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Camus - Daoud - treff

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Françoise Kaeppelin, "Bernhard", stift auf karte, 8 cm x 5 cm (während des vortrags)

lieber Albert, du wirst dich wundern, was diese kleine zeichnung für eine bewandtnis hat. ich hatte doch tatsächlich den mut, meine laienhaften gedanken zu dem buch von Kamel Daoud mit dem titel „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung“ und deinem „Der Fremde“ zusammen zu tragen und dann am 10. April 2018 den anwesenden mitgliedern der nach dir benannten gesellschaft in Aachen vorzutragen.

dabei berichtete ich anfangs, wie ich das tat: in abgeschlossener arbeitsatmosphäre wie unter einer glocke, auf der „Bitte nicht stören“ gestanden habe. das hat offenbar zu der obigen zeichnung angeregt. du siehst, wie ernst wir dich nehmen, auch wenn wir über andere bücher sprechen, die einen intertextuellen bezug zu deinen haben.

bei abschluss meiner persönlichen betrachtung oder erkundung der beiden bücher kam mir dieses gedicht noch in den sinn:

absurdistan

texte entblättern sich und wirken aus ihrer mitte
in meinem kopf, mal schnell, mal langsam, bitte:
öfters sogar in keiner weise, still ist‘s dann im hirn

sie wirken auf dich anders als auf mich und wenn nicht
so sind wir in holder resonanz miteinander, ganz dicht
gründen beziehungen im rausch der zweisamkeit

bis ein begriff uns wieder trennt, der bedeutung wegen,
bis sich jeder tief verrennt in der sinnsuche eben,
im labyrinth der interpretation: im absurden des seins

was aber ist absurdität denn anderes als das missen
von endgültigem wissenkönnen, denn wir heute wissen
als elemente des systems können wir es nicht begreifen

gleich dem zahnrad im wecker, das nur etwas ahnung
hat von sich und seinesgleichen und der verzahnung -
nur den sinn des weckers wird es nie ergründen

© 12.04.2018 brmu

 

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