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Kutsch warf das elfte netz

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© 22.06.2018 foto brmu: verse im netz

in zeiten der „tweetenden“ kurznachrichten à la twitter und anderen müsste doch eigentlich (!) die lyrik einen großen anschub erhalten, ist sie doch auch vordergründig aus kurzen sentenzen gebaut, verse genannt. keine hunderte romanseiten, keine komplizierten satzbauten.

warum ist das nicht so?

ganz einfach, so scheint es mir: lyrik fordert die fantasie und den verstand heraus, die subtilen wortspiele und wortbilder in ihren schichtungen zu einem ganzen im kopfe zusammen zu fügen, den eindruck einer lyrischen aussage sich selbst zu formen als harte arbeit der leserschaft. lyrik fordert! tweeten piept nur.

das aber erfordert hintergrund, der in resonanz zu dem gelesenen oder gehörten geraten kann. eine weite des geistigen horizontes, die offenbar bei der twitterei nicht gegeben ist, folgt man den einschlägigen beispielen dieser kommunikationsform.

umso löblicher ist es, dass es kompetente geister wie Axel Kutsch gibt, die sich der lyrik verschreiben und ihr eine respektable plattform bieten, und auch, dass es verleger wie Ralf Liebe gibt, die diesem thema raum und papier bieten. dies nun schon über zehn jahre lang.

gerade ist im Verlag Ralf Liebe die anerkannte anthologie „Versnetze_elf“ erschienen, in der 221 lyrisch begabte im deutschsprachigen raum, die in der überwiegenden zahl bereits auch an anderer stelle publizieren konnten, geordnet nach postleitzahl des wohnortes und dem lebensalter, versammelt sind.

Axel Kutsch merkt dazu aktuell (E-Mail 22.6.2018) an:

Ein Reiz der Versnetze dürfte sein, dass neben arrivierten Autoren wie Ulrike Draesner, Hugo Dittberner, A. G. Leitner, Johannes Kühn, Manfred Peter Hein, Ron Winkler oder Michael Wildenhain, die in der Lyrikszene (und nicht nur dort) seit Jahren bekannt sind, auch weniger bekannte Namen auftauchen und so die eine oder andere Entdeckung zu machen ist. Aber auch sie sind zumindest in ihren Regionen meistens keine unbeschriebenen Blätter mehr. Vor allem freut es mich, wenn ich selbst bei den Einsendern die eine oder andere Entdeckung machen kann und auch begabten Anfängern eine Plattform bieten kann. Das war schon vor vielen Jahren so, als zum Beispiel Marcel Beyer und Jan Wagner, die inzwischen Büchner-Preisträger sind, in meinen Anthologien erschienen sind.

Versnetze_elf, ein buch, dass äußerlich schlicht daher kommt, jedoch seine komplexe wirkung in der leseresonanz entfaltet, stets auf der suche nach dem berührenden vers. es werden viele geboten – für sich finden muss sie ein/e jede/r selber
durchs versenaschen
        im anthologischen netz
              aus feinen maschen.

© 23.06.2018 brmu
Axel Kutsch, Versnetze_elf, Verlag Ralf Liebe, 2018
darin: brmu auf seite 175 mit drei haiku I - III

 

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