litbiss.de

LiteraturHerbst 2018

IMG 6441 3

© 14.09.2018 foto brmu: herbstliche lesung in der Stadtbibliothek Bergheim
(v.l.n.r.) Andreas Schnabel, Margit Hähner, Lars Röcher, Cornelia Ehses

im herbst fallen die blätter von den bäumen und im literaturbetrieb auf die lesetische, zur erbauung der leserschaft. und es ist immer interessant, stimme und mimik der autorinnen und autoren wahrzunehmen. der text ist die botschaft. bei autor/inn/en-lesungen sind sie texter/in ist botschafter/in in einem. manche zerlesen gute, manche erlesen schwache, manchen krönen gute texte. heute war letzerer fall der fall.

da es im herbst nur so wimmelt von aktionen wie den „LiteraturHerbst 2018“ rund um das buch, müssen wir regionalen leser/innen uns auf viele termine verteilen, also in der menge letztlich verdünnen. dennoch war die veranstaltung in der Stadtbibliothek Bergheim vollbesetzt, worüber sich Karla Beutel als vertreterin der Stadtbibliothek Bergheim und Dr. Hahn als vertreter des Fördervereins dieser bibliothek freuten.

Andreas Schnabel als moderator stellte uns die vier mitglieder des ARE (Autorenkreis-Rhein-Erft) vor und führte uns launig durch das programm. das rahmenthema war philosophisch gewählt: „Was wirklich zählt“ ist eine grundlegende fragestellung in unser aller leben.

Margit Hähner, bekannt als krimiautorin, stieg „unkriminell“ auf diese frage ein. sie gab uns ganz aktuell zu den vorgängen im benachbarten Hambacher Wald ihre anregungen in form einer reflexion „Prima Klima“ zu unser aller nachdenken kundt. botschaft: was zählt ist, fang bei dir selber an!

Cornelia Ehses, ebenfalls aus dem krimigenre bekannt, trug nachdenklich in der mehrheit prosagedichte vor, die lebensthemen wie abschied, beziehung, elternglück, mutterschaft, gesundheit in den fokus rückten. ihre botschaft war: was zählt, das ist eine tragende beziehung! hier eine kostprobe mit dem gedicht "echt":

Es gibt Tage
da schleppe ich mich
zur Apotheke
weil ich
das offene Gesicht
des Weißkittels brauche
um es
mit meiner Krankheitsgeschichte
zu verschließen

Er kramt
die Geschäftsmine
utner der Designertheke hervor
setzt sie auf
sagt 243 Euro
und es geht mir besser
Schmerz
der so kostspielig ist
kann nicht eingebildet sein

nach den beiden damen kam dann Lars Röcher, seines zeichen poetry slammer, zu worte. kompromisslos haute er mit und in seinen gedichten dazwischen. darf man seine trommelnde lyrik eigentlich noch so nennen, sind es nicht eher dystopische rufe in unsere umnebelten leserhirne? seine botschaft: warum wir noch reden, wenn wir doch sprachlos sind!

exklusiv überließ er litbiss sein für den abend geschriebenes gedicht, das intertextuell an das theaterstück „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett andockt:

Warten auf …

Ich möchte lauschen
Den Wörtern, die niemand sagt
Den Sprachen, die ich nicht verstehe
Den Menschen, die mir so fremd scheinen

Ich möchte bleiben
In der Heimat, die nie eine war
An diesem Ort, der mich ausspuckt
Und an seinem Spuckfaden baumeln lässt

Ich möchte fragen
Ohne Erwartungen und Antwort
Ich möchte warten
Auf dich, auf Godot, auf den Bus

Einfach warten
Zu einer seltsamen Zeit
Auf jemanden, der nicht kommen wird

Dasein und schweigen
An diesem grässlich-schönen Ort
Falls jemals jemand käme
Ich wäre schon dort

den spannenden abschluss bildete der moderator selber. Andreas Schnabel vertritt das prosa-genre „krimi“ mit speziellem plot: die Bundesbahn. er las aus „Tod mit Verspätung“, auf welch abenteuerliche art und weise die protagonistin Bianca Trapp zu ihrem neuen job als ermittlerin in sachen „Waggondiebstahl“ kam. wie können waggons spurlos verschwinden? dem bahnfahrenden publikum ein völliges rätsel, sind sie doch auf gleise angewiesen, und die liegen nicht überall – oder? wie immer und überall gilt auch hier: was zählt, ist selber lesen. das macht schlau!

eine gelungene veranstaltung mit vier mitgliedern des ARE, die in ihrem frischen auftritt und ihren gelungenen texten vom publikum freimütigen applaus erhielten. was zählt: davon mehr!

© 15.09.2018 brmu

 

Kommentare

Derzeit gibt es keine Kommentare. Schreibe den ersten Kommentar!
Gäste
Sonntag, 24. März 2019

Sicherheitscode (Captcha)