litbiss.de

ach, lesen

das komma dort im text läuft
davon dir ab zum blattrand
start in die welt nicht
wie du sie dir zusammen
zimmerst und die hand
verpasst das treffen der
weil der text von dannen fliegt

© 22.08.2020 brmu

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hitze

kühle streift durchs haus
auf wirbeligen sohlen
papier hebt und senkt
sich knisternd auf dem beitisch
staub rennt mäusegleich
gräulich unters bett darauf
man liegen könnte
wär‘ die hitz‘ nicht gewesen
diese von außen

© 02.08.2020 brmu

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mal sehen

mal sehen was es so wird
das lyrische an sich und
überm haupt im großen
ganzen die sprachmelodie
mit bedeutungsschaliger
raffinesse der zeilen
sprünge in die resonanz
im lesenden hörerhirn

© 21.07.2020 brmu

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rippdipp

jetzt aber mal ein gedicht aus der rippe
gestürzt ins weiße der tinte direkt aus
dem drucker hinaus geworfen zu füßen

vor der scheibe fließt es auch in fäden, die
zu klimatexten verspritzen und alles dann
ab in den teich zu lurch und fisch und larven

der libellen, die sich aber nur wundern und
angeblich ja gar nichts tun können gegen
den stau in den hirnen des homos tumbiens

von füßen zum herzen zum hirn gestiegen
das nennen wir erkenntnisorgien im all
offene weite unser aller möglichkeiten

© 16.07.2020 brmu

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neu ist anders

würge diese bücher
bis die wörter flutschen
umgewälze muss sein
tauche die feder ein
und ziehe die leine
deiner strengen sätze
ins neuarrangement
and‘re finden den sinn

© 04.07.2020 brmu

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pups im winde

wenn ich so sitze
und das innerste nach
außen drängelt
oben rein unten raus
ist alles andere nur
schein zu einem sein das
wir dann welten nennen -
pups in den wind einer
gleichgültigkeit des
stets unverstandenen

© 24.06.2020 brmu

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windige sache

viel wind wird oftmals nicht gemacht
rasch etwas in position gebracht
bevor ein andrer wind könnt‘ wehen
von denen, die es windig sehen
denn wind von jener sach‘ bekommen
das würde andern gar nicht frommen

eh sich aus dem fenster lehnen
lieber wind aus segeln nehmen
auf dass nichts in den wind geschlagen
was man mühsam aufgetragen
oder in den wind geschrieben
was doch besser da geblieben

in alle winde sich‘s verweht
ganz wie ein pups im wind vergeht
wenn viel wind um nichts gemacht
wer hart am winde segelt, lacht
denn zehn meilen gegen den wind
merkt man‘s doch, ob einer spinnt

mantel nach dem winde hängen
würd‘ so manchen arg bedrängen
und: wer wind sät erntet sturm
da rettet auch kein babelturm
besser hart am winde segeln
und beachten: anstandsregeln

und die moral von diesem wind
schrieb auf papier, das festgepinnt

© 18.06.2020 brmu

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denken

es gibt eine abstimmung
mit den klicks:
zeigt unser meinen

es gibt eine abstimmung
mit den füßen:
zeigt unser lassen

es gibt eine abstimmung
mit dem wahlzettel:
zeigt unser wollen

klicke, füße, zettel
diese drei, aber
ändern sie‘s leben

es gibt wenig besinnung
mit den hirnen:
wär‘ unser denken

© 17.06.2020 brmu

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perpetuum narrare

der wörter gewiss
der sätze mächtig
wird text geholt
aus immer gleichem
kann ein neues werden

© 07.06.2020 brmu

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grenze nichts abhält

nach tagen der grellen kraft
grautuch über den köpfen
ohne dröppelsaft

bodennah alles umhüllt
spitz ragen grüne messer
besser nicht gefühlt

die lavasteine trotzen
sind schließlich aus dem inneren
 im kreis am klotzen

dazwischen eine schneespur
wie hummelsummend umquirlt
nicht die dünnen nur

im busch verankert das nest
von vogelingenieuren
 schön rundlich und fest

drei der schnäbel fordern frohn
pendelverkehr im fluge
giergepiepse ist der lohn

da zerreißt dich wieder krach
fräsender rasenmäher
von der hecke jenseits, ach

jeder fußt auf seiner welt
einzig wahre illusion
unterm sternenzelt

dumm nur als grenzbewohner
du erlebst die and‘re mit
ganz ohne schoner

© 20.04.2020 brmu

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gastgedicht aus langweile

Geburt der Langeweile:

Wär ich bisschen fußballspiel
Wär ich bisschen herdentier
Wär ich bisschen superdry
Wär ich bisschen shopperei

Wär ich bisschen ja, ok
Wär ich bisschen reihenhaus
Wär ich bisschen große Glotze
Wär ich bisschen grinsekatze

Wär ich bisschen knöchelfrei
Wär ich bisschen röhrenjeans
Wär ich bisschen instagramm
Wär ich bisschen tinder-man

Wär ich bisschen wie du willst
Wär ich bisschen wenig denken
Wär ich bisschen leichtes Spiel
Wär ich bisschen kein Profil

© 06.04.2020 Thomas Ulbrich

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Corona-Dipp

Corona ist doch nur ‘ne kugel
mit paar stacheln dran

wie? trotzdem lieber nicht im rudel
jetzt die straße lang

jenseits gedöns und allem trubel
lies paar seiten stramm
dadurch wirst‘ ‘ne schlaue nudel
die was raffen kann

© 24.03.2020 brmu

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anno nano

unterm rasen noch der matsch
umwölkt von stachelfliegern
hin und her und rein ins bunte
weißgeltblau und lilameer
suchen alle neues leben

darin du sitzt mit altem sein
im hier und jetzt randvoll
erinnerungskapriolen
und volten deines werdens
du meinst: so ist das leben

wer fragt: ach, weißt du noch
damals als mein erster brief
ein freudig‘s lächeln schuf
bald darauf dein erster kuss
uns durch den leib gefahren
in anno nano, so ist leben

© 18.03.2020 brmu

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... und täglich grüßt coronavir

wie alles schnell zerfallen kann
denn evolution ist immer am start
paar neue ärmchen auf ‘ner kugel
und schon ist der störenfried da

Coronavirus mit namen
vom stamme Sars-Cov-2
kuschelig Covid-19 genannt
aber vorsicht, der spielt nicht nur

mit den schwachen ur-alten
mit den recht kranken alten
krank an lunge und blutsystem
und was sonst noch schwächt

der tötet ohn‘ ansehn der person
einfach so, nur weil kontakt gehabt
drum weg mit den gepflogenheiten
wie händeschlag und küssken geben

keine mengen und massen mehr
da lauert er scheel im gewühle
und häufiges händewaschen,
falls du weißt, wie‘s richtig geht

husten, prusten nur in armbeugen
und rotze ab in‘s taschentuch
und klinken putz‘ mit desinfekt
das, was immer so sein sollte

jetzt nur noch mehr und mehr
und kein treffen mit den kindern
groß und klein, und den enkelchen
ausfällt auch die öffentlichkeit

in den vereinen, schulen, kitas,
bistros, kneipen, restaurants
konzerte, theater, kinos und
was sonst noch war so schön

jetzt sind wir in vier wänden
tür zu, so auf uns selbst gestellt
und alle handys laufen heiß
wottsäppen wird uns retten

© 13.03.2020 brmu

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memento amore

schädel rund, so
widerständig gegen den zerfall
liegt er weiß im sand

DU aber bist lebendig
ICH darf bei dir sein

mathe sagt: ganz unwahrscheinlich
lass es uns genießen
zug um zug, tag für tag
bis dass der sand uns rieselt

© 24.01.2020 brmu

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specht am toten holze

der specht im baum
hackt laut an totem holze
warmes blau darüber
aus unserer menschenzeit

ich muss euch sagen
es umnachtet uns sehr
allüberall von ego-suvern
die gülden lichtlein blitzen

und droben singt der himmelschor
darinnen kommt das klima vor
und ein kränkelnder tann

da schrie es mich gar schrille an:
idiot, rief es, dummer gesell‘
wozu dies großkotzig‘ gestell
die wälder fangen zu brennen an
höllentor ist euch aufgetan

alt und jung bekommt es nun
heftig mit der hitz' zu tun
und kein werfen weißer bälle
kein schlitten steil im gefälle

ich muss euch klagen
er fehlt mir sehr
der winter ohne weihegedöns

nun fragt: auf der erden heut
sind’s gute leut‘, sind’s böse leut

der mensch vom baum
sägt laut am dünnen aste
darauf er hockt noch
in seiner schwellenzeit

© 21.12.2019 brmu
nach Theodor Storm’s Gedicht: Knecht Ruprecht
"Schwellenzeit" aus Lukas Bärfuss: Hagard, btb71669, Seite 19

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familie k/ein

familie wär‘ ein ort
an dem die schuhe fallen
man in den sessel sinkt
und ruft: wat gibbet neues?

familie sei kein tort
in dem die regeln knallen
man vor den sessel springt
und flucht: wie blöd, bereu es!

familie auch kein port
an dem die worte hallen
man miteinander ringt
mit wucht: viel des gebräues

familie sei ein hort
an dem gefühle wallen
verständnisruf erklingt
ohn‘ kluft: keiner scheut es

familie just ist dort
wo all‘ sich in die arme fallen
man in den sesseln singt
und groovt: wie schön‘s heut es

© 17.11.2019 brmu

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Iss gut - jetzt und ...

Iss gut jetzt!1

du - denk nicht nur
bis zur nasenspitze
ist falsche spur
reicht nicht, ohne witze

musst dich runterbeamen
bis hin zur fott
unterm hosenriemen
ganz ohne spott

da schwimmt in deinem darm
ganz unerkannt
von dir der bioschwarm
der krankheit von dir bannt

die aber hungern sehr
brauchen futter
samen, schalen und mehr
klei‘ mit butter

machen daraus fetzen
im dicken darm
sich am schrot ergötzen
wie wird mir warm

gehst du dann gestalten
kommt alles raus
gutes wurd‘ behalten
von deinem schmaus

und die weisheit von der sache:
die mikroben halten wache!

© 26.09.2019 brmu
1 aus: Der Spiegel Nr. 27/2019, Artikel von Jörg Blech, „Iss gut jetzt!“, Seite 97-102

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nachtverlust

lauthals die nacht
motorgebrumm über
knisternden balken
abrieb im hals wie
reudige reifen ein
drehen und wenden
am kopf ende, tja
den rest der zeilen
längst vergessen in
der weißen
weite

© 20.09.2019 brmu

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müßige revolte

hast du stress in deinem körper
lass ihn raus, ganz ohne wörter -
ihr getön macht dich besiegt

das wird doch nimmer zur musik
die fort dich trüg zum müßiggang
mit diesem revoltehang

wider all die arbeitsstrafe
als ein diktum für die schaafe
erlösung sie erhoffen

nein, sei heiter skeptisch offen
denn ein menschenrecht auf muße
das fehlt, ganz ohne buße

müßiggang ist wachstums ende
demut brächte uns die wende
und menschenmaß dazu

das weniger-ist-mehr-tabu!
so merk‘ dir das und gibt dich hin:
lösung: ohne den gewinn

„c“ kommt nicht von „c“apitalist
Jesus, viel später hieß er „c“hrist
trieb die aus dem tempelsaal

versau‘n die botschaft allemal
deinen nächsten sollst du lieben
profitgier wird’s versieben

und die moral von der geschicht':
zuviel geld dein hirn versifft

© 16.09.2019 brmu

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ja, das altern

wenn das alter dich plagt
geh‘ am regal entlang
was dir da entgegen ragt
schnapp‘s und sei nicht bang
denn überraschungslektüre
ist für die hungrige seele
eine erquickende maniküre
noch vor der friedhofstele

© 18.08.2019 brmu

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liebe die leser/*in

schreib‘ etwas nieder
doch schrei nicht nieder

schlage ein buch auf
doch schlage nicht zu

und lies mit genuss
doch les‘ nicht verdruss

und wenn du klug bist
dann red’st du nie mist

liebe die leser
lese die lieber

© 10.08.2019 brmu

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trampeltrampy's ratten

der trampeltramp hat getwittert
schon grollt es, als hätt’s gewittert
achtung: in Baltimore sind ratten
da sieht man trampys schatten

wie mies sind wir drauf
dass wir uns zuhauf
scheißhausparolen
ins haus reinholen?

twitter reimt sich auf
gitter, hinter der
vernunft fast ohne
zukunft in dummheit
sitzt und ängste aus (!)
schwitzt: keine bühne
der massendemenz

© 01.08.2019 brmu

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Kantige schamesröte

die welt springt aus den fugen

trumpeltramp twittert seinen
seelenrotz ins netz wie ein
alter kuhjung' tät greinen
klonah im wilden westen

schießwütige zucken mit
diesen schmutzigen fingern
kuddelmuddelhirn gelenkt
wie ein mittelalter-kid

kinder werden gestoßen
ins tödliche gleisbett rein
kinder ertrinken im meer
man lässt sie gar nicht herein

unverdauliches kommt spät
in den abendnachrichten
wer wird uns dafür richten
für die inhumanität

nicht götter im himmelsgrund
nicht teufel im höllenschlund
alles auf Gaias erden
mit menschheit kann’s nix werden

es sei denn sie denket gut
ist beim handeln auf der hut
damit gier und geilheits spuk
sie nicht mehr erobern tut

die welt ist aus den fugen!
und, war sie jemals da drin?

© 30.07.2019 brmu

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doppel im regal

hai, kennst du das auch
schwimmst am regal entlang
willst einen fang dir finden
aber keiner … - da!
schnappst du den anderen
seit tagen deinen augen
immer wieder verborgen

die bestellung kannst du
nun nicht mehr stornieren
wieder so ein fall von
doppel im regal

kenn‘ das nich‘
surf‘ im netz
so
wisch und weg
am display

© 24.07.2019 brmu

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3. aufklärung

als wir von den bäumen stiegen
durch die savannen streiften auf
der hut vor säbelzahntigern: da!

da waren wir noch unaufgeklärt

homo sapiens wir wurden
durch die großstädte streiften auf
der hut vor dem straßenverkehr: da!

da waren wir zweimal aufgeklärt

argumentetausch vor gewalt und
vernunftsweg aus der unmündigkeit
von Sokrates und Kant beraten

und die erkenntnis von der geschicht‘

zu viele haben’s kapieret nicht
drum brauchen wir die dritte klärung
wir sind in einer gemischten Welt1

in der unser handeln und lassen
in einer aufgeklärten Kultur2
bestimmend ist für wohl und wehe

aller!

© 24.07.2019 brmu
anklang an: Michael Hampe: Die Dritte Aufklärung, NP&I 2019
1 seite 11 / 2 seite 10

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ratten

neulich fand ich eine tot im garten
die hatte sich wohl verlaufen nun
lese ich ganz altmodisch analog in
der heutigen zeitung: landtagsab
geordneter bezeichnet journalisten
als ratten und wird dafür gerügt die
entschul‘gung folgt - indes sprache
verroht in den heiligen hallen

es scheint: pöbel wähle pöbel
die dummen die dreisten oder
spiel‘n die schlauen mit‘m grauen
einer allgemeinen verluderung

ach, was muss man oft von blöden
hör‘n und les‘n - zum anöden
wie zum beispiel hier von jenem
macker, ohne ein benehmen
der, anstatt durch weise lehren
sich zum maße zu bekehren
scheinbar gar nicht d‘rüber dachte
und sich offen lustig machte
ja, ‘ne journalistenhetz
ja, als ratten sie verletzt
menschen schrecken, tiernam‘ wählen
ehre, ethos, anseh’n stehlen
das ist freilich so viel leichter
und dazu noch viel, viel seichter
als im landtag, gar nicht krude
sich zu mäß’gen auf dem stuhle
aber wehe, wehe, wehe
wenn ich auf das ende sehe
ach, das ist ein schlimmes ding
das mit AhäffDreh anfing
drum sei hier, was die so meinen
eingereiht ins üble greinen

© 24.07.2019 brmu
KSTA v. 24.7.2019, (Ilse) Aigner: Attacke auf die Grundordnung, „Vergleiche von Menschen mit Tieren sind in der politischen Diskussion untragbar.“ Und: „Wer Journalistinnen und Journalisten attackiert, attackiert auch unsere freiheitliche Grundordnung.“

text teilweise nach: Wilhelm Busch, Max und Moritz

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hitzig baldig

die ränder steil, der pegel niedrig
fischbäuche schlieren im grauen
schlamm des teichsystems und
drüber, überm wasser, da ist kein
regen in der trockenluft

also geh‘ ich den weg zum wasser
hahn und lass den gartenschlauch berg
bach spielen so strullig
schön plätschernd und felsriffelig das
klare wasser hineinströmt

denk‘ dabei:
wer wird uns
den bergbach
einst spielen

© 23.07.2019 brmu

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filterblasentusch

seine filterblase verlassen
hat Sarrazzia nie, schwimmt
lieber in der trüben suppe

pissoiden gedankenbreis
ein nährstoff höckeriger
gymnasiallehrerleere

ach, deutland, denk ich
so am tag und in der nacht
eine unruh‘ in mir kracht

© 16.07.2019 brmu
auslöser: KSTA v. 16.7.2019, seite 19; titel: Der Staat muss eingreifen“, gespräch mit Rolf Schwartmann / TU Köln, zitat: Die eine Säule bildet unsere Wahrnehmung durch die Brille von Facebook oder Google ab. … Der Mechanismus wird aber da bedenklich, wo man darauf angewiesen ist, vielfältig informiert zu werden und dafür seine Filterblase verlassen muss.

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s-bahn-bank

saß auf s-bahn-bank
schönheit ins handy versank -
mir gegenüber

© 02.07.2019 brmu

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Rackete legt es an

dummer hass ist schneller pass
in die hölle der inhumanität
garniert mit krassem gebrülle:

handschellen soll sie tragen!
die lebensretterin am hafen
und der papst im selben lande

liebe deine nächsten wie dich selbst!
worthülsen aus ganz altem buche
wie müssen sie sich selber hassen

liebe deine nächste wie dich selbst
und lass sie doch nicht ersaufen
sollst lieber die schlepper schnappen

denn die machen üble geschäfte
mit all der not der anderen, diese
geldströme müssten versiegen

aber halt: da war auch beifall
an der hafenmole von händen
der schön freundlichen art

hut ab für dich, du Rackete!
junge frau vor kaimauerstau
in der revolte wider das übel

was wäre, wenn das Venedig
sich plötzlich leeren würde, bar
der unmengen an touristen

bis sich diese eine zelle leerte
in der die mutige kapitänin sitzt, im
schrammakt der humanität

ach, menschheit, wie böse du bist
wie hässlich du auf das gute pisst
und anhäufst so viel üblen mist

© 01.07.2019 brmu

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kaffee zum überlaufen

hier coffee to go!
schreit die reklame – oh no
ein grünteetrinker

© 02.05.2019 brmu

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vorsorge ist die mutter der gesundheitskiste

hast du krebs im bauch
ja, dann musst du auch
vertrauen haben

dass einer schneidet
ihn aus dir weidet
ganz professionell

auf das am ende
heilung behände
dich wieder aufbaut

dem meister sei dank
mit kotau galant
für neues leben

und den andern all‘
die in deinem fall
geholfen haben

sei dank ebenso
ich war wirklich froh
auf C2 zu sein

© 23.04.2019 brmu
C2 = Abteilung im St. Franzikus Hospital Köln-Ehrenfeld

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Kölsch im kopp III

ach, kölsche stang‘, isch han disch jän
ahl bier hät do nix zo kamelle
un pilz, dat han isch an de föß
dat muss isch hier doch nit verzelle

ein Kölsch: der nervenkrampf sich löst
und simmelierend du bald döst

drei Kölsch: wie deine zung‘ wird locker!
deine sprüche hau‘n vom hocker

fünf Kölsch sind nun schon eine menge,
fühlst bereits die blasenenge

sieben stang‘ sind reichlich und genug
zum aufsteh‘n fehlt dir schon der mut

das achte Kölsch kommt nun on top,
dat krij‘ ich nidde in de kopp

das neunte hatte keinen deckel,
drum steht das zehnte auf dem zettel

elf Kölsch: die sollen einen warnen,
sonst geht’s dir zum erbarmen

und wenn das Kölsch dann nicht mal echt
nicht obergärig, hell und blank
kein vollbier in der stange schlank
dann wird dir in der kneipe schlecht

und zuhause tönst du froh:
„zwöllef kölsch gesoff’n – aber so!
un‘ mit Alt nich‘ ma‘ verwechselt!“
so wird suff auf schön gedrechselt

doch die liebe deiner lebenstage,
die kennt schon lange deine sage
vom raderdollen bubenstück -
schleppt ins bett dich - was ein glück!

© 02.03.2019 brmu

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toilett im netz

social media ist die toilette
des internets1,
meint eine lady,
die oftmals gaga scheint -
doch wahrheit kommt manchmal
aus unberufenem munde

© 01.03.2019 brmu
1 Kölner Stadt-Anzeiger v. 1.3.2019, dpa-randartikel „Wir haben euch alle reingelegt – Lady Gaga kommentiert Liebesgerücht …“

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bähzoff ama zorn

122 milliarden schützen
vor torheit nicht
dummheit im sumpf
der moneten ist immer
kostenlos zu haben -
die auswirkungen aber

© 12.02.2019 brmu

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kurz gelesen

augen kurz gelesen
und die börse platt
vergebens gewesen?
beide schließ ich matt

© 02.02.2019 brmu
erstversion vom 13.1.1986

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