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Greta im Hambacher Wald

aus Schweden taucht uns
Greta auf als ein fanal
will uns was bedeuten:

Wenn eine Epoche erkennt,
dass sie hinter ihrer eigenen
Bewusstseinsstufe handlungsmäßig
zurückgeblieben ist, dann ist sie
eine“ bloße Schale“
1 – so
liest uns Hegel die leviten

ich übersetz‘ das mal:
Greta (er)mahnt also alle
die wir hohle köppe in
Faulheit und Feigheit2 -
so rügt uns Kant allemal -
unglaublich untätig in
wohlstandsblasen blubbern
Greta (er)mahnt uns alle
zum qualitativen sprung

wohin gehen die reisen
die frage aller fragen
der sprung wird‘s erweisen

wer den wald nicht schont
der der knete front

© 20.08.2019 brmu
1 aus: DIE ZEIT Nr. 18 v. 25.4.2019, D. Finkelde: Was Hegel schon über Greta Thunberg wusste;

2 Immanuel Kant: Was ist Aufklärung, in: H. D. Brandt (Hrsg.), Philosophische Bibliothek, Meiner 1999, Bd. 512:
Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es andern so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. (1784)

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kante an kante

sitze am holden meer
auf der bohlenrampe
vom wetter geribbelt
mahnt sie meinen po
schlechter ist anders

wo: an der tagebaukante

ich erheb‘ mich
sie gibt sich die kante
strombesoffen torkeln
bagger am rand entlang

ich erheb‘ mich
räder kratzen wie
maulwurfschaufeln
im fluvialen kies

ich erheb‘ mich
und frage den wind
was er so mit sich trägt
an körniger wahrheit

wann dringt die ein in
die hirne der polköpp
zu enden das buddeln
wie einst im sandigen kasten

derweil im ganzen wald
deren dummheit schallt:
oh wie schön ist kohle! klar?

© 04.08.2019 brmu

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ob der weint

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© 15.09.2018 brmu: Bagger an der südlichen Hambach-Tagebaukante

wo nur sind die alle
in der urlaubsfalle
mit der reifenkralle

oder weggelaufen
vor dem luxushaufen
den wir gar nicht brauchen

vielleicht auch einfach nur
dem neuem auf der spur
in einer wellnesskur

der fluchten sind viele
vor‘m realen spiele
daheim im baggerland

der lasche steht am wald
millionen gibt’s da bald
für 'ne aufforstung halt

Hambach ist nicht gemeint
ein bagger kratzt designt
sein fahrer, ob der weint

© 30.07.2019 brmu

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feurige fahnen

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© 27.07.2019/5:54 foto brmu: kraftwerksfahnen im morgenlicht

psychiater, psychiater, und siehst du nicht dort
die kohle-werke am fernen ort
junge, junge, ich seh’ es gell
schillern doch die wolken so hell

„du brauchst mich, dich reizt dein schönes gehalt
und bist du nicht käuflich, so brauch‘ ich gewalt“
psychiater, psychiater, jetzt packt man’s nicht an
vorweg gehen war doch alter plan

dem bursche grauset’s, er suchet geschwind
bald neu in händen liegt der anstellung print
erreicht sein ziel recht frohgemut
der neue job, der ist wirklich gut

© 29.07.2019 brmu

persiflage nach J. W. Goethes Ballade „Erlkönig"

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kohlegier im krimi

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© 26.12.2018 brmu: Tagebau Hambach

manchmal findet man in einem krimi erhellendes. kommissar Böhnke ermittelt verdeckt im zusammenhang dreier, ermordet aufgefundener studenten aus Aachen. und steht dann auf einmal vor einem berg von fragen, auch wegen des Sinns und Unsinns der drei gewaltigen Braunkohletagebaue Garzweiler II, Hambach und Inden.1

gegen ende des krimis diese stelle:

>Wundert mich nicht<, kommentierte Bruch. >Der Rausch vom Braunen Gold ist vorbei. Die Kohlegier geht zu Ende. Jetzt wollen die noch Kohle mit der Kohle machen.<

Der Konzern baue ein geschicktes Szenario auf. Wenn er die Braunkohleaktivität nicht verkaufen könnte, müsste er notgedrungen die Umweltschädigungen weiter betreiben. Wenn das nicht gewünscht sei, müsse die Politik handeln. Das gelte auch, wenn diese Unternehmenssparte für einen ausländischen Investor interessant werden solle.

>Niemand wird investieren, wenn er die immensen Umweltauflagen erfüllen soll mit dem Bau effizienter Kraftwerke, mit einem umweltschonenden Abbau statt des Raubbaus an der Natur und mit den enormen Kosten für eine Rekultivierung und einer erträglichen Umsiedlung im Rahmen der geltenden Vereinbarungen. Es rechnet sich einfach nicht mehr.>

Und das liege nicht daran, dass die erneuerbare Energie vom Staat gefördert und deshalb kostengünstiger sei als der Strom aus Braunkohle.

>Die finanzielle Förderung der überkommenden Energieträger wie Kohle und Atom sind immer noch wesentlich höher als die der erneuerbaren Energien, die Kosten für die Folgeschäden durch AKWs und Umweltzerstörung nicht einmal mit eingerechnet. Allein für diese Kosten kommen Milliarden zusammen, für die es bei den Konzernen keine ausreichenden Rückstellung gibt<, behauptete Bruch …

Er rechne damit, fuhr Bruch fort, dass die anderen Betreiber der Braunkohleförderung und –verbrennung bald ebenfalls von einem Verkauf ihrer Sparten reden würden. >Die wollen ihre Milliardengräber loswerden. Die beginnen jetzt schon mit Sparprogrammen, was nichts anderes als Personalabbau bedeutet.> …

>Letztendlich läuft das alles darauf hinaus, dass der Staat einspringen wird. Er wird quasi eine „Bad Bank“ für die Braunkohle gründen. Dann hat er die Verantwortung an der Backe und der Steuerzahler die Kosten am Hals. Und die Konzerne haben in ihrer Kohlegier noch einmal einen guten Reibach gemacht.>

© 23.07.2019 brmu
1 klappentext s.u.
2 zitate aus: Kurt Lehmkuhl: Kohlegier – Kriminalroman, Gmeiner Verlag 2016, seite 314-318

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Arnoldus an Zobel

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© 18.07.2019 brmu: Kerpen-Buir: Arnoldus-preisverleihung an Michael Zobel (v.l. Oliver Krischer laudatio, Gerhard Kern Preiserklärung, Andreas Büttgen Buirer-für-Buir, Michael Zobel Waldexperte)

(für Michael Zobel)

siehst du den bagger da hinten
unter hängenden kabeln
für unersättliche stromgier
wie er frisst kante um kante
am Hambacher waldesrand

die einen mindern zum forste ihn
machen ihn fertig zur rodung
die andern wandern waldwärts rein
und meinen restliche natur

Arnoldus einst ihn öffnete
wider die lokal-bürgerliche armut
dem kaiser clever abgeluchst
damit die menschen leben konnten

Arnoldus fehlt uns heute jetzt
denselben RWE abzuluchsen
denn nun soll kohle wichtiger sein
gemeint aber ist das portemonnaie

einer aber wie Arnoldus einst
voller zuversicht und wissen
kehrt ein in den wald von heute
lehret die leute ihn kennen

ein juvel im platten lande
urwüchsig ohne försterei
eldorado der flora und fauna

der preis von Arnoldus ehedem
gebühret heut‘ dem Zobel
hoch wie ein baum mit hut
als krone seiner kompetenz

erklären kann er all den leuten
was bewahret werden muss:
der Hambacher Wald ein
revier des noli me tangere

aber:

ist nun bald denkbremsenopfer
in zu vielen polköppen hienieden
für arbeitsplätze der vernichtung
angeblich sei‘s der soziale frieden

wer aber nur bis zur nase denkt
dem die weisheit sich verrenkt
in törichte pseudorichtigkeit

der wald, der saugt zeh-ohh-zwei
die bagger machen mehr frei -
kein nullsummenspiel!

was daraus erwächst killt jeden frieden

© 19.07.2019 brmu
anlässlich der Verleihung des neu etablierten Arnoldus-Preises an den Waldpädagogen Michael Zobel durch die Inititative Bürger-für-Buir am 18.7.2019

dazu auch: Kölner Stadt-Anzeiger, 23.7.2019, Dietmar Fratz: Ein steter Mahner für den Naturschutz - Initiative Buirer für Buir verleiht Waldführer Michael Zobel den ersten Arnoldus-Preis

 

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kehrenlehre

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© 24.04.2019 brmu: kehre in der leere

kehrt um ihr narren
die ihr dicke sparren
vor den köpfen tragt

was wir jetzt sparen
vor die wände fahren
mit der sicherheit

von ignoranten
das kommt doch abhanden
unseren kindern

den enkeln alle
die sind in der falle
und baden es aus

dürre und fluten
lassen sie hart bluten
bis budgets sind platt

dann ist chaos nah
und dann ist armut da
weil wir dumm waren

wir, diese alten
im herzen die kalten
hätten dann versagt

und an den steinen
werden enkel greinen
keine grabesruh

kehrt um ihr narren
und zieht doch den karren
aus dem dummheitsdreck

schluss mit der kohle
und trinkt eine bowle
auf späte vernunft

© 25.04.2019 brmu

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im anfang

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© 26.12.2018 foto brmu: und in der ferne verliert sich der bagger

im anfang war ein wort: knete
daraus die welt geformet ist

das brachte einige vertriebene aus dem alten paradies
auf eine windungsreiche, schlangengleiche apfel-idee:
lasset uns auch knete machen
reißen wir den erdarsch auf und
holen wir uns bröselbraunes feuergold
und singen strom und allgemein zum wohle

die teilnahme am braunkohleverzehr erfordert ständige vorsicht und gegenseitige rücksicht. wer am verzehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den umständen vermeidbar, behindert oder belästigt wird.

und vor der zähen zeit da zählen
millionen jahre wie ein tag so lange
dann standen dinobagger auf dem lande
die stoppten nicht am waldesrain
die fraßen sich durch feld und heim
bis tief zur fetten klüttenkohle
unter baggers quietschekettensohle
nur auf dem mond ist noch mehr landschaft

zu den riesigen nebenwirkungen regen sie sich bürgernahe und sagen sie’s ihrem arzt oder politikern. informieren sie sie, wenn eine der untergerührten nebenwirkungen sie erheblich beeinträchtig oder sie nebenwirkungen bemerken, die nicht in der verbraucherinformation angegeben sind.

und sein auge flog über den wolken
wo die weisheit wohl grenzenlos ist
und es sah, dass es gut gewesen wäre,
damals,
den lehm nicht zweck zu entfremden,
denn aus jener knete ist diese geworden
hat schöpfung mit schürfung verdorben

und aus den wolken fielen der tränen viele
zu netzen den staub ob grob ob fein
minderte nur kurz die messungsreih’n
und feuersäulige blitze auch
schlugen die bagger am führerhaus
doch alles drängen und dräuen half gar nichts
die aus dem paradies schmählich verlorenen
sind heute die von knete gierig verdorbenen

die braune kohle bläst ihren kohlenstoff
luftwärts, das gibt mehr und mehr zoff
die profiteure dessen stellen sich blind
die andern krabbeln auf bäume geschwind
zu wedeln mit der vernunft taschentuch
hört auf, hört auf, das wird unser fluch

nun warten wir auf des klimas enge
zum neuanfang mit bess‘rer wende?

© 01.07.2013 brmu
gefunden in den schichtungen der manuskriptsedimente

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reuelgeheuel

minister von reuel
hät hambachgeheul
is‘ jetz‘ verstummt
hat lügdere probleme

© 06.03.2019 brmu

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fingerweg von ...

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© 28.01.2019 brmu: gebrochene kekse

FINGERWEG von unserer Braunkohle
titelt ver.di so herrlich, echt weise

ganz recht!- so lasst sie im boden liegen
kohlendioxydschwanger wie sie ist
in weit vormenschlicher zeit entstanden

klar wird jetzt: stellt endlich die bagger ab
die mit den landschaftfressenden schaufeln
die stets ihr rumpeln senden, tag und nacht

denn je eher das passiert, je besser
unsere enkel zahlen die zeche
für diese maßlose kohle-mach-gier

zivilcourage berührt kipppunkt
dank an jene in den bäumen im wald
mit ihrem zivilen ungehorsam

dank an die frau in der wsb-kom
die dem blöden mobbing roter westen
trotzt und für uns den job erledigt hat

es ist an der zeit selber zu denken
und das kluge maßhalten zu üben
im reden, im handeln und verbrauchen

also: steigt ab aus den baumhäusern jetzt
der wald braucht endlich wieder seine ruh‘

also: steigt ab aus den baggern recht bald
die grube will anders genutzt werden

also: steigt aus aus der braunen kohle
unser klima quirlt schon heftig genug

und: schneller hinein ins postkohleland
und: gebt euch all‘ endlich wieder die hand

ja! der enkelgeneration wegen!

© 28.01.2019 brmu

 

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gut leben und arbeiten

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© 12.01.2019 brmu: A. Grothus (Buirer-für-Buir), mitglied der WSB-Kommission, präsentiert ideen

auch den denkfaulsten müsste es langsam dämmern angesichts ungewöhnlicher bis extremer wetterlagen, dass wir auf der erde in einem geschlossenem system leben und dem nicht entkommen werden. alles hängt mit allem zusammen.

und dass sich in diesem system Erde jegliche verunreinigungen, ob fest, flüssig oder gasförmig, ansammeln werden, sofern sie nicht durch pflanzliche oder tierische organismen abgebaut werden können. unser beispiel: pflanzen nutzen kohlendioxyd aus der sie umgebenden luft für eigene zwecke und machen ihn so unschädlich. wälder machen sehr viel davon unschädlich. sie sind bis heute die effizientesten kohlendioxyabsorbierer.

die braunkohle aus urzeiten als überbleibsel von riesigen wäldern ist so eine neutralisation von klimawirksamem kohlenstoff aus der atmosphäre, lange, bevor wir überhaupt von menschen sprechen können, die fehler hätten machen können.

die menschheit heute giert nach strom. er macht der das leben müheloser – noch.

denn seit jahrzenten wird das seit jahrmillionen angesammelte kohlendioxyd mittels braunkohlekraftwerken wieder in die luft zurückgeblasen mit dem nebenprodukt: strom. das rächt sich bitter. in einer kette von actio und reactio ergibt sich eine stete erderwärmung mit folgen, die schon seit den 70ger jahren des letzten jahrhunderts vom Club of Rome mahnend an die wand geschrieben wurde (Die Grenzen des Wachstums). der aktuelle bericht weist nicht minder brisant in die zukunft bis 2052.

doch das menetekel hat die politik nicht interessiert, denn man feiert gerne arbeitsplätze, auch wenn diese geeignet sind, den ast, auf dem wir alles sitzen und unsere nachkommen auch sitzen wollen, absägen. und damit sind wir beim Tagebau Hambach. die einen ziehen mit roten westen im auftrag ihrer firma durch die dörfer und grölen vor fenstern. die andern denken selber und machen vorschläge, unser aller problem eindämmen zu helfen.

das geschah am 12. Januar des jahres im EkoZet in Kerpen-Horrem. IMG 7604 3

hier das programm aus dem flyer Revierperspektiven Rheinland: Gutes Leben – Gute Arbeit:

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es wurde eine fülle von zahlen, fakten und ideen professionell präsentiert. die vorträge zum „Strukturwandelkonzept“ (A. Büttgen u. J. Schnütgen-Weber) und „ReinRevierWende“ (S. Tangermann/ Greenpeace Energy EC) sind einsehbar mit klick auf die titel.

es bleibt zu hoffen, dass vernunft die oberhand gewinnt, auch in der lokalen politik, und sich die revierproblematik braunkohle meistern lässt. wenn nicht, so baden die etwaige unfähigkeit unsere kinder und kindeskinder aus.

© 18.01.2019 brmu

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kapitalozän: Donald Duck lässt grüßen

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© 26.12.2018 brmu: Tagebau Hambach – blick links richtung Hambacher Wald am horizont


Prof. Harald Lesch hielt eine vorlesung am 2.12.2018 im audimax der TU Ilmenau/ Bayern. in dieser vorlesung mit dem titel „Das Erdzeitalter des Geldes: Das Kapitalozän!“ werden die sünden des menschengeschlechtes im umgang mit seiner mitwelt skizziert und zu einer bedrängenden botschaft konzentriert: es ist schon fast zu spät.

aus dem video hier eine zusammenfassung der passage, die sich mit dem Braunkohle-Tagebau Hambach und den Hambacher Wald beschäftigt (29:08 – 31:50), wörtliches zitate im schrägdruck:

… man könne sich folgende gedanken dazu machen und fragen: Ist es moralisch eigentlich tatsächlich noch erlaubt, den Kohlenstoff, der unter dem Hambacher Forst sitzt, abzubauen? unabhängig von den ökologischen problemen, stelle sich doch die frage, ob wir als gesellschaft es mit den auch von unseren politikern unterzeichneten klimaabkommen und deren klimazielen ernst meinten. in dem falle dürften wir keinen weiteren Kohlenstoff mehr in die Atmosphäre entlassen.

aber offenbar schaffe man das nicht, der kohlenstoffgehalt in der atmosphäre steige. die folge wäre: der müsse in nicht allzu ferner Zukunft aus der luft wieder herausgeholt werden.

man könne sich leicht ausrechnen, dass die menge an Kohlenstoff, die nur unter dem Hambacher Forst liege, würde die noch freigesetzt, dass zu deren entfernung aus der atmosphäre unter gegebenen technischen voraussetzungen zukünftige Generationen etwa 75 Milliarden auf den Tisch des Hauses legen müssten, um das wieder gut zu machen.

wir müssten uns darüber im Klaren sein, dass die Schäden, die wir heute anrichten, von denjenigen, die diese Schäden anrichten, gar nicht mehr bezahlt werden. es sehe so aus, als hätten wir es vermasselt. Wir reden hier über die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder. Wir reden nicht über irgendwas.

das bedeute aber, es könne gar nicht richtig sein, moralisch, - ganz egal, was RWE zum thema arbeitsplätze oder renditeerwartungen sage, - diese braunkohle noch zu fördern. das heiße aber mit anderen worten, wir als gesellschaft müssten uns viel stärker einbringen, wenn klimaziele von uns definiert würden. schaue man sich umfragen an, so sei es ganz offenbar: man wolle das. die bundesrepublikanische bevölkerung scheint nicht gegen ökologie zu sein – nur kosten dürfe es nichts, so nach dem Motto: ja, die andern schon, aber ich nicht.

aber es gehe gar nicht um die andern, es gehe um uns! Es geht um unsere Kinder, es geht um unsere Kindeskinder – um die, die noch gar nicht da sind. Die werden den ganzen „Scheiß“ bezahlen müssen, den wir jetzt anrühren.

eindringlicher kann man es nicht formulieren. es lohnt sich, die ganze vorlesung inklusive fragerunde anzusehen. selber denken macht klug – auch für unsere enkelkinder.

© 11.01.2019 brmu

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auf ruf im kohle staub

hallo an alle
auf allen seiten
des kohlestaubs:

mäßigt euch!

denn sonst beweinen wir
am ende des geländes
noch tote und verletzte

bauer dreht durch
busse brennen ab
bahnen bremsen knapp
kumpel mobben am haus
polizei kesselt ein
aktivisten ketten sich an

das wahre opfer aber
ist die vernunft
des homo sapiens

hallo an alle
auf allen seiten
der kohlekohle:

denkt an eure
kindeskinder!

© 29.10.2018 brmu

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das C im DU

Strukturwandel
8 vernetzte Leitlinien für den Strukturwandel1

angeblich wurde gesagt:
Es sei denn, dass ihr umkehret
und werdet wie die Kinder
so werdet ihr nicht ins
Himmelreich kommen.
1

alaaf! wir sitzen auf einem ast
und der wippt noch so schön
himmelreich an stromkonsum -
mit arbeitsplätzen derer, die
auch an diesem aste sägen

hurra! da gibt es meuterer
die selber anders denken können
vom ast weg - in die zukunft
zeigen sie mit güldenen ideen
einer verträglichen vision

so sei es! ein wandel soll sein
weg von überalten strukturen
hin zum netz, zum menschenmaß
für unsere kinder und kindeskinder:
lebensraum im Rheinischen

wisset! wenn man nicht soll
heimsuchen eure Missetat
an den Kindern bis ins dritte
und vierte Glied
2- dann denket
neu und handelt anders

© 23.10.2018 brmu
1 zitat: Matthäus 18,3 / 2 zitat: 2. Mose 20,5
bezug: Strukturwandelkonzept von Bürger/innen an die Kohlekommission

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leserbrief

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© 2018 foto brmu: leserbrief an die vernunft

was sagt herr Reul
zu dem geheul
vor einer tür
im schönen Buir?

© 22.10.2018 brmu
aus: Kölner Stadt-Anzeiger vom 20./21.10.2018 Leserbriefe „Auf welche Bürger soll man hören?“

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still ruht der see

GB Cartoon 27 181009

© 2018 G. Brickart, cartoon „Baggersee“

still ruht der see, die bagger schlafen,
ein plätschern nur, du hörst es kaum.
der taucher naht und denkt sich wieder:
wär‘ Hambach doch ein süßer traum.

still lugt der see durch kein gezweige
der alte Hambach ist zersägt.
ein blümchen unterm seegestade,
es strebet fromm zum sonngebet.

still tut’s mir weh, vom himmelsdome
den Hambi nimmermehr zu sehn.
ach menschenskind, gebt noch nicht auf,
ihr werdet all‘ sonst baden gehen!

© 09.10.2018 brmu
vorlage: Heinrich Pfeil (1835-1899), Still ruht der See

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Hambi-demo

20181006 141047 2

das hat diese geschundene region
noch nicht gesehen

tausende autos, am straßenrand gestrandet
quellende menschenmassen
frohen mutes mit dem rucksack
für alle fälle, wasser und brot darin
die fahne hoch in der hand und
wind lässt sie lesbar flattern

20181006 120459 2

alles zu ehren eines uralten waldes
großod dieser flachen region
der vor jahrzehnten von hiesigen
schnöde verkauft für ein geringes
von diesigen noch schnöder gerodet
werden sollte – aber:

20181006 130827 3a

ovg zieht die leine zum riss
damit dieser ganze kohlebeschiss
so komplex er auch erschienen mag
geprüft werde über jahr und tag
vorher sterbe – was ich dir sag
der wald mitnichten

und die moral von der geschicht
die sagt man allen in's gesicht:
"Wer Kohle machen will,
mach' Ökostrom, recht viel!"


20181006 121136 2a

© 06.10.2018 brmu
© fotos von ceu vom 6.10.2018

weitere infos zum pro und contra des vom OVG Münster verordneten vorläufigen rodungsstopps des Hambacher Waldes beim BUND e.V. und des Hambacher Forstes RWE ; schon die namensgebung zeigt die denkrichtung an: "wald" = natürlich entstandenes habitat; "forst" = ort des nutzens vom und für den menschen

Wald ist ein vernetztes Sozialgebilde und Wirkungsgefüge seiner sich gegenseitig beeinflussenden und oft voneinander abhängigen biologischen, physikalischen und chemischen Bestandteile, das praktisch von der obersten Krone bis hinunter zu den äußersten Wurzelspitzen reicht. Kennzeichnend ist die konkurrenzbedingte Vorherrschaft der Bäume. Dadurch entsteht auch ein Waldbinnenklima, das sich wesentlich von dem des Freilandes unterschiedet. Dieses kann sich nur bei einer Mindesthöhe, Mindestfläche und Mindestdichte der Bäume entwickeln.
Quelle: Das Kosmos Wald- und Forstlexikon

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grubengrab

wer enkeln eine grube
gräbt, der falle selbst hinein
mit sack und pack und seiner
hohen stromrechnung dabei
eig’ner grabstein obenauf

© 22.09.2018 brmu

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an die Rode Wald Einheit

20180919 Hambachwald

© 19.09.2018 ceu: Hambacher Waldrand

nun
ist ein journalist tod
       nun
ist betroffenheit da
              nun
ist ein räumungsstopp

                       ist
nun nachdenken angesagt
                  ist
nun verstehen angesagt
             ist
nun neu handeln angesagt

            und
was ist mit vorgeblicher brandgefahr
            und
was ist mit überseh‘ner sturzgefahr
            und
was ist mit angeblichem planungszwang

bei all diesem fressen
der monströsen bagger
der jetzt-erst-rechthabber
im Hambacher Walde
wird vernunft vergessen
warte nur, denn balde
kommt klima auch zu dir

Rode Wald Einheit
der kies läuft durch das stundenglas
klickerdiklick nicht weit
ach, macht rechthaben spaß?

© 20.09.2018 brmu

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wir von hier sind dagegen

20180919 infostand

© 19.09.2018 ceu: infostand am grubenrand

als bürger in diesem, unseren lande

gehst du einfältig spazieren
siehst ein getümmel voraus
links vom geneigten baume
die, die bunt aufbegehren gegen
arg polköppige dummheit
rechts vom abgeneigten baume
die, die blaue barriere machen wie
der szenische himmel droben

wo wollen sie hin
den ausweis bitte
nein, da können sie nicht hin
ist gesperrtes gebiet

für bürger in diesem, unseren lande

Hambacher Wald, wir grüßen
dich hier von ferne
hätten dich so gerne
noch lange angesehn
doch schaufeln, die drehn
machen den garaus dir
weil ein Max es so geplant
was dem Karl dabei wohl schwant

für bürger in diesem, unseren lande

zwei paar schuhe sollen es sein
die kommission, sie fabuliert
über die zukunft brauner kohle
während der bagger wegradiert
was heute liegt in der letzen sohle
das seeloch wird ja so fein

für bürger in diesem, unseren lande

unglück! wer rettet den wald nunmehr
entbettet euer eigenes leben
die not erleidet er eben!

und wär es zu spät, und könnt man ihm nicht
als retter willkommen erscheinen
so wird uns klimanot vereinen

Max blickte sie lange entgeistert an
dann spracht er: es ist euch gelungen
ihr habt das herz mir bezwungen.

ihr bürger in diesem, unseren lande

© 19.09.2018 brmu
letzte drei strophen anleihe aus F. Schillers gedicht „Die Bürgschaft“ und mit bezug zur anzeige des örtlich bergbautreibenden unternehmens im Kölner Stadt-Anzeiger vom 15./16.9.2018

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cash in de täsch ...

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© 16.09.2018 foto brmu: Marc Bauers Sammler1 - kohlestiftgemälde (ausschnitt mit zustimmung des künstlers)

wer mag das wohl sein
mit der hand en de täsch
so aalglatt und fesh

was mag darin sein
klimpernd cash in de täsch
kommissionen-trash

derweil kohlestaub
aus baggern dieser welt
in die nächste fällt

doch wir sind da taub
für uns sich‘s so verhält
als sei er nicht bestellt

der klimawandel
flutchaos nie gelernt
orkan weit entfernt

am klimabandel
doch! hängen alle dran
kapierst du es, und wann

© 20.08.2018 brmu
1 wandgroße kohlestiftzeichnung im Folkwang-Museum Essen von Marc Bauer (*1975); sie bezieht sich auf die säuberungen der kunstmuseen in der nazi-zeit. Dass der Künstler sich dabei als Zeitzeuge manifestiert, gehört zum Prinzip seines wissenschaftlichen Diskurses. (zitat aus der info-tafel neben dem werk.)

zu diesem diskursanspruch zähle ich auch die zitierung in anderer sache: die uminterpretation in sachen braunkohleabschied. hierbei sind die angedeuteten, entfernten kunstwerke damaliger zeit heute die verschwundenen und verschwindenden dörfer, häuser, kirchen – überhaupt die landschaft inklusive uralter wälder für den unheilvollen fluss des braunkohlestroms.

wer mag in welcher geistigen verfassung vor dem rohr im braunkohlestaub am abgrund stehen, wer mag das sein? wirtschaftsbosse und -bössinnen, politiker/innen, bürger/innen, allesamt ungehemmt-hemmungslose stromverbraucher?

anmerkung: das blitzlichtfreie fotografieren der kunstwerke im Folkwang Museum in Essen war von der aufsicht erlaubt.

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bagger am rand der vernunft

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© 15.09.2018 foto brmu: bagger am rand der vernunft

betreten verboten:
versinkungsgefahr!

bagger versenken dörfer
bagger versenken wälder
bagger versenken landschaft
ins vergessen

bagger fressen erdschichten
bagger fressen kiesgeröll
bagger fressen kohlematsch
für den profit

bagger vernichten alles

für dich, maßlosverbraucher
denn du bist der verschwender
denn du bist der stromanbeter
kniend vor der steckerdose
aus der falsche heimat kommt

du närrin, du narr
in dubio contra reo!

nur beten verboten
schönschminkungsgefahr!

© 15.09.2018 brmu

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Hambach im aasch

jedes jahr im frühling, wenn es wieder treibt,
kommt der landfriedensbruch, pol‘zei ist dann bereit.
all die ökohellen sieht man dann im tross,
selbst der dümmste Hannes schnallt,
jetzt geht es wieder los.

geht’s trömmelchen auf dem weg,
dann kriegt ihr den salat
auf der strecke in dem wald
und keiner sich beklagt:
ab in den knaast, den knaast - ab in den knaast.

ja, ende Juli, dann war das sprüchlein los
denn dann wurd‘ der aff‘ gemacht
egal, recht haben bloß.
die trommel geht ins knasthaus
für monate am stück
das juristenei, das ist für euch das größte glück.

denn wenn das trömmelchen geht
dann hab’n wir den salat
weggebaggert ist der wald
zu spät man sich beklagt:
Hambach im aasch, im aasch - Hambach im aasch!

© 01.08.2018 brmu
persiflage auf karnevalssong von De Räuber, Wenn et Trömmlche jeht, anlässlich Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger vom 1.8.2018, „Neun Monate wegen Beihilfe“, von (fun): „Die Angeklagte hatte selbst nicht geworfen, aber eine Gruppe von Aktivisten, die Böller auf Bundespolizisten warfen, ‚trommelnd unterstützt‘.“

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