litbiss.de

Bell's Bach

eine wahre geschichte: an einer u-bahnhaltestelle in Washington DC spielte Joshua Bell an einem Januar 2017 für 45 minuten auf seiner violine sechs stücke von Bach. während dieser zeit benutzten ca. 2000 menschen diese haltestelle, die meisten auf dem weg zur arbeit. nach etwa 3 minuten bemerkte ein passant die musik. für ein paar sekunden verlangsamte er seine schritte, um dann …

wer wissen will, wie es weitergeht, der starte den film.

ich geh‘ dahin
wohin ich soll
wohin ich muss
ins hamsterrad
blend‘ alles aus
auf meinem weg

und bin ich dann im hamsterrad
dann renn‘ ich bis es quietsch
bei mir im kopf, da brennt es
dann so lichterloh dynamisch

ich möcht‘ dahin
wohin ich will
wohin ich mag
in mein zentrum
nehm‘ alles auf
schau‘ alles an
hör‘ allem zu
auf meinem weg

ein teil von mir
das soll es werden
und liebevoll
streich‘ ich die geige
die einstens ich
nur halten konnte

© 07.03.2017 brmu

1 Kommentar



again against

top down ein
phantom
buttom up ein
syndrome
make something
great again
and again
and against …

© 05.03.2017 brmu

0 Kommentare



klittern mit twittern

lass‘ ihn raus
den twitter-furz
denn er ist so
herrlich kurz
brauchst auch nicht
zu denken
gar worte gut
zu lenken
alles scheint erlaubt
was anderen
den atem raubt

ach, post-faktisch
so nennt man
diesen mist
aus dem handy
hingepisst
wo‘s doch contra
heißen muss
dieser post fuck
tische stuss

bedenke
nach dem fakt
da stehst du nackt
für alle zeit im
#tweet-kostüm

© 04.03.2017 brmu

0 Kommentare



markeG47artikel

aus der historie der Gruppe 47: im Mai 1964 reiste Hans Werner Richter, motor des „freundeskreises G47“, selbstherrlich zu einer anberaumten pressekonferenz, um über eine geplante tagung der G47 (in offizieller mission in Schweden) vorab zu berichten. aus dem freundeskreis wird eine art „diplomatische vertretung“. ein novum in der geschichte der G47 und kristallisationspunkt der beginnenden selbstzerlegung, weil vielen mitgliedern die dinge zu kommerziell und offiziell geworden waren.

Martin Walser bringt es in Die Zeit am 3. Juli 1964 auf den Punkt:“ Wenn ich in eine Universität komme, um dort etwas vorzulesen, und ich sehe auf dem Plakat unter meinem Namen die Zeile >Mitglied der Gruppe 47<, …, dann erschrecke ich ein bißchen, ich ziehe die Luft ein, und siehe: es riecht nach Markenartikel.“

Walser fordert eine öffnung der G47 für alle und eine jury, den andrang zu sichten, damit „jeder Hauch von Klüngelei, Verschwörung, Herrschsucht und so weiter weg“ sei.

über 50 jahre später: >Die Gruppe 48< ist für alle offen, hat eine jury, liest öffentlich und vertritt ausschließlich literarische interessen.

© 04.03.2017 brmu
aus: Helmut Böttiger, Die Gruppe 47, DVA 2012, seite 345ff.

0 Kommentare



keine pläne

hast du feine pläne
bist du noch ein kind
hast du deine pläne
bist du erwachsen
hast du eil’ge pläne
bist du im alter
hast du reine pläne
dann wär‘st du ein mönch

wahrlich, wenn ihr nicht
planlos werdet, dann …

© 04.03.2017 brmu

0 Kommentare



rosen montag

eine rose ist
eine rose am montag ist
eine rose am montag im zug ist
eine rose am montag im zug im strauß -
aber bitte mit kamelle

so vergessen wir die delle
die uns ins gemüt geschlagen
bejubeln laut die mottowagen
worauf all‘ uns‘re ängste hocken
gebannt in puppen die uns schocken
rennen in die kneipe, ab zum wirt
bis der nubbel helle brennen wird

eine rose war
eine rose am montag war
eine rose am montag im zug war
eine rose am montag im zug im strauß -
leider ohne kamelle

© 27.02.2017 brmu

0 Kommentare



jeck um 11:11

jet jeck simmer all
das is’n klarer fall
un jede jeck is anders
im winter wie sommers
drum loss de jeck elans
ein zeichen von toleranz
und im karnevaltrubel
wird’s klar: auf der kugel
der erde leben wir alle
wie in einer großen falle
auf gedeih und verderb
köbes, ‘n kölsch, aber derb

© 23.02.2017 brmu

0 Kommentare



beste lebensregel

haut     -farbe
haar     -farbe
augen  -farbe
körper insgesamt:
völlig irrelevant

auf dein hirn, da kommt es an
wenn reingefurzt da einer hat
macht‘s dein ganzes denken platt
drum achte auf dein hirn recht gut
selber denken, das macht mut

© 16.02.2017 brmu

0 Kommentare



das sein

absurd, dass etwas ist
denkst du
wenn nächtens du mal pisst

absurd, wenn’s nicht mehr ist
denkst du
wer wär‘, der es vermisst'

© 16.02.2017 brmu

0 Kommentare



Valentin hat's verpennt

verschwiegen hast du deinen tag,
Valentin, du schlapper sack!
den gestern wir doch feiern sollten.
oh wie arg wurd‘ ich gescholten:

wo denn meine liebe bliebe,
ob’s mir wäre einerlei.
und es drohten wörterhiebe
aus der jahre allerlei.

wo nur waren meine sinne,
dass auf ihn ich hatt‘ gesetzt
mich zu erinnern, hier und jetzt?
er jedoch pennt vor sich hinne!

muss zur buß‘ gedichte schreiben,
bis sie wieder gut mir ist
in eintracht, ohne diesen zwist.
will lieben ohne leiden.

für Valentinstags heißen kuss
ich den tag mir merken muss.
geht sonst das ganze wieder los!
wo, kalender, bist du bloß?

© 15.02.2017 brmu

0 Kommentare