litbiss.de

Dem Künstler gebührt ....

…ein Künstler ist vor allen Dingen ein strenger Arbeiter und ein Geduldsmensch. Dabei spielt die so häufig aufgeworfene Frage, nämlich ob die Kunst zu einem hin- oder aus einem hervorkommt, eine kaum mehr als nichtige Rolle. Antworten, die nicht zu finden sind, soll man auch nicht suchen. Natürlich ist immer auch die Haltung bestimmend, aber auch diese Haltung unterscheidet sich in keiner Weise von der, die eigentlich jeder Mensch einnehmen sollte. Wir alle können doch nur dankbar für dieses Leben sein, und deshalb können wir im Grunde genommen gar nichts andres tun, als das, was wir auf dieser Welt erblicken und empfinden dürfen, auf unserer Weise, in nur leicht gewandelter Form, der Welt auch wieder zurückzuschenken.

Dem Künstler gebührt dabei nicht nur eine besondere Stellung, sondern ihm kommt auch die wichtigste Aufgabe zu, denn das, was er der Welt zurückgibt, wird ein Teil von ihr bleiben. Nur, um sich in den Dienst dieser Aufgabe zu stellen, sollte er die Freiheit, die er sich erwählt hat, nutzen und sich, über alle persönlichen Grenzen hinweg, stetig ins Offene und Unwirkliche treiben lassen, denn nur dort schärft sich sein Blick, und nur dieser geschärfte Blick ist es, der die Dinge durchdringt und, unter Ausschluss des Verstandes, der Hand befielt, diese herrliche Willkür unserer Existenz auf einem blatt Papier oder einem Stück nachlässig aufgezogener Leinwand zu bannen.

Qed! Gilt sinngemäß auch für die Schriftstellerei.

© 22.11.2019 brmu
Zitat aus: Jan Peter Bremer: Der junge Doktorand, berlin Verlag 2019, S. 163-164

 

Kommentare

Derzeit gibt es keine Kommentare. Schreibe den ersten Kommentar!
Gäste
Freitag, 10. April 2020

Sicherheitscode (Captcha)