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Wolfs fiktion

in ihrer erzählung „Kein Ort. Nirgends“, die 1979 zeitgleich in der BRD und der DDR erschienen ist, schildert Christa Wolf den verlauf eines nachmittags im Juni 1804 in Winkel am Rhein (unweit von Mainz und Wiesbaden).

bei tee und unterhaltung und einem abschließenden spaziergang trifft sich im hause eines kaufmanns ein illustres personal, das historisch verbürgt ist (z. b. Clemens Brentano, Bettina von Arnim, Karl Friedrich von Savigny).

vor allem das fiktive aufeinandertreffen zweier dichterpersönlichkeiten der romantik wird vorzugsweise behandelt: Karoline von Günderrode (1780-1806) und Heinrich von Kleist (1777-1811). beide starben jung von eigener hand, weil sie glaubten, sich in ihrer zeit nicht verwirklichen zu können.

ihre allmähliche annäherung in der erzählung und oft intuitiv einhellige bzw. gegenseitig erhellende unterhaltung, die schließlich den eindruck erweckt, als hätten sich hier zwei kongeniale seelenverwandte begegnen (und lieben?!) können, stehen im zentrum der vielschichtig erzählten geschichte.

Christa Wolf, als die schwebend präsente erzählerin, nennt sie eine „erwünschte Legende“ (9).

© 16.01.2018 brmu
Christa Wolf, Kein Ort. Nirgends, Suhrkamp TB 2007
[artikel nach der leicht geänderten und ergänzten notiz von Gerhard Schutte, der am 18.6.2018 den Brühler Lesekreis bei Brockmann moderiert hatte.]

 

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