >literarisch< als auch absolut übersetzbar ist. die leichte übersetzbarkeit aus durch lokale metaphern und redeweisen nicht regional gefärbten sprachräumen für die globale literaturgemeinde, wie von Ernest Hemingway vorgelebt.

Peter Stamm als spiegel unserer zeit.

© 11.01.2017 brmu
1 Das Literarisches Quartett, Directmedia 2006, s. 346-349, sendung v. Dez. 1999
2 Tim Parks, Worüber wir sprechen …, Kunstmann, 2016, s. 195-196

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Anne von Canal hat einen Grund

wenn einem gutes widerfährt,
das ist dann einen schnappes wert.
wenn das schicksal aber launisch ist,
wird öfter mal das glück vermisst.

 

Anne von Canal langt mit ihrem debüt romanhaft in diese kiste. ihr protagonist Laurits, junger hoffnungsvoller pianist (er verstand die Sprache der Musik, 39), der durch intrigen seines vaters scheitert und stattdessen arzt wird, weil das gesellschaftlich dem vater besser passt. von stund an rührt er weder klavier noch flügel an.

Laurits stellt sich müßige fragen, deren antworten nicht weiterbringen. Wann habe ich die falsche Abzweigung genommen? Wann? Wann hat sich entschieden, dass alles so kommen musste? Ich habe doch immer nur versucht, aus allem irgendwie das Beste zu machen. Ist es denn wirklich meine Schuld? (21) die welt dreht sich gnadenlos weiter und eine wiederholung der entscheidungschancen ist ein reines gedankenspiel.

an diesen fragen merken wir schon, dass Laurits ein selbstzweifelnder typ ist, der sich den vorstellungen des patriarchischen vaters unterordnet. Sein Vater kam gleich nach dem lieben Gott. … Gott. Oder Vater. Wer konnte das schon unterscheiden. (46)

da der roman im nachgang der 68-er jahre spielt, ist es verwunderlich, dass überhaupt keine rebellion des sohnes stattfindet, obwohl der jugendfreund Pelle den vater Magnus mit der schielgeschichte demaskiert: Ach, und was ist mit dieser dummen Schielgeschichte? Die ist doch auch gelogen! (51) Doch diese Erkenntnis hatte ihn in den Jahren danach noch lange nicht zu einem Rebellen gemacht. (53) aber eine ahnung blieb ihm noch: Tatsächlich hing Laurits an Pelle wie an der Nabelschnur zu einer anderen Welt. (55)

wen wundert es, dass diese unaufgearbeitete geschichte der gescheiterten aufnahmeprüfung am musikkonservatorium zu einem dramatischen höhepunkt kulminiert, der nur durch das finish des romans überstiegen wird.

Laurits hatte Silja geheiratet und eine zehnjährige tochter namens Liis, kurz: er war angekommen und glücklich. (128) Er hatte seine Bestimmung gefunden. Dank Liis. (149) man feiert das zehnjährige ehejubiläum, da verplappert sich der patenonkel Jon, von dem sich das kind Laurits fragte, warum Onkel Jon nicht sein Vater sein konnte (48), weil, wenn Onkel Jon da war, wurde es wärmer im Haus seiner eltern. (47) dieser Jon offenbart Laurits, dass sein vater Magnus die juroren bei der aufnahmeprüfung bestochen hatte, ihn durchfallen zu lassen, damit er sagen konnte: Da haben wir wohl einen zukünftigen Medizinstudenten. (85)

alles verdrängte bricht sich bahn und Laurits sank auf die Knie. Eine kaputte Marionette – alle Fäden abgeschnitten. (173) er schlittert in eine existenziellen krise: Aber inzwischen ist mein ganzes Leben voller Löcher, es ist löchrig wie ein Schweizer Käse. (176) am ende konstatiert er: Und ich bin kein Arzt mehr. Ich bin Pianist. (176)

es beginnt der exodus von Stockholm nach Tallin, weit weg vom elternhaus, das er nicht mehr besuchen wird. als Laurits mutter Amy sechzig jahre alt wird, will Liis sie auf jeden fall besuchen und setzt eine reise mit der fähre namens Estonia durch. das ist am 28.9.1994. sie kommt ums leben. die ehe zerbricht, Laurits tingelt auf schiffen als pianist, um seinem schicksal zu entfliehen. aber selbst in dieser situation ist er nicht fähig, dauerhafte beziehungen aufrecht zu erhalten. in Venedig lebt er mit einer Rosa zusammen, die bald schwanger wird. und schon geht er wieder stiften. den einzigen lichtblick in dem entwicklungsroman finden wir ganz am ende. ihm dämmert: Du kannst es nicht wiedergutmachen. Nein. das würde bedeuten, sich in der falle einzurichten.

und dann erfolgt der auktoriale eingriff, der hoffnung auf einen lernprozess des protagonisten erlaubt, wenn es denn dessen gedanke wäre: Aber er kann Rosa einen Brief schreiben! Morgen. (269) das wäre eine pragmatische antwort auf seine bigotten fragen: Wie oft kann eine Mensch von vorne beginnen? Wie viele Chancen hat man? Und wie oft kann ich mich häuten, bis nichts mehr von mir übrig ist? (95) man kann nur handeln oder unterlassen, das in einer komplexen welt, die nur retrospektiv die illusion einer kontinuität erzeugt.

hätte Lauritz Camus gelesen, so wäre in ihm vielleicht etwas mehr revolte entstanden, die ihn befähigt hätte, aus dem joch des elternhauses zu entweichen. hätte, hätte, hätte - die junge autorin Anne von Canal liefert einen roman, der die leser/-innen ob seiner volten mitreißt und ob der verhaltensweisen der protagonisten des öfteren kofpschüttelnd zurücklässt. wie kann man nur …

© 12.12.2016 brmu
1 Anne von Canal, Der Grund, rororo tb26882, 2016, seitenzahl in klammern

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Ortheil als Mozart-DJ

machen wir es kurz: wer die musik von Wolfgang Amadeus Mozart weniger wertschätzt, der wird sich mit „das glück der musik1“ des hoch mozartaffinen autors Hanns-Josef Ortheil nicht recht anfreunden. der autor leitet die leser/-innen nämlich mittels eines beispiellosen hörtagebuches, er nennt es auch Hör-Projekt (196), ein jahr lang durch sein dynamisches leben und dabei begleitend durch das werk Mozarts, und zwar zielgenau auf dessen 250. geburtstag (27.1.2006) hin. am ende meint er begeistert: … jetzt komme ich mir vor wie ein erfahrener … Mozart-DJ. (220) und uns rauscht der kopf.

wir leser/-innen können durch die vermittelte begeisterung des ex-pianisten Ortheil eine menge über Mozart, seinen werdegang und die dies spiegelnde musik erfahren - wenn wir wollen. dabei bedauern wir ein gravierendes handicap. der verlag hat es versäumt, dem buch eine cd beizulegen, die die mit verve angesprochenen passagen der musikwerke Mozarts lesebegleitend hörbar machen könnte. was nützt da ein auszug aus dem Köchel-Verzeichnis (626 werke von Mozart) am ende der DJ-strecke (221)?

lässt man sich trotzdem auf den professionellen hörer Ortheil ein, so erfahren wir: während des Hörens wird man zum Kind, man lauscht nur noch und man fragt sich: Wie macht die Musik das? Warum habe ich immer wieder den Eindruck, daß sie sich unnachahmlich leicht einen Zugang zu den tiefsten Erlebniszentren verschafft? (15) denn bei Mozart handelt es sich um eine Musik, die alles andere absorbiert und unbedingte Versenkung fordert. (14)

und dann verrät uns Ortheil sein hör-konzept (43-44):
1) Studium (arbeitsweise des komponisten, angesprochene orte, werkstattverfahren der komposition), 2) Funktionen (interpretation, kommentierung und theatralisierung von intendierten bildern und atmosphären) als ausdruck der rationalen erfassung.

aber auch die emotionalen aspekte spielen eine wichtige rolle: 3) Biographie (bezugnahme auf szenen oder stationen des eigenen lebens im sinne einer erinnernden resonanz zu dem gehörten) und 4) Zitate (anrührende stellen, überraschungen, freude, schreckmomente).

diese vier aspekte der aufnahme und verarbeitung eines musikstücks führen dazu, dass Ortheil bekennt, Stücke … kann ich nur allein hören, und das am besten in einem geschlossenen Raum ..., nur dann erschließen sie sich … dem genauen Hinhören … (18)

das hör-konzept lässt sich auch analog als lese-rezept denken, die brücke zur lesepraxis mag der vom autor geprägte begriff der Lesekapsel2 sein, der das oben gemeinte sinngleich beinhaltet. auch beim lesen ziehen sich leser/-innen zurück, schalten störungen aus und versinken in anheimelnder atmosphäre.  Das Lesen … nahm immer mehr Atmosphären auf, es wurde zu einem »Schweben im Raum«3.

„das glück der musik“, eine kombination aus tagebuch, erzählung, essay, rezension, will uns also „vom vergnügen, mozart zu hören“ erzählen und das in einer individuellen hörkapsel, denn: Lasse ich mich auf ein solches Hören ein, wird das Stück zu einer Erinnerungssequenz, in der Wahrnehmungs- und Empfindungsweisen meiner Kindheit gespeichert sind. (27) und Ortheil folgert: Was ich in Mozarts Musik wie in keiner anderen finde, ist, schlicht gesagt, das Glück der Musik (78), eine Erhellung der Psyche (79).

folgerichtig verdichtet sich diese empfindung: All diese Monate mit Mozarts Musik haben mir eine zweite Welt aufgetan 150). das ist eine sehr individuelle erfahrung, die wir leser/-innen vielleicht nicht nachvollziehen können. aber abstrahieren wir vom konkreten komponisten und überhöhen Ortheils hörtagebuch als ein angebotenes muster, dann kann sich jede/r leser/-in „ihre/seine“ lieblingsmusik auf ähnliche art erschließen. das macht den mitreißenden effekt dieses anspruchsvollen buches aus. Hanns-Josef Ortheil hat seine musik, wir die unsrige.

© 22.11.2016 brmu
1 Hans-Josef Ortheil, das glück der musik, Sammlung Luchterhand 2006
2 aus: Hanns-Josef Ortheil, Lesehunger, Sammlung Luchterhand 2009,
3 dort, seite 10

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de Moor in grauweißblau

keine leichte lektüre, der roman von Margriet de Moor - „Erst grau dann weiß dann blau“ - aus dem jahre 1991, zwei jahre später bei Hanser erschienen. das war unsere gemeinsame einschätzung. viel aufmerksamkeit wird uns abverlangt. am besten ist es, den roman in einem zuge zu lesen. dann behält man die dinge des plots und die springende story am besten im gedächtnis, denn der erzählstrang mit seinen erinnerungsinseln spielt salto mortale.

der plot ist schnell zusammengefasst: Robert Noort baggert ein honigblondes Mädchen (119), die Magda Rezková, an. sie heiraten, der anfängliche kinderwunsch erfüllt sich mehrfach nicht, die ehe nimmt eine färbung gegenseitiger kühle und distanz an. Robert will letztlich über Magda macht ausüben: Ich habe dir das System meiner Liebe auferlegt. Jetzt gehört sie mir. (84) er ist dabei aber nicht erfolgreich, denn Magda entzieht sich ihm geschickt durch völliges übergehen seiner attitüden, was in Robert gehörigen frust erzeugt.

ganz anders das ehepaar Erik und Nelli. sie lassen sich raum und wollen nicht alles voneinander wissen. beide ziehen ihren autistischen sohn Gabriel groß. zwischen Gabriel und Magda entwickelt sich auf der basis astronomischer beobachtungen eine unverbindliche beziehung des gegenseitigen respekts. sie übersetzt ihm fachzeitschriften, er lässt sie an seinen beobachtungen am fernrohr teilhaben. Erik reflektiert dies mit den worten: Magda ist die Frau, die seinem Sohn die Welt und in gewisser Weise auch das Firmament zugänglich gemacht hat. (20)

dann, von heute auf morgen, verschwindet Magda aus dem dorf für gut zwei jahre. Ich wußte nicht, ob ich ihn verlassen hatte. … Ich wußte nur, daß ich morgens mit dem festen Vorsatz wach geworden war, meine Sachen zu packen. (144). sie reflektiert in beinahe buddhistischer weise: Du hast dich dazu entschlossen zu verreisen. … Du siehst, wie alles kleiner wird, aber die Aussicht wird weiter. (149) später auf dem ozean: Die Weite. Das Bewußtsein der Weite. (179)

niemand, außer uns leser/-innen, weiß warum und wohin. Nachdem ich nun seit bald zwei Jahren über den Erdball geschwirrt war, kannte ich zwar sehr wohl meine Route, aber keineswegs meinen Platz. (202) und bald dämmert ihr: Ich muß mit dem Suchen aufhören. die katharsis setzt ein: Deine Zukunft liegt vor dir, nicht hinter dir, merk dir das. (203)

wir sind also mitwisser, eine auktoriale spiegelung. die sichtweisen der anderen, Erik, Robert, Nelli, Gabriel, sind deren individuelle vermutungen und interpretationen der langen abwesenheit Magdas. und auch im hintergrund des dorfes wird ihr hinterher geredet: Zwei Jahre wie vom Erdboden verschwunden. Ohne auch nur ein Zeichen von sich zu geben. Und dann, bei der Rückkehr, es einfach dabei belassen und uns nicht die geringste Erklärung geben … (21) wir wissen es besser. Magda war auf der suche nach ihrer sie traumatisierenden vergangenheit, um innere klärung zu erlangen.  

es wird offensichtlich, dass Robert, der von sich wider Camus sagt: Ich bin kein glücklicher Mensch. (104), es nicht lange aushält, wie die dörfler nichts zu wissen über Magdas abwesenheit. schon vorher bekennt er: Und zum ersten Mal war ich eifersüchtig. Ihre Schweigsamkeit machte mich verrückt. Ich schlief nicht mehr. Wie sollten wir unser Leben aneinander binden, wenn sie alles für sich behielt. … Ich hatte schon bemerkt, daß ich es nur noch mit mir aushalten konnte, wenn sie da war. (30) hier braut sich etwas zusammen, … wenn ich es nur schaffen könnte, das Rätsel in seinem Inneren einfach ein Rätsel sein zu lassen …(138) alles kulminiert auf die vier klaren, präzise abgegrenzten Wörter … „Wo bist du gewesen?“ (140) hin, die unbeantwortet bleiben.

in dieser situation geschieht der kontrollverlust: Robert ersticht Magda, seine frau. ein dilettantischer selbstmordversuch misslingt. ob totschlag im affekt oder mord, das wird nicht ohne kriminalistisches gespür in den texten zu beantworten sein. die fünf protagonisten kommen unabhängig voneinander wie in einem ausführlichen verhör zu den verschiedenen handlungen zu worte. doch es erstaunt nicht: Je länger man nachforscht, desto ungenauer wird der Fall. (46). wirkt anfangs Robert als der tätliche bösewicht, verändert sich das bild des opfers Magda zusehends in richtung provokation durch ihre gezielte verweigerung des Kommunikationsbedürfnisses von Robert, die ihr als mitschuld an dem persönlichen desaster angerechnet werden kann.

das buch von Margriet de Moor berührt mehrere genres: psycho-krimi, beziehungsdrama, entwicklungsnovelle - und fand und findet daher ein breites publikum. zum schluss die weise erkenntnis: Vielleicht muß man einfach versuchen, jemanden nicht unbedingt immer ergründen zu wollen, dachte sie in dieser Zeit häufig. Menschen sind Rätsel, akzeptier das doch einfach. (257) das denkt Magda im umgang mit Gabriel, eine maxime von genereller bedeutung.

und es gibt noch eine wichtige, kommunikative botschaft im roman: Sprechen. Sprechen ist nicht enthüllen, was man weiß, sondern was man bedeuten möchte. (226) das lässt sich auch auf das schreiben ausdehnen.

© 11.10.2016 brmu
Margriet de Moor, Erst grau dann weiß dann blau, Hanser Sonderausgabe "Ein Buch für die Stadt", 2016

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Böll's engel schweigt immer noch

Der Engel schwieg“, roman aus dem nachlass von Heinrich Böll, wurde erst 1992 publiziert, weil der verlag anno 1950 eine zu geringe leserschaft prognostiziert hatte. wir heutigen lesen den bis 1949 geschriebenen roman einerseits erinnernd aus eigenem kindheitserleben und andererseits, vor allem die jüngeren, aus historischer perspektive.

und dabei wiederum kann man das gewicht auf verschiedene ebenen legen. die individuelle traumatische situationen des hungerns. die beziehungsfrage der gegenseitigen stützung im elend, aus der sich dann eine aufkeimende liebesbeziehung ergibt. die emanzipation von traditionen, hier der kirchlichen eheschließung. die ernüchternde unbelehrbarkeit der geschäftemacher. und die gesellschaftlichen auswirkungen, die Böll zeitlebens als mahner in besonderer weise am herzen lagen.

der roman startet mit einem unbekannten, der aus dem krieg, als feldwebel drappiert, in seine heimatstadt zurückkehrt. zu allererst begegnet er einer verstaubt-verschmutzen engelfigur, wobei „die Freude, die ihm beim Anblick des lächelnden steinernen Gesichtes erfüllt hatte, erlöscht, je mehr die grellen Farben sichtbar wurden, der grausame Lack der Frömmigkeitsindustrie“.(6) das grundthema des romans ist hier bereits auf den ersten seiten fixiert, der grausame Lack der Frömmigkeitsindustrie steht für die (katholische) amtskirche, bei Böll ein virulentes thema.

allmählich wird uns klar, dass es sich um den deserteur Hans Schnitzler handelt, der seiner erschießung durch den eingriff des feldwebels Willi Gompertz entgeht. Hans trägt dessen waffenrock, den er der schwester des feldwebels, Elisabeth Gompertz, übergeben soll. im mantelfutter befindet sich ein testament. Hans ist auf der suche nach dieser person, findet sie und klagt über ihren mann: „Ich sollte leben, ich wollte sogar leben - - und er wollte mir das Leben schenken, aber ich begreife jetzt, dass man jemand das Leben schenken kann, indem man ihm den Tod stiehlt.“ (47/48)

Hans wollte vor sich selbst den heldentod des verweigerers und als deserteur sterben. der feldwebel hat diesen plan zerstört. erst drei wochen später hat Hans „etwas Unwiderrufliches getan, was nicht rückgängig zu machen war: er hatte das Leben angenommen.“ (136) er verliebt sich allmählich in Regina Unger, bei der er unterschlupf gefunden hatte, denn „er liebte sie, und er wußte, daß sie ihn liebte, aber von ihren Gedanken wußte er nichts, und er würde nie etwas davon wissen“ (145), ein signal der traumatisierung der überlebenden des krieges. wie überhaupt die dürre diktion des romans die seelische ausgelaugtheit der protagonisten spiegelt. heute haben wir ein fachwort dafür: traumatisches syndrom.

auch ist der frieden für Hans weiter gefasst. als er angesprochen wird, es sei frieden, der krieg sei aus, antwortet er sybillisch: „Ich weiß, …, aus war er schon lange, aber Frieden?“ (53) frieden ist für ihn eine viel weiter reichende kategorie, die nicht nur die abwesenheit von krieg bedeutet. sie symbolisiert für ihn (und Böll) eine geläuterte gesellschaft, die aus dem desaster der selbst verschuldeten unmenschlichkeit (I. Kant freut sich jetzt) der nazizeit wesentliches gelernt hat.

auch hier wieder der hinweis auf die gesellschaftliche ebene der sich neu etablierenden damaligen BRD. solche sätze lassen Böll auktorial durchschimmern. wie kritisch er den neubeginn sieht, mag an dem satz ermessen werden: „Und er feierte den Beginn des Friedens auf einem Mülleimer sitzend.“ (54) der mülleimer als metapher für die skepsis über die aktuellen entwicklungen.

die menschlichkeit in gestalt der kranken Elisabeth Gompertz, die das familienvermögen wohltätig verschenkt, verliert letztlich. sie stirbt an magenkrebs und auf ihrer beerdigung stehen ihr schwager Dr. Dr. Fischer und ihr vater auf einem marmorengel in der kaputten kirche, das testament, in dessen besitz sie sich gebracht hatten, zerreißend. „Der Engel schwieg; er ließ sich vom Gewicht der beiden Männer nach unten drücken; seine prachtvollen Locken wurden vom gurgelnden Dreck umschlossen (188/189). raffgier, egoismus, opprtunismus behalten die oberhand, ohne scheu vor dem, was der engel eigentlich ausdrückt.

dieser doppeldoktor Fischer ist ein „Geldfischer“ (103), der sich gerne mit schönen dingen umgibt, dies aus „Langeweile, Ekel und ein bißchen Wollust“ (119), aber „immer war die Langeweile der überwiegende Mischungspartner“ (119) solche leute schwimmen oben auf, sichern sich ab und geben sich den anschein von intellektualität. „Fischer verstand etwas von Büchern, war Philologe, Jurist, Herausgeber einer Zeitschrift, hatte eine tiefe und nicht ganz unproduktive Neigung zur Goethologie und galt damals als der inoffizielle Berater seiner Eminenz des Kardinals in kulturellen Fragen“. (93/94) bildungsbürgertum und amtskirche, die unschlagbare mischung, wobei jedoch J.W. Goethe und christenkirche nicht recht passen wollen.

die engel-metapher ist für den roman wie ein rahmen angelegt und wird dadurch besonders betont, will uns etwas mitteilen: wird der engel lediglich als objekt betrachtet, wie Fischer es tut, so verfehlt er seine zweck. wird er gar in den dreck getreten, so verliert er jegliche wirkung.

auf uns verfehlte der roman als teil der trümmerliteratur seine wirkung nicht und zeigt auf, was literatur eigentlich ist: ein resonanzkörper für unser eigenes erleben, woraus denken und handeln wird. Heinrich Böll hat es nach wie vor verdient, in der öffentlichen rezeption besser präsent zu sein, denn er hat uns immer noch aktuelles zu sagen, auch wenn die trümmer zurzeit in anderen ländern rauchen. das muster des versagens ist universell.

© 06.09.2016 brmu
zitate aus Heinrich Böll, Der Engel schwieg, dtv tb12450, 2014, 9. auflage, seitenzahlen in klammern

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Nullzeit bei Zeh

eine juristin schreibt: verständlich. eine autorin schreibt: eingängig.

beide in persona machen Juli Zeh aus: nüchtern im ton und pointiert in den dialogen. viele sätze in ihrem roman „Nullzeit“ haben aphoristischen sound. nullzeit meint jene zeit, die man ab- oder untertauchen kann, ohne nach dem auftauchen schaden zu erleiden. schon der titel weist auf den metaphorisch-para-rebellischen charakter des romans hin.

und was liegt uns da auf dem tisch? einstiegsliteratur für tauchanfänger? ein roman über beziehungskisten? ein gesellschaftskritischer aussteigerroman? gar ein psychothriller im tauchermilieu? etwa ein folkloristischer lanzarotekrimi? oder erbauungsliteratur für schwer geprüfte juristen? und nicht die germanisten zu vergessen: eine parabel über das leben in heutiger, überforderter zeit? wir waren der ansicht: von allem etwas und doch keinem dieser etiketten zuzurechnen, kein "null-acht-fufzehn" rezept der rezension möglich. genau das richtige für einen erfahrenen lesekreis.

der männliche protagonist Sven hatte eine traumatische juristische prüfung. er verlässt umgehend die „Urteilsfront“ (36) richtung Lanzarote, um dort eine tauchschule aufzumachen. unter wasser fühlt er sich wohl. „Dorthin, wo das Leben begann, im Wasser schwebend und stumm. Ohne Sprache keine Begriffe. Ohne Begriffe keine Begründungen, ohne Begründungen kein Krieg. Ohne Krieg keine Angst.“ (69) das ist aber eine scheinbare idylle, denn auch unter wasser gilt das räuber-beute-schema.

er wird von Antje hartnäckig nach Lanzarote begleitet, die ihn schon seit dem 16. lebensjahr erbeutet hat. er lässt es sich aus bequemlichkeit gefallen, denn sie managt klug alles über wasser und dolmetscht sein soziales leben auf der insel ins spanische und zurück. Antje ist bestens vernetzt.

dann passiert nach gut 14 jahren beschaulicher existenz auf der insel (= fluchtpunkt) etwas unprofessionelles. ein vermeintlich gutes geschäft über 14.000 Euro entpuppt sich als krise für die tauchschule. ein ehepaar aus Deutschland mietet Sven für zwei wochen rund um die uhr. Jola will die rolle der Lotte Hass in einem film übernehmen und sich dafür unter wasser rüsten. ihr begleiter Theo ist schriftsteller mit vermeintlicher schreibblockade nach seinem debüt. beide sind durch eine art hassliebe, eine art gegenseitiger sado-maso-beziehung, aufeinander eingeschworen. sie lieben und sie schlagen sich.

Sven verfällt dem perfekten körper der Lola, die zunehmend widersprüchliches über diese lockere beziehung in ihr tagebuch schreibt. dieses tagebuch findet sich nach dem crash unter ihrem bett und fungiert als dokument. Theo ist scheinbar aufgeklärt und daher mäßig eifersüchtig, gibt an Sven noch gute ratschläge weiter. er kann die situation für seine latente sadistische ader ausschlachten. dann kommt es zum eklat.

anlässlich einer einladung zu einem dinner zelebriert Theo den showdown wider Jola. coram publicum macht sich Theo über ihren vergeblichen wunsch, im film die Lotte Hass zu spielen, in vernichtender weise lustig, denn er weiß längst, dass diese rolle vergeben ist. an dieser stelle im plot reift offenbar in Jola der wunsch, Theo umzubringen. die gegenseitigen attacken steigern sich.

ein nächster tauchgang liefert die chance. Theo entgeht nur knapp dem ertrinken. Sven, selber nach einem tauchgang zu einem neu entdeckten wrack im allmählichen auftauchen begriffen, sieht Theo im wasser versinken, hat als nebenbuhler eine kurze phase der unwilligkeit, doch dann greift er ein und rettet Theo das leben, teilt mit ihm die atemluft aus der flasche, bis er endlich auftauchen kann. soweit so scheinbar gut.

längst jedoch hat sich die stimmung auf Lanzarote gegen Sven gerichtet, der mit seinem distanzlosen verhalten der kundin Jola gegenüber die taucher-branche gegen sich aufbringt. nun noch der beinahetod eines kunden. es reicht. seine freunde wenden sich ostentativ von ihm ab, Antje auch. sie hatte bereits seit einem jahr einen anderen freund, Ricardo, der sie auch schwängert, ein von ihr lang ersehnter zustand. am ende steht Sven mit leeren händen da, reflektiert seine situation und kehrt ins „Urteilsgebiet“ zurück.

wir im lesekreis waren uns nicht alle sicher, ob er auch etwas dazu gelernt hatte. zu wünschen wäre es ihm. wir haben allerdings verstanden, dass dies buch vielschichtig, unterhaltsam und lehrreich ist. neben juristischen hinweisen wird uns klar, dass es möglich sein sollte, aussteiger ohne vorverurteilung zum loser auch wieder einsteiger werden zu lassen.

wer von all dem nicht viel hält, der kann den roman von Juli Zeh als wortbruch für aphoristische sätze sprengen und wertvolle satzbrocken auflesen:

Die Welt wird nicht schöner, wenn du deine Poesie drüber kippst. Auch nicht größer, wichtiger oder besser. An der Welt prallst du einfach ab.“ (21) ob das als eine selbstoffenbarung der autorin zu verstehen ist? oder also lehrsatz: man prallt ab, wenn man nur kippt.

Erfolg braucht immer eine Mischung aus Glück, Fleiß und Talent.“ (26) wie wahr!

Auswandern, dachte er. Das ergäbe doch nur Sinn, wenn das Land, in das wir fliehen, nicht immer nur wir selbst wären.“ (27) die welt als wille und vorstellung – unter der eigenen hirnschale.

Alles ist Wille.“ (44, 91, 197, 247) das ist ein in Nullzeit vierfach notiertes motto, welches in dem jüngsten roman „Unterleuten“ ebenfalls sehr kritisch behandelt ist.

Ein Paradies war kein Paradies mehr, wenn die halbe Welt dorthin übersiedelte.“ (57) ein gesellschaftskritischer seitenhieb auf den massentourismus.

Literaturfeinde sind die besten Leser.“ (77) wer literarische ignoranten für sich gewinnt, der muss etwas drauf haben.

Wer nicht die Wahrheit sagte, log noch lange nicht.“ (81) inzwischen eine binsenweisheit der neurobiologen, denn unser gehirn baut sich seine welt als vorstellung. das formulierte Schopenhauer zu seiner philosophie.

Liebe hielt ich für eine Mischung aus sozialer Absprache und psychosomatischer Reaktion.“ (95) was liebe sei, das definieren nur die mutigen.

Deshalb tun sich Menschen in Paaren, Wohngemeinschaften, Vereinen, Parteien und Gesellschaften zusammen: damit immer ein anderer da ist, der an allem schuld sein kann.“ 149)

Der Tod ist eine Firma, die ständig Leute sucht.“ (158) das ist ein zynismus zum heutigen geschäftsleben, in dem menschen und ware verwechselt werden.

das ist nur eine kleine auswahl, die wir angesprochen haben. die fundgrube ist damit nicht entleert. es sind noch einige eingängige sätze zu finden. nochmal lesen macht klug.

© 11.07.2016 brmu
Juli Zeh, Nullzeit, btb 74569, 2014, 4. auflage, seitenzahlen der zitate in klammern

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Köhlmeiers Herren am Strand

kein geschichtswerk, kein essay über politik und filmkunst, keine therapieanweisung für depressive personen – nein, einfach ein roman, "Zwei Herren am Strand" von Michael Köhlmeier, der aber von diesen dreien etwas hat, somit seine breit gefächerte leserschaft in seinen bann zieht.

uns ging es auch so, des recherchierens war kein ende, man wollte von allem und jedem möglichst das wahre wissen, eine vom autor einkalkulierte sache, wie er im interview[1] gestand:

Dann sind Sie ein Teil meines Romans, weil der Leser, der im Internet recher­chieren will und wissen will,, was wahr ist und was nicht wahr ist, denke ich mir, der gehört vielleicht mit zum Teil des Romans, weil wir die schöne Freiheit haben, Wahrheit und Wirklichkeit durcheinander zu mischen.

das konnte dann aber schon lesehindernde ausmaße annehmen, bis man sich entschloss, ihm, dem autor, zu glauben und die geschichte nicht geschichtlich zu nehmen. Köhlmeier meinte im selben interview[2] dazu:

Ich meine, ein Autor hat’s gut. Er schreibt vorne d’rauf  ’Roman’ – und dann darf er eigentlich alles. Und wenn jemand sagt, du hast eine Quelle erfunden, und der Kollege des Autors, der Historiker, wär’ damit erledigt, dann zuckt der Autor mit den Schultern und sagt: wenn du meinst …

hat man sich von der recherchiersucht befreit, so stellt sich der kern der story leicht heraus. zwei sich bislang nicht bekannte herren treffen sich bei einer party, kommen ins gespräch, gehen am strand entlang und merken, dass sie an derselben problematik leiden: der depression, der sie den tarnnamen „Der schwarze Hund“ gaben. so lässt sich darüber reden und sie versprechen sich, in fällen, da der schwarze hund bellt, füreinander da zu sein. das gelingt mehr oder weniger gut. die beiden herren tragen illustre namen: Winston Churchill und Charlie Chaplin, beide in ihrer historischen rolle als widerpart von Adolf Hitler, jeder auf seine ihm eigene weise.

wer die braune pest bekämpft, den können schon mal depressionen über die selbstverschuldete dummheit der menschen anspringen. jeder hat dann seine therapeutische methode, den schwarzen hund wieder zum verstummen zu bringen. eine wird erklärt als die clown-methode. Die Methode des Clowns besteht darin, den Irrsinn mit Irrsinn zu heilen. (214) ob diese depressiven menschen in der wirklichkeit helfen kann, sei dahingestellt, jedoch ist das prinzip der empathischen zuwendung - da sein, wenn man gebraucht wird - mit sicherheit richtig.

im laufe der story erörtert der autor dann auch aspekte des lebens und der lebensumstände, die in einer aphorismensammlung ihren platz beanspruchen könnten:

Die Kunst ist allein dazu gut, dem Künstler etwas zum Prahlen zu geben. Weil er sonst nämlich nichts habe. (32) das fällt natürlich auf den autor als produzenten literarischer kunst zurück; eine schöne antwort auf unsere frage, was denn der autor im werk von sich offenbart.

Für Menschen, wie wir welche sind, …, ist kein Glück reserviert. (33), es sei denn, man arbeitet als künstler. denn: Was einer werden kann, das ist er schon. (34) die veranlagung zum schreiben von kindesbeinen an, die lust am fabulieren, am erzählen und texten. das glück ist dann die anerkennende resonanz des literaturbetriebs und der leserschaft.

Abraham Lincoln werden die worte in den mund gelegt: … man kann alle Leute einige Zeit und einige Leute alle Zeit, aber nicht alle Leute alle Zeit zum Narren halten. (69) zu diesen leuten aller zeiten dürfen wir uns als leser/-innen gerne hinzurechnen. gute literatur schält sich früher oder später heraus, werden immun gegen moden und trends und hitlisten.

Chaplin sagt in einem fingierten interview zu seinem ersten tonfilm: Der Philosoph sagt: Wer spricht, macht Schulden. … Aber man kann die Schulden nur tilgen, indem man weiterredet. Wer einmal redet, muss immer weiterreden. (104) ersetze ’reden’ durch ’schreiben’ – und schon sind wir wieder beim autor an sich und seinem schreibzwang. und dieser zwang erinnert uns wiederum an den Sisyphus und seinen ewig herabrollenden stein. Nur ein glücklicher Idiot kann Naivität ein Leben lang aufrechterhalten. Jeder andere legt sie irgendwann ab oder verliert sie. (111) das mutet ganz schön verrückt an. aber verrückte, zählen wir die idioten dazu, haben power, denn Verrückte können lässig Wasser und Feuer zu einem Kloß kneten, und Verrückte gab es bekanntlich viele in dieser Gegend der Welt. (193) gute schriftsteller/-innen müssen ver-rückt sein, sie müssen eine anders justierte sicht der dinge haben, um uns wie die künstler der malerei, der bildhauerei, der musik, die welt zur neuen interpretation anzubieten – in ihren werken. Unsere arbeit ist es, dieses angebot anzunehmen und vorbehaltlos in den modus der anschauung, wie es der weise Goethe forderte, zu schalten – daraus dann ergäbe sich ein anderes walten in der welt. wer es nicht glaubt und das komisch findet, dem sei versichert: Es gibt nur eine Beglaubigung für das Komische: das Lachen. (253) einer der letzten sätze des romans wie ein vermächtnis über den schwarzen hund.

also lasst uns lachen mit dem „Tramp“, das markenzeichen von Charlie Chaplin in seinen stummfilmen. Der Tramp war ihm immer rätselhaft gewesen, er wusste nicht, wer dieser Kerl eigentlich war; …; er war eines Tages da gewesen, fertig, unbekannt, rätselhaft. … Auch wenn er das Publikum zum Lachen bringt, wie er alles falsch macht, ahnen wir, dass er sehr wohl … weiß, dass an diesem Ort das Falsche das Richtige ist. (44/45). wir jedenfalls haben bei Brockmann am richtigen ort das richtige buch richtig diskutiert.

© 20.06.2016 brmu

[1] 3sat / BuchZeitextra vom 10.10.2014, interview von Ariane Binder mit Michael Köhlmeier zu seinem Roman „Zwei Herren am Strand“ anlässlich der Frankfurter Buchmesse 2014

[2] S.o.

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Winter's Garten

Winters Garten macht ganz schön betroffen1, so könnte man den abend voller diskussion um den roman der jungen österreichischen autorin Valerie Fritsch zusammenfassen. es war nicht leicht, das werk zwischen klischee und klasse zu verorten, weil man eine solche, schon ausgestorben geglaubte blumigkeit der sprache von einer so jungen autorin (geb. 1989) nicht erwartet. was steckt dahinter?

der protagonist Anton wohnt mit 42 jahren in einer nicht näher definierten stadt, im penthaus, auf einem hochhaus wie im glaskasten – allein mit seinen von ihm gezüchteten vögeln. die stadt wird beschrieben als inbegriff todkranken gesellschaftlichen lebens. alles geht den bach ’runter, verfall, zerfal, tod allüberall. das wird lakonisch, fast teilnahmslos beschrieben.

seine großeltern, zu denen Anton ein enges verhältnis hatte, und seine eltern, die er eher distanziert wahrgenommen hatte, wohnten in einer idyllisch beschriebenen gartenkolonie am meer, in der auch Anton seine kindheit verbracht hatte, unerschrocken vor den zeichen des todes in der freien natur und im umfeld der menschen. erschauern lässt die leser/-innen eine szene, in der Anton die fehlgeburten seiner großmutter, in einweckgläsern konserviert, interessiert betrachtet. tod und teufel können ihm offenbar schon als kind nichts anhaben, weil ihn eine gewissen, Camus’sche gleichgültigkeit in der absurdität der untergehenden welt anhaftet. sie ist seine wappnung. schließlich kehrt er in das elternhaus zurück, bevor die stadt als symbol der zivilisation in einer feurersbrunst zusammenbricht.

zwischen diesen extremen handlungspolen nähert sich Anton als einsamer nur sehr wenigen menschen. im hafen der stadt trifft er auf Frederike. durch sie findet er den sinn seines lebens. beide verlieben sich ineinander und bilden in dem allgemeinen chaos ein um sich kreisendes gestirn der humanität. als ehemalige marineoffizierin aus einem nicht näher benannten krieg arbeitet sie nun im „gebärhaus“ (hier ahnt man die österreichischen sprachwurzeln) und hilft angesichts der allgegenwärtigen auflösungserscheinungen den schwangeren bei der geburt. Anton kümmert sich um die, die es nicht geschafft haben, arrangiert die verbrennung der leichen.

das gebärhaus aus metapher ist auch der ort der wiederbelebung der beziehung zu seinem bruder, den er völlig aus den augen verloren hatte. eines tages taucht er mit seine frau Marta dort auf. Marta wird mit Frederikes hilfe von einem gesunden kind entbunden.

alle fünf verlassen zu fuß die marode stadt richtung gartenkolonie, in der ihr elternhaus noch gerade so bewohnbar steht. sie richten sich dort recht und schlecht ein und leben ein einfaches leben aus der erinnerung. alle kümmern sich rührend um das kind. die aus verlassenen, einsamen einzelwesen gezimmerte familie beobachtet aus der ferne den untergang der welt. eines tages kommen Leander und Marta von einem spaziergang nicht mehr zurück. haben sie den selbstmord gewählt angesichts des direkt bevorstehenden untergangs, der absurdität der situation? oder sind sie einem verbrechen zum opfer gefallen? kein hinweis aus dem auktorialen off. zum schluss, nach dem crash, bleibt uns leser/-innen ein traum von Anton mit einem funken irrationaler hoffnung.

wenn man sich durch diese sprachfülle der 154 seiten durchgearbeitet hat, und zwischendurch ob der story nicht voller schaudern das buch weggelegt hat, dann muss man am ende zwangsläufig durch pathos und poesie an die aktuelle weltsituation denken, die sich immer weiter in die selbstverschuldete unmündigkeit hineinfrisst. wie die lemmige scheint die tumbe menschheit sich vor dem abgrund zu drängeln.

der roman ist eindeutig endzeitlich ausgerichtet (dystopie) mit dem anspruch der spiegelung extrapolierter, heutiger verhältnisse: wenn ihr so weitermacht, dann rettet euch eine gartenkolonie auch nicht mehr! das ist die botschaft an alle.

es steckt offenbar ein kritisches lebensgefühl der jungen dahinter mit der generellen frage: in welche welt bin ich geboren worden? es wird die aufgabe von uns allen sein, immer wieder ermutigende antworten auf diese frage zu geben und durch vernunftbasierte handlungen zu verifizieren. möge nicht nur uns leserinnen und lesern der anblick der brennenden stadt erspart bleiben.

© 18.05.2016 brmu
[1] in abwandlung eines zitates aus der rezension zum obigen roman von Anja Kümmel, Im Todesrausch, Zeit-online, 9.6.2015: „Winters Garten macht ganz schön besoffen.“

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