litbiss.de

Zauderbann IV

er war wieder allein. allein mit seinem geheimnis. einen namen hatten sie ihm gegeben, wie wunderbar. nun hatte er seine aufgabe, er sollte ein geheimnis lüften und wollte doch nur wissen, was jenseits des Zedernwaldes war. aber war das nicht auch ein geheimnis? wollte er nicht immer schon geheimnisse lüften, wissen schaffen, ein wissensschaffer sein?

kurz entschlossen wendete er seine schritte zurück in die richtung zu der lichtung. nach stunden des suchens in der dunkelheit, nur spärlich erhellt durch das licht des mondes und das der sterne, traf er im silberglanz auf die lichtung. alles sah so ganz anders aus. wo konnte nur die stelle sein, an der er mit den händen graben sollte?

sein blick schweifte und die zeit vertrich. bald würden die farbboten der sonne erscheinen, erst grau, dann blau, rot, dann gelb. da vernahm er ein rascheln und schon sah er auch die maus zwischen dem grase wuseln. wo mäuse sind, da sind auch löcher. wo löcher sind, da ist auch lockerer boden. da beginne ich mit meinen händen.

so dachte Zauderbann und grub mit kraft. geduld war schon vonnöten und viel erde wollte geschöpft werden, aber schließlich hielt er den schaft eines zauberhaft gearbeiteten, tiefblauen stabes in den erdverschmierten händen. als er ihn gereinigt hatte und vor sich hielt, um seine schönheit zu bewundern, leuchtet er auf, es flutet ein pulsendes, blaues licht und hüllt beide ein:

wie du auch heißen magst,
dass du es heute wagst,
den Blauen Stab zu fassen,
nicht in seiner ruh‘ zu lassen,
das soll dich ewig reuen,
solltest du dich scheuen
nach weisheit zu verfahren
und das gesetz zu wahren.

denn bedenke
ich das schenke:
ein froher mut
der wendets gut.
aber glaube
ich auch raube:
doch trüber sinn
macht alles hin.

rufe deinen namen laut,
dass es schallt in deinem ohr,
so bin ich allzeit dir vertraut
vergesse alle, die zuvor.

Zauderbann tat wie ihm die stimme geraten. sein name schallte aus seinem munde und echote zwischen den bäumen: Zauderbann, Zaubermann, Zederbann, Zederbaum. aber am rande der lichtung zischte der zwockelzwerg verwünschungen, trollte sich und hatte böse gedanken. (fortsetzung folgt)

© 17.09.2018 brmu

0 Kommentare

Zauderbann vom Zedernwald III

so sangen die Elfen, tanzten im reigen und der EINE verneigte sich. während sie ihn in ihren tanzkreis zogen und mit ihm herumwirbelten, sangen sie

du weiser menschenmann
nenn dich abnun Zauderbann,
denn zaudern und zagen
wirkt länger als schlagen,
schlägt dennoch in bann,
wohl dem, der so gewann.

wisse nun, des stabes kraft
wandelt die besitzerschaft!
was aber der besitzer schafft
bestimmt direkt des stabes kraft!

denn froher mut
wendet es gut,
doch trüber sinn
macht alles hin.

die zwergenmacht
ist heut‘ gekracht,
dein edelmut hat ihn bezwungen.
eile nun und nimm
den heutigen gewinn,
denn das werk ist gut gelungen.

die Elfen zwitscherten aufgeregt durcheinander und dem neugetauften drängten sich tausend fragen auf.

eile Zauderbann!
die lichtung ist der hort.
grabe mit den händen fort,
was zwergenschaufeln zugedeckt.
dann ist des stabes macht geweckt.
laufe menschenmann!

schon entfernten sich die wesen, da rief ihnen Zauderbann flehentlich nach: „was hat es denn auf sich mit dem Blauen Stab? kann er meinen wissendurst löschen?“

„du wirst es selber merken an deinem tun und deinen werken,“ trug der nachthauch ihm entgegen, dann war nichts mehr von den Elfen zu vernehmen.

er war wieder allein.

(fortsetzung folgt)

© 13.09.2018 brmu

0 Kommentare

Zauderbann vom Zedernwald II

der EINE wunderte sich und glaubte hinfort, dies sei die art der zwerge.

darüber grübelnd setzte er seine mühsame suche fort. nun aber war sein weg begleitet von seltsamen geräuschen: ein knacksen und rascheln, ein wispern und zwitschern feiner stimmchen und manchmal auch ein klingeliges kichern, wenn er einmal strauchelte und beinahe in den matsch fiel. ihn dünkte, er wäre nicht allein. aber zu sehen war kein wesen.

die folgende nacht – es sei bereits verraten, die letzte für ihn im Zedernwald – verbrachte er in einem mit moos weich und warm ausgepolsterten hohlstamm. die anstrengungen des tages hatten ihn müde werden lassen. da zwitscherte ein stimmchen fein:

„du, ohne namen, nun
du hast den zwerg geschont.
er hat’s dir nicht gelohnt.
das wollen wir jetzt tun.“

schon halb im schlaf brummte der EINE: „wer bist du? was folgst du mir?“ und er bekamt zur antwort:

„nicht zwerg, nicht troll,
sondern guter dinge voll,
sind wir alle Elfen fein,
laden dich zum tanze ein.“

mildes licht traf sein gesicht. was mochte das nun wieder bedeuten? augen auf, aufrappeln, kleider abklopfen und sich umschauen war eines. vor ihm schwebten liebliche elfenwesen, zart und zutraulich in ihren gesten. der EINE trat in ihren kreis, huldigte ihnen und sprach:

„ihr elfenwesen, die ihr mich beobachtet, was kümmert euch der zickige zwerg? ich tue niemandem etwas zuleide. das ist normal und nicht besonders lobenswert.“

„oh doch, denn dieser zwerg ist der hüter des Blauen Stabes aus dem großen Flachen Land jenseits des Zedernwaldes und von besonders zwickelzwackelzwockeligem zuschnitt.“ da musste der EINE herzlich lachen über diese beschreibung.

„EINER, du sollst von unsern gaben
einen teil geschenket haben.
denn dem menschen von edelmut
steht ein würdevoller name gut.“

so sangen die Elfen, tanzten im reigen und der EINE verneigte sich.

(fortsetzung folgt)

© 07.09.2018 brmu

0 Kommentare

zauderbann vom zedernwald

zu zeiten des zauberers Zauderbann, als die menschen tagsüber noch träumen konnten, weil sie nicht so zahlreich waren und mit den gaben der natur auskamen, als sie sich noch wundern und staunen konnten und sich tagelang über ihre erlebnisse miteinander unterhielten, ja, als sie eigentlich noch alle wie die kinder waren, da geschahen seltsame ereignisse.

die menschen wohnten mitten in einem schier grenzenlosen wald, der sie sicher umgab wie eine zwingburg. er war so dicht verwachsen, dass sich niemand hindurch traute. nur einer verspürte den zwang der neugierde und drängte sich durch das gestrüpp. er sprang über umgestürzte baumriesen, durchwatete farnwedelwälder, kroch durchs unterholz. er wurde ganz schön geritzt und gezwackt von zweigen und dornen und gar auch von den zecken, die auf ihn zu warten schienen. das aber störte ihn nicht.

denn er wollte unbedingt wissen, was jenseits des zedernwaldes sei.

am dritten tag aber sank ihm der mut, jemals aus dem wald herauszufinden. zerschunden stolperte er auf eine lichtung und genoss das spärliche, grün getönte sonnenlicht. im sitzen wurde ihm warm und wohlig, so dass seine sinne in tagträumerei versanken. da schlich plötzlich ein zwerg aus dem dickicht und näherte sich ihm behutsam. er glaubte wohl, der EINE schliefe und er könne ihn ungestraft zergeln. schon streckte der zwerg seine hand aus, ihn in die wade zu zwicken, da griff der EINE zu und ließ nicht mehr los. wie jammervoll der zwerg auch zeterte, er zwang ihn fest zu boden.

„was störst du meinen frieden, zwerg“, schimpfte der EINE, „ich habe dich nicht gezergelt und auch nicht gezwockelt!“

der kleine wicht japste, war aber dennoch zickig: „du bist auf meinem grund und boden. da gehörst du nicht hin. zuzug mag ich nicht.“

zorn stieg in des EINEN adern auf und er donnerte: „der zedernwald ist nicht vergeben! du maßt dir an, besitz zu haben?“ und verstärkte den zwang seines griffes.

der zwerg zuckte und zappelte ziemlich frech und zeigte keine einsicht.

da war es dem EINEN zu dumm. „höre, zwerg, du weißt, ich bin stärker und kann dich zerquetschen, aber das ist nicht nach meinem sinn. ich will dir deine frechheiten vergeben, wenn du mir den weg ins unbekannte land weist. du musst ihn wissen, denn du bist länger hier im wald als ich.“

so sprach der EINE und setzte den zwerg auf armeslänge sich gegenüber. dem zwang entronnen, wich der zwockel, so nennen sich die zwerge selber, flickflack zurück und floh zickzack ins unterholz. der EINE wunderte sich und argwöhnte hinfort, dies sei die art der zwerge.

(fortsetzung folgt)

© 04.09.2018 brmu

0 Kommentare

wunsch&wirklichkeit

 IMG 2614d

angekommen.

hier.

wunsch und wirklichkeit endlich deckungsgleich für diesen, vom meer umwehten moment.

es war eine anstrengende fahrt gewesen. lange stunden am steuer gesessen, auf dem weg in die vision von der schönheit des zieles: eremitage auf der insel, von wasser umgeben, von winden umtost, sonnenbeschienen, vogelumschwärmt - und dazu menschenleer.

wir silbermöwen hatten das terrain besetzt und dominieren es schon den ganzen sommer lang. auch da, wo der neue nun schon über einer stunde hockt. offenbar ein mensch, vielleicht wie üblich eine gefahr. wir kurven um ihn mal im vorbeiflug, mal im sturzflug und schätzen das risiko ab. unsere warnrufe perlen über das wasser der ewig leckende see. ein langgezogener schrei aus dem schnabel einer unserer mutigsten beendet das spektakel mit dem befund der momentanen harmlosigkeit. die anderen brüter und flieger nehmen von ihm gar keine notiz. sie sind in den sandlandschaften anders beschäftigt, das gras gilt ihnen als hinreichender distanzschutz zu dem sonderling.

das meditative sitzen auf dem stein macht mir dann doch mühe. ich ziehe meine steifen knochen zu mir, richte mich im lotussitz wieder auf und höre nur auf das zarte, rhythmische rauschen des meeres, synchronisiere es mit meinem atem, ein: rausch, aus: schlürf, ein: wusch, aus: rasch. bald gleite ich wieder in die antichambre der meditation. gedanken ziehen wie schiffe vorbei, tuten und verschwinden hinter dem strich des horizonts. ihrer sich zu entledigen dauert, aber befreit dann von der last der existenz – schwebend nähert man sich der anschauung: leere allüberall.

das licht zügelt seine photonen, was unsere augen als amüsierte beobachter der szene angenehm bemerken. wir sehen ihn sich nach längerer sitzung mühsam aufrappeln, schwankend in den stand kommen, als habe er alkohol im leergefegten kopf, und dann ungelenk richtung seiner unterkunft stapfen. er hält sich wacker und will wohl sein alter verleugnen.

nach der erholsam tiefen referenz, die meer und strand erwiesen wurde, war es nun zeit. angekommen. wunsch und wirklichkeit sind vorerst deckungsgleich.

© 21.07.2018 brmu
© 30.06.2017 foto brmu, Lotseninsel, Strand zur Ostsee nahe Leuchtturm

0 Kommentare

alt&neu

alles neue relativiert das alte – wer auf dem alten steht, will es aus eigennutz bewahren – er wird das alte überhöhen, um es zu härten wider den angriff des neuen – er wird das neue herabwürdigen, um es zu schwächen im vergleich zur substanz des alten – ein anderer wird das neue verherrlichen, um es stark zu machen – er wird das alte veralbern, um es herab zu würdigen - es wird ein wettstreit der meinungen entstehen – der wird eskalieren bei verhärteten fronten – erst worte, dann dinge, dann bomben – über die vermittler zwischen den lagern fallen beide seiten her - mord und totschlag sind das risiko – nach der turbulenz der auseinandersetzungen erlahmen die kräfte – es tritt ernüchterung ein beim zählen der verluste – das hirn wird wieder eingeschaltet - derweil hat sich das neue ins leben der jungen eingeschlichen – sie fragen sich: warum nur das blöde leiden?

glaube, dummheit, hoffnung – diese drei!!!

© 11.07.2018 brmu

0 Kommentare