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lyrikfaden

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die „Autorengruppe Wort & Kunst“ (AWK) hat sich gedanken zur art der präsentation von lyrik gemacht und ist auf die idee verfallen, jene so unterbewertete literaturgattung wandernd, schlendernd erfahrbar zu machen, das auf dem Lyrikpfad an der Strunde bei Bergisch Gladbach. und so heißt auch die sammlung der bisherigen „Gedichte im Grünen von 2011 – 2017“.

in der ersten edition (= ausstellung) stellt sich die AWK vor, wobei Gisela Becker-Berens mitten im thema ist: mäander // mein weg ist / nicht immer / leicht / zu finden / nur selten / ist es der / kürzeste  (11) – so ist es, wenn man den sinn der gedichte erfassen will. man will simmelieren, darüber reden, was auf dem wanderweg mit den anderen bestens möglich ist.

es folgt in der zweiten edition 2012 zum 80. Geburtstag von Jürgen Becker ein sechserpack seiner gedichte. mit hoher resonanz lese ich Septemberanfang // Kein Krieg. Die alte Frau / zieht nur den Kopf ein, weil / sie hört, wie ein Apfel / krachend durchs Geäst schlägt. (17) – diese subtilen angstauslöser bei der kriegsgeneration gehen verloren, es wird wieder provoziert.

die dritte edition gehört dem AKW, wobei Rüdiger Posth bedauert in Vertane Chance // Hätt ich vom / Leben / auch das Sterben gelernt / um wieviel mehr / hätte es sich gelohnt / sein Gast / gewesen zu sein (26) – eine memento mori ohne erhobenen zeigefinger.

will man lyrik für leser/innen erfahrbar machen, so ist deren beteiligung eine gute strategie. in der vierten edition kommen gedicht-vorschläge der Bergisch Gladbacher/innen zu worte. die romantik ist der pool, aus dem geschöpft wird wie aus der Strundequelle.

edition fünf ist Dieter Höss gewidmet, der den finger in die wunden legt: Naive Tour // Schuld an der / Naturzerstörung / sind die andern. / Wir dagegen / sind harmlos: / Wir fahren / nur wandern (38) – kleine fehler multipliziert mit der million ergeben auch katastrophen.

edition sechs gehört wieder der AKW und die siebte wird von schüler/innen aus Bergisch Gladbach bestritten. darunter ein anonymus mit dem programmatischen aufruf ohne gedichttitel: … Deshalb sei du die Veränderung. / Die du dir wünschst für deine Welt … (56) – ein ambivalenter aufruf, sehr abhängig von den ethischen prinzipien. da hilft in der 8. edition Günter Helmig mit seinem gedicht „auf der flucht“ weiter, wenn er subsummiert: alle träumen / von zukunft in freiheit – so ist es, eine ethik ohne freiheit ist obsolet.

dann taucht wieder ein überregionaler autor auf, Norbert Scheuer aus Kall in der Eifel. er füllt die neunte edition und gibt einen ermunternden ratschlag in Etwas fehlt immer // … es dauerte / bis ich dies alles liebte (68) – so mag es auch dem lyrikpfad ergehen, allmählich wachsen respekt und anerkennung, aber schließlich wird er geliebt werden als bestandteil der kultur im Bergischen.

den abschluss bildet die zehnte edition mit einem poetischen picknick aus den reihen der AKW. vor allzu viel lobhudelei warnt wohlweislich Petra Christine Schiefer in ihrem gedicht Obstsalat // … doch vorsicht beim süßholz raspeln / und honig ums maul schmieren (78) – es könnte die lyrische intention „verloren sein“, wenn nämlich der touristische aspekt den literarischen überwuchern sollte.

auf den nächsten faden durch die lyrik darf man gespannt sein.

© 29.08.2018 brmu
betrifft: Gisela Becker-Berens, Petra Christine Schiefer (Hrsg.), Der Lyrikpfad an der Strunde – Gedichte im Grünen 2011 – 2017, BoD 2017

 

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