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Bohn im glück

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flyer zu der veranstaltung

der Bergheimer autor Manfred Bohn gibt am 15./16. September 2018, jeweils ab 11Uhr, einen einblick in seine familiensaga „Glück gehabt“, die auf fünf bände konzipiert ist.

anlässlich des sommerfestes1 „Gras-Land-Art“ der gärtnerei „Grasland“ wird er dort lesungen aus dem ersten band mit dem titel „Aufgang im Untergang“ präsentieren. es wird wieder ein event mit programmteilen, die das publikum erfreuen werden.

es geht um alles. im jahre 1943 kommt ein junge zur welt. wir dürfen den autor selbst in dem protagonisten vermuten. das wunschkind erlebt und erleidet die unterschiedlichsten familiären und zum teil lebensbedrohenden situationen bis hin zu seiner berufsausbildung. mit seinem fleiß und seiner ausdauer beginnt ein weg in die zukunft, der in den weiteren bänden der saga „Glück gehabt“ entfaltet werden wird.

es dürfte interessant sein, zu erfahren, wie viel resonanz zum eigenen lebensweg entsteht. das kann jedoch nur erfahren, wer anwesend ist und/oder das buch/die bücher liest: momente möglicher erkenntnis. hier ein auszug aus dem einleitenden gedicht des prologs:

ein werk entsteht so „irgendwann
und trifft im besten fall sein ende.
beschwingt es sicher sagen kann
das ergebnis, es spricht bände

und wirst du einst doch hochgerufen
erkletterst mit dem werk die himmelsstufen
wenn Petrus sagt: ich hab’s gelesen, so sprich:
und ich, ich bin von anfang an dabei gewesen

© 05.08.2018 brmu
1 ort der veranstaltung: Gärtnerei Grasland, Zievericher Mühle 4 in 50126 Bergheim

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Joan Baez in Köln

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© 03.08.2018 foto c.e.u: bauzaunfinale

Joan
nur bis zum bauzaun
hab‘ ich's geschafft
zu dieser folienwand
hoch aufgerafft wo
man grad noch kleckse
farbiger songs erhascht
ach, hab‘ wie damals im
jungsein genascht

doch die jahreskette
gib da mal gut acht
beschwert deine stimme
hat's 'was ausgemacht
dann wieder nach hause
dabei an dich gedacht
Baez

© 04.08.2018 brmu

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blutige tränen

JB Rotstengelschnittblattbild 310718

© 2018 Jutta Barth: blatt aus der serie „rot-schwarz-blatt“, bütten, 23 x 18 cm

blutig die spur der menschheit
durch wälder wiesen und felder
gebrochen was standhaft war
gespalten was haltbar war
befleckt was einst schöner war
blutig was ohne menschlichkeit

© 02.08.2018 brmu

1 Jutta Barth

natura percepita – Bilder und Objekte

aus dem flyer: Jutta Barth stellt ihre arbeiten unter das motto »natura percepita«. wahrnehmung ist abhängig von natürlichen prozessen, gleichzeitig ein beziehungsgeschehen, begleitet von gefühlen, zensuren, vorstellungen und gespeist von erfahrungen.

ausstellung vom 19. 8. 2018 bis 23. 9. 2018 / vernissage 18. August 2018, 17.00 Uhr
kunst am bahnhof bad saarow e.v. / Bahnhofsplatz 4 a in 15526 Bad Saarow

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Lyrik in Köln

Lyrik B
faltblatt der Initiative „Lyrik für Köln

lyrik für Köln und umgebung

lyrik
spür ick
ganz dick
mit schmerz
im herz -
ach, scherz
bei zeiten

lyrek
so keck
als leck
im hier
bei mir -
so schier
die pleiten

lyrak
geht ab
ganz satt
als schwenk
ich denk -
ach, schenk
mal reisen

lyrok
im kopp
mit rock
als kilt
macht wild -
ein bild
zu weiten

lyruk
im druck
ein schmuck
nicht karg
oft stark -
auch quark
auf seiten

© 02.08.2018 brmu

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Hope&Koch können's doch!

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© 08.03.2018 foto brmu: Hope&Koch am Paradies

nicht der seelöwe war der star, sondern Ferdinand, der stier1in der langen zugabe des abends. der rezensent2 des Kölner Stadt-Anzeigers musste wohl schnell in die redaktion, denn man hat aufgrund seiner rezension den eindruck, dass er scheinbar nicht bis zum schluss der überaus bewegenden und das publikum von den sitzen reißenden zugabe anwesend war. wäre er doch geblieben.

beide begnadeten künstler, Daniel Hope als geigengenie und Sebastian Koch als meister des spielens und sprechens, haben sich dem geschriebenen wort gewidmet, ohne deren autorenschaften zu benennen. damit haben sie dem publikum die köpfe frei gemacht. etwa anhängender, bewusster oder unbewusster rezeptionsballast zu etwaigen namen entfiel.

ein anderer kritiker, der im berühmten 68er jahr des letzten jahrhunderts hart gegen den biographismus im literaturbetrieb gewettert hatte, hätte seine helle freude gehabt. seine parole war, der autor sei tot3, also unerheblich, sobald er/sie den text geliefert hätten, die leserschaft sei die entscheidende institution. denn in deren köpfen entfalte der text seine wirkung, immer wieder aufs neue.

Hope&Koch reichte es, die quellen nicht zu benennen. sie haben mit großer kunst den ausgewählten texten subtiles, bewegendes, berührendes leben eingehaucht durch angemessenes sprechen und pointiert begleitendes geige spielen und durch das arrangement. welch befreiende erfahrung für das publikum. es war hernach noch gespräch bei der garderobenausgabe.

guten texten wohnt eine sprachmelodie inne, die lyrik speziell soll sogar davon leben. solch eine melodie auf der bühne zu hören, das ist ein genuss. man merkte die resonanz in der direkten sitznachbarschaft. der rezensent saß wohl am rande.

indem beide künstler sich dem üblichen kult der lit.Cologne versagten, war die konzentration auf die texte mit den unterlegten oder begleitenden oder konterkarierenden geigentönen eine neue und belebende erfahrung für eine interessierte leserschaft.

der rezensent fragt, ob dies das paradies sei? ja, sage ich, das ist es! nämlich die befreiung von dem marketing-gedöns des allgegenwärtigen, weltweiten literaturbetriebs! insofern war es keine „gebaute“ veranstaltung, nichts gekünsteltes, sondern eine entbaute, eine befreite und befreidende! und das in dem beeindruckenden bau der renovierten Flora Köln.

möge die darbietung von Hope&Koch am 8. März 2018 mit dem titel „Paradies“ der beginn einer neuen konzentration auf die inhalte der texte in der welt sein. möge sie die leserschaft beflügeln, eigene entdeckungen in der welt der literatur zu machen.

© 09.03.2018 brmu

1 Munro Leaf, Ferdinand, der Stier, Diogenes 2006
2 Martin Oehlen, Dem Paradies fehlte nur noch ein Seelöwe, KSTA v. 9.3.2018
3 Roland Barthes, Der Tot des Autors, in: Fotis Jannidis et al. (Hrsg.), Texte zur Theorie der Autorenschaft, Reclam 2000 (bd.18058), seiten 185-193

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Kutsch in allen ehren

Kutsch EMR Lesung 180127

© 27.01.2018 foto brmu: M.H. Freude im Gespräch mit Axel Kutsch

der karneval lauerte bunt befrackt vor der tür des Hauses Löwenstein am Markt in Aachen. das getöne und gedröhne hat ein gutes halbes hundert lyrik-begeisterter aber nicht abgehalten, die ehrwürdigen hallen zu betreten und der veranstaltung des Literaturbüros Euregio Maas-Rhein (EMR) zu folgen.

geehrt wurde Axel Kutsch, ex-bürger von Aachen und jetzt wohnhaft in Bergheim, seines zeichens lyriker und passionierter anthologist für lyrik aus erster hand, jenseits des etablierten literaturbetriebes. neben seinen zahlreichen veröffentlichungen ist sein aktuelles, erfolgreiches konzept namens „Versnetze“, von dem litbiss berichtete, bereits zu zehn bänden angewaschsen.

dieser anlass bewog die EMR zu einer jubiläumsveranstaltung am 27. Januar d. j. einzuladen. das foto zeigt den moderator Manfred H. Freude (stehend) im gespräch mit Axel Kutsch. bevor es in medias res geht, werden lebensdaten und vorstellungen über das schreiben von lyrik ausgetauscht. Dann kommt Kutsch als erster zu worte und präsentiert uns gekonnt drei gedichte. von zeitloser präsenz aus Versnetze_zwei1 sei dieses mit erlaubnis des autors zitiert:

Als wir noch Könige hatten

Früher hatten auch wir Könige.
Sie standen zeitig auf,
um uns das Frühstück zu machen.
Danach putzten sie die Fußböden
unserer Paläste.
Mittags und abends trugen sie
in devoter Haltung die Speisen auf.
Sie trieben das Wild zusammen,
damit wir leichtes Spiel bei der Jagd hatten.
Manchmal steckten wir sie
aus nichtigem Anlaß in den Kerker.
Ihr Flehen und Jammern
konnte uns nicht erweichen.
Wenn das Land uns zu klein wurde,
schickten wir sie in den Krieg.
Sie waren immer für uns da.
Unsere Teller waren stets gut gefüllt,
auch wenn sie Hunger litten.
Wir trauern diesen Zeiten nach.
Wir vermissen unsere Könige.
Nicht mal der Pizzabote
kann sie uns ersetzen.

es folgen 14 autorinnen und autoren aus dem umfeld des Literaturbüros EMR, die sich in unterschiedlichem maße der lyrik verschrieben haben. ihnen ist gemeinsam, dass sie sich herzlich bei Kutsch für die tatsache bedanken, als lyrikfische in seine versnetze gefangen worden zu sein und dadurch eine gute chance der beteiligung am öffentlichen diskurs über lyrik erhalten zu haben. lyrik sei eine nischenkunst, meint Christoph Leisten als einer der vortragenden, in der die vernetzung wie in der versnetzereihe zwischen anerkanntem und neuem im mittelpunkt steht.

spontan szenischen applaus erhielt Jürgen Egyptien für sein gedicht „Hippie-end“ (VN7, 140), mit seiner subtilen erinnerung an vergangene alt-68er-zeiten: ,,, / Jerrys Zeit ist bald herum / er krümelt Shit in seinen Drum / süß umweht ihn der Afghane / hisst die weiße Geisterfahne / abends sinkt er stoned ins Bett / wartet auf den Greateful Dead.

Christoph Danne erzeugt resonanz bei den älteren im publikum mit seinem gedicht „müllers kuh“ (VN10, 118) „… /  fummeln wir an den etiketten der bierflaschen / bässe wummern in unseren bäuchen / und man denkt was / für ein weg bis hierher …“.

Sabine Schiffner gemahnt in ihrem gedicht „schreibschreib“ (VN8, 139) an den subtilen schreibprozess im augenblick der anschauung: mit unverständnis darauf reagiert die eine hand / und fasst mir an den kopf / während die andere fleißig / weiterschreibt. erfassen der welt, diese magisch abzubilden, das ist die kunst der lyrik, die resonanz bei der sensiblen leserschaft erzeugt.

diese drei nur angerissenen beispiele seien stellvertretend für alle genannt.
nur selbst dabei sein ist alles und gibt den vollen genuß.

© 28.01.2018 brmu
1 Axel Kutsch, Vernetze_zwei Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart, Verlag Ralf Liebe 2009, s.182; abkürzung für Versnetze (VN, gefolgt von band-nr. und seitenzahl)

Hinweis: Der WDR5 hat Versnetze_zehn ebenfalls gewürdigt!

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Zindler zündet lyrisch

„Schneide auf kurzes Maß
Zukunftshoffnung zurück.“

Nur ist das Jetzt kein Fixpunkt (panta rhei).
Dazu gehört der Vorhof der Erinnerung
und das Zeitfenster in die Zukunft.
Durch dieses Fenster soll man nur mit Zuversicht sehen!

© 25.12.2017 Theo Zindler, Carpe diem

 

Theo Zindler, mitglied des Montessori-schulteams in Kassel und autor, meint im litbiss-interview1:

als literat möchte ich in meinen texten das bewusstsein des daseins und des menschlichen miteinanders wach halten.

motive gibt es viele, besonders interessieren mich motive spontanen erlebens, die zur „punktuellen Zündung der Welt im lyrischen Subjekt2“ (F. Th. Vischer) beitragen.

dabei hatte ich immer den anspruch an mich, die spannungen des lebens auszuhalten im sinne Heraklits: „Des Widerspenstigen Fügung wie bei Bogen und Leier“.

meine bücher konzipiere ich nahe dem lateinischen, weil es wie eine feierliche türe in die gesamte antike als beginn von philosophie und europäischem denken führt.

das schreiben hat für mich persönlich einerseits den gewinn, etwas durch gestaltung in form und sprache „bewältigt“ zu haben,

es hat aber auch andererseits die möglichkeit, erfahrungen für andere wieder zu öffnen und für einen neuanfang.

mein lieblingsthema ist, mich als einen minimalen teil der menschheitsgeschichte auf dieser welt zu begreifen.

aktuell arbeite ich gerade an weiteren lyrischen gedichten und an gedanken zu einem „Leben ohne Gott“.

wenn sie meine texte lesen, wünsche ich mir produktive aneignung, die das geschriebene zu jeweils neuem leben weckt.

über mich finden sie in der welt der literatur ein immer währendes gespräch mit autoren der vergangenheit.

ich engagiere mich in organisationen wie Amnesty International und Humanistische Union, weil es in politik und gesellschaft darauf ankommt, eine kultur des humanen zusammenlebens aufrecht zu erhalten.

mir ist besonders wichtig, dass unsere welt nicht wieder in nationalen egoismus und in „glaubenskriege“ zurückfällt.

© 04.01.2018 brmu
1 lückentextinterview mit Theo Zindler, im schrädruck seine ergänzungen.
2 Friedrich Theodor Vischer, Aesthetik oder Wissenschaft des Schönen, Teil 3 (1846)

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Löffler auf dem weg

KL Portrait Camino 2011

© 09.05.2011 Kay Löffler, Camino-Tripp

der autor Kay Löffler im interview1 mit litbiss.de anlässlich seines neuen buches „Die den Weg fanden – Geschichten über den Jakobsweg“ (s. auch „buch“ auf diesem blog).

als literat der region reizt mich die möglichkeit, mit meinen eigenen büchern die region verlassen zu können, mich immer wieder anderen themen zu widmen, die auch durchaus mal nichts mit der region zu tun haben.

mein literarisches lieblingsthema ist das leben, auf die eine oder andere art.

als sammler von texten, wie jüngst über den Jakobsweg, bin ich stets daran interessiert, nicht dem üblichen literarischen mainstream zu verfallen.

bei beiden aktivitäten habe ich stets den anspruch, das bestmögliche zu erreichenund werde diesem anspruch doch nie gerecht.

die sammlung „Die den Weg fanden“ habe ich konzipiert, weil es so viel ausgeleierte literatur über den Jakobsweg gibt, dass es zeit für etwas anderes wurde.

das auffinden dieser texte war für mich persönlich einerseits sehr nervig und frustrierend,

es hat aber auch andererseits zu sehr netten kontakten geführt und gezeigt, dass andere menschen meine ausdauer zu schätzen wissen.

bei der lektüre meiner bücher wünsche ich ihnen gefühl. fühlen sie etwas neues oder entdecken sie alte gefühle wieder. oder entwickeln sie verständnis für die gefühle anderer.

über mich finden sie im literaturbetrieb relativ wenig, da ich nie den weg in den etablierten literaturbetrieb gegangen bin.

ich engagiere mich in autorenkreisen, weil literatur ein wichtiger bestandteil meines lebens ist. nur dort bin ich unter gleichgesinnten.

aktuell mache ich gerade eine schreibpause. nischenliteratur wird nicht am laufenden band gefertigt. und den druck früherer jahrzehnte, schreiben zu müssen, habe ich erfolgreich abgebaut.

zum abschluss ist mir noch wichtig zu sagen, dass wenn man bücher abseits des mainstreams sucht, wird der weg zur unabhängigen buchhandlungen an der ecke empfohlen, wo der kunde noch etwas zählt. zur not schaue man in das internet abseits der ausgetretenen pfade, denn dort gibt es noch die chance, die literaturszene abseits des etablierten literaturbetriebes zu finden.

© 02.01.2018 brmu
1lückentextinterview vom 23.12.2017.

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Dyakov im element

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© 24.11.2017 brmu: David Dyakov in der Burg Gleuel

grauer November:
gehörst zu den zeiten
gedrückten gemüts

junger Dyakov:
an gitarrensaiten
von höchstem geblüt

funkelnde töne
und die läufe rasant
performance: sie blüht

die seele geht auf
alle hören gebannt -
applaushand: die glüht

© 25.11.2017 brmu
David Dyakov, gitarrist, gab am 24.11.2017 ein solokonzert in der Burg Gleuel im rahmen des „Erftkreis Zyklus ‘17“, veranstaltet von dem „Hürther Musikseminar e.V.“, Hürth

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um es dir zu melden

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© 15.10.2017 foto brmu: Margaret Atwood erhält den Friedenspreis aus den Händen des Vorstehers des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, H. Riethmüller

Margaret Atwood hat am 15. Oktober den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2017 in der Frankfurter Paulskirche verliehen bekommen. in ihrer dankesrede wandte sie sich auch direkt an die leserschaft mit dem zitat „… and I only am escaped alone to tell thee.“ (Hiob 1,15: ich aber bin entkommen, nur ich allein, um es dir zu berichten.).

Atwood bringt das verhältnis auf den punkt, in dem sie beteuert, sich mit ihrer literatur an den einzelnen leser zu wenden. ein buch sei wie eine stimme in des lesers ohr; die botschaft sei für ihn allein bestimmt. ein buch zu lesen sei die denkbar innigste erfahrung in der welt der gedanken eines anderen menschen. schriftsteller, buch und leser – in diesem dreieck stelle das buch den boten dar.

nach der kommunikationstheorie wäre das buch die vom autor encodierte botschaft, die vom leser zu entschlüsseln sei. Margaret Atwood setzt buch und bote gleich. damit vertritt sie die moderne these, dass der einzelne leser, der das buch gleich bot(e)schaft in händen hälte, die eingeschriebene botschaft als stimme im ohr entschlüsseln müsse und somit vom lediglich zahlenden konsumenten von literatur zu einem integralen bestandteil dieser wird. ein kluger hinweis an den literaturbetrieb, sich stets der leserschaft zu besinnen.

© 17.10.2017 brmu

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Kutsch, der versvernetzer

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Axel Kutsch, lyriker von herzen und anthologist aus überzeugung, realisiert in diesem jahr seine zehnte tour des poèmes, Versnetze_10 genannt, die wieder im Verlag Ralf Liebe erschienen ist. das formale konzept der anthologiereihe „Versnetze“ ist schnell geklärt: bewusst unliterarisch strukturiert nach den postleitzahlen und sortiert nach alter der einsender/-innen, werden 219 autorinnen und autoren mit einem oder mehreren gedichten vorgestellt, eine auswahl aus tausenden von einsendungen. inzwischen ist ein kleiner „Grenzverkehr“ integriert.

das ist harte arbeit des lesens, wertens und auswählens. Axel Kutsch meinte in unserem gespräch schmunzelnd, dass auch nicht alle abgelehnten es so sportlich nähmen wie litbiss, sondern auch mal gerne am telefon schimpftiraden von sich gäben.

weder thematische noch formale kriterien wurden vorgegeben, an dem sich die jungen und gealterten lyriker/-innen versuchen konnten. dieses konzept gibt der interessierten leserschaft also einen unverstellten überblick über die „dichterische arbeit“ an der basis im lande, und zwar unverfälscht vom so genannten literaturbetrieb der hitlisten, preisverleihungsorgien und rezensionsresonanzen, mit der die leserschaft verwöhnt, aber auch gelenkt wird.   

litbiss: die arbeit des anthologisten ist umfangreich, die des sammelns und vor allem des lesens von tausenden gedichten, was bringe einen dazu.

Kutsch: als lyriker beseele ihn generell die möglichkeit, mit gedichten sprache zu vertiefen und zu erweitern, um wortspielerisch neue resonanzräume zu erschließen. als sammler von gedichten anderer in anthologien sei er stets daran interessiert, talente zu entdecken und insgesamt einen weitreichenden überblick über die deutschsprachige lyrik der gegenwart zu vermitteln. 

litbiss: um diese herkulesarbeit zu bewältigen, bedürfe es sicherlich der kriterien, wie die zu umschreiben wären.

Kutsch: er habe „immer den anspruch, gedichte mit unverbrauchter sprache zu veröffentlichen und auf texte mit abgegriffener und plakativer diktion zu verzichten“.

litbiss:  dilettierende gebrauchsgedichte oder epigonale verse sind offensichtlich also keine optionen. eine wichtige botschaft. und grundlegend die frage, wie das konzept zu Versnetze zustande gekommen sei.

Kutsch: um das möglichst unverfälscht realisieren zu können, habe er "Versnetze" konzipiert, „weil sich in diesen nach postleitzahlbereichen strukturierten sammelbänden, deren kapitel jeweils mit dem jüngsten autor beginnen und dem ältesten enden, die vernetzung der regionen, szenen und generationen übersichtlich darstellen lässt“.

litbiss: so also erhalte der titel eine vordergründige bedeutung als basis (land) für die hintergründige, nämlich das fischen im meer der möglichkeiten lyrischer entdeckungen, was aber viel arbeit sei. 

Kutsch: „das sammeln von gedichten hat für mich persönlich einerseits den besonderen reiz, mich mit taufrischen poemen weniger bekannter und renommierter lyrikerinnen und lyriker zu beschäftigen, gewissermaßen den heißen atem des neuen zu spüren“. aber enttäuschung sei auch zugegen, denn es habe „andererseits enttäuschende momente, vor allem dann, wenn ich weniger gelungene einsendungen von autorinnen und autoren erhalte, die in früheren "Versnetzen" schon mit besseren gedichten vertreten waren“.

litbiss: als ein eben solch abgelehnter sei festgestellt: wer nicht (mehr) vertreten ist, möge also nicht schimpfen, sondern in sich gehen und sich fragen, wie er in zukunft den ansprüchen genügen könne, denn die reihe soll weiter geführt werden. 

Kutsch gibt dann noch preis: „mein lyrisches lieblingsthema ist die literatur, das schreiben von texten, in denen ich mich humorvoll, gelegentlich auch sarkastisch mit poesie, poeten und dem ‘betrieb‘ befasse“.

litbiss: die reflexion über den literaturbetrieb, dessen, was per attribution zu literatur wird, ergibt wiederum literatur wie satire, eine kompetenz, die nicht jedem gegeben ist. dann kommen wir zu der fälligen frage, wie es weitergehen werde.

Kutsch: „aktuell arbeite ich gerade an der vorbereitung einer anthologie außerhalb der reihe "Versnetze“ mit gedichten zu literarischen figuren und schriftstellern vom altertum bis in die gegenwart.“ und an die leserschaft gerichtet, meint Kutsch: „wenn sie meine bücher lesen, wünsche ich ihnen neben nachdenklichkeit vergnügen am spielerischen, ironischen, auch subversiven umgang mit sprache“.

Reim to Say Goodbye1

Da drängt doch dieser Typ ins Gedicht.
Alberne Mähne, grimmiges Gesicht.

Frauen in den Schritt gefasst?
Aussperren, was ihm nicht passt.
Wie der holpert, poltert, schasst!

So einen wolln wir hier nicht sehn.
Wir mauern und lassen ihn draußen stehn.

litbiss: man darf also gespannt sein, wie viel davon wir in der nächsten edition lesen dürfen. für die neugierigen sei erwähnt, dass sich über Axel Kutsch in der welt des buches zahlreiche beiträge in den medien finden, so auch in nachschlagewerken wie dem wichtigen "Killy-Literatur­lexikon". das führt zur frage, wie es mit der zeit und arbeit im umfeld des schreibens bestellt sei.

Kutsch sinniert, er engagiere sich nicht mehr in literatenorganisationen, weil er keine lust auf zwist habe, wie er dort nach seinen erfahrungen immer wieder mal  aufflammt.

litbiss: aus eigenem erleben kann das bestätigt werden: offenbar sind literaten eine besonders sensible sorte mensch gegen kritik, obwohl schon im letzten jahrhundert Roland Barthes gemeint hat, dass der autor tot sei, also für die wirkung des werkes unwichtig sei. doch viele legen ihr herzblut in ihr geschriebenes und fühlen sich dann persönlich schwer getroffen, wenn die schreibe beim anthologisten, im lektorat oder bei der leserschaft durchfällt. 

Kutsch möchte das gespräch nicht beenden ohne festzustellen: „zum abschluss ist mir noch wichtig, mit nachdruck darauf hinzuweisen, dass die deutschsprachige lyrik selten so pulsierend und facettenreich wie in diesen jahren war“.

litbiss: wovon man sich auch und besonders in den inzwischen zehn bänden der "Versnetze" überzeugen kann. man darf gespannt sein, wie es weitergeht, was aus der feder von Axel Kutsch in die druckerpresse und zu uns gelangen wird.

© 23.09.2017 brmu
das gespräch mit Axel Kutsch führte brmu/litbiss.de am 21. September 2017
1 Axel Kutsch (Hrsg.), Versnetze_zehn – Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart, Verlag Ralf Liebe 2017, seite 184, mit erlaubnis des Autors Axel Kutsch

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Evert Everts meint ...

als autor bin ich, Evert Everts, stets daran interessiert, gesellschaftskritisch zu schreiben.

durch meine neigung konnte ich oftmals ausgleichend wirken.

dabei hatte ich immer den anspruch, mich für gerechtigkeit und frieden einzusetzen.

so kam es, dass ich bis heute dieses thema auch literarisch bearbeite.

mein erster, veröffentlichter text stand 1961 in der Schülerzeitung.

das schreiben hat für mich persönlich einerseits das ziel, konflikte zu schildern.

es hat aber auch andererseits die vorgabe, gestalten zu können.

mein schriftstellerisches lieblingsthema ist der kampf gegen machtmissbrauch.

aktuell arbeite ich gerade an einem gedichtband und einem poetischen buch über den Bergischen Panoramasteig.

wenn sie meine bücher lesen, wünsche ich ihnen vor allem anregungen.

über mich finden sie in der welt des buches wenig, meine gedichte und erzählungen sind entscheidend.

ich engagiere mich in literatenorganisationen, um die auseinandersetzung mit der literatur zu förden (z. b. Verband deutscher Schriftsteller).

zum abschluss ist mir noch wichtig zu bemerken: autoren sind nicht allwissend, sollten aber vieles wissen.

dies sind die antworten des autors Evert Everts auf die lückentextfragen von litbiss.de.

vielen dank, herr Everts.

da ein gedichtband erwähnt wurde, hier eine kostprobe als nachgereichter ostergruß mit erlaubnis des autors in der fassung vom 18. 04. 2017:

fragen und wünsche zu Ostern

kann man „frohe Ostern“ wünschen,
wenn die „mutter aller bomben
kurz vor Ostern explodiert und tötet,
Erdogan im siegeswahne triumphiert,
in Israel der Tempelberg umstritten bleibt,
mister Trump mit flugzeugträgern droht,
Teresa May die auseinandersetzung sucht?

wie denn kann eine Bombe eine mutter sein,
ein mensch, der liebevoll ein kind umsorgt?
verhöhnte man nicht auch Christus
auf dem berge Golgatha?
„der Westen soll toben“,
höhnt auch heute in erdowahnien
ein totengräber der freiheit.

was ich aber allen wünsche,
lautet: frieden in uns selbst,
die achtung and’rer, freude,
hoffnung auf ein ende allen hasses;
denn niemals überlebt die gewalt,
wie uns die geschichte beweist.

© 16.05.2017 brmu

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liederträchtig tönemächtig

Liederträchtig IMG 7040a

© 28.04.2017 foto brmu: das duo Liederträchtig in aktion

am anfang war das wort, so glaubt man. doch das stimmt nicht!
am anfang ist der ton, aus dem das wort entsteht. ton und wort bilden eine einheit, wie sie das neue, kabarettistische duo namens Liederträchtig, prall voller ideen, wohlklingend in die welt gesungen hat.

davon konnte man sich in dem programms „zeit-los“ auf der „Kulturbühne Alte-Druckerei“ im schönen Weinheim am 28. April 2017 vor einem halben hundert anspruchsvoller gäste trefflich überzeugen.

nein, niederträchtig ist das duo nicht! doch sind ihre texte, die der pianist Daniel Möllemann schreibt, inhaltsträchtig. deren das selber denken fordernde botschaften wurden professionell besungen von der Sopranistin Cordula Stepp – und das publikum war begeistert. schon während der vorstellung gab es deutliche zeichen der reaktion auf das bühnengeschehen. und zum schluss rhytmischer applaus, zugaben rundeten den wunderbaren abend ab.  

aber hier eine warnung: wer von Liederträchtig gesungene, platte comedy scherze erwartet, der wird überrascht sein, ja ganz anders gefordert werden: lachen nach dem selber denken! das tut not in unserer sich verflachenden welt der billigen unterhaltung. möge diesem duo eine breite resonanz beschieden sein zu unser aller nutzen und frommen.

wer sich eine kostprobe der kunst ansehen möchte, ist mit der "ballade vom konstanten leben" auf dem richtigen wege.

© 02.05.2017 brmu

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Pollini's Chopin

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© 2017 foto brmu: Maurizio Pollini, bescheiden im applaus

im atrium
unterm leuchtraumschiff

Pollini steht im rund
alt schon, fast gebrechlich
an den tasten aber mächtig

meine ohren haben geweint
ja, freudentränen im glück
ihn gehört zu haben

der hände tönend wirbelwerk
zu sehen: ich war entrückt
am ende dann der volle rausch

stehend ihm
begeistert im applaus

© 11.02.2017 brmu
anlässlich des konzertes von Maurizio Pollini in der Kölner Philharmonie am 10.2.2017, klavierwerke von Frédéric Chopin spielend; man lese im Kölner Stadt-Anzeiger vom 13.2.2017 den artikel von Markus Schwering: Chopins abgründige Traurigkeit

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Brand animiert philosophie

was haben worte und bilder gemeinsam? sie bewirken in unseren köpfen denkprozesse, die zu vorstellungen werden und schließlich zum wille, daraus etwas abzuleiten – zu handeln oder nicht zu handeln. so haben die kunst der literatur und des films eine schnittstelle in unseren hirnen.

Michelle Brand liebt die philosophie als eine der edlen denkoperationen und hat das bewundernswerte talent, diese in bewegte bilder nachvollziehbar umzusetzen. eine kostprobe bildet ihr zweiter animationsfilm „The journey never starts. The journey never ends.“ er erhielt 2016 in Dresden den „Sonderpreis Animation“ im rahmen „Deutscher Mulitmedia Preis mb21“ in der alterskategorie „21-25 jahre“. hut ab! litbiss gratuliert.

Brand film2016

Michelle Brand, animationsfilm „The journey never ends. The journey never ends.” 2016

der film hat den preis mehr als verdient. er ist philosophisch-poetisch und trifft den nerv der zeit, ein wahrer spiegel des verhaltens. aber immer mit dem blick über den horizont, ja quasi der sehnsucht nach besserem, nach lösungen, nach der heiterkeit der offenen weite.

Michelle Brand war so freundlich und gab litbiss anfang des jahres 2017 ein interview, wie sie zum animationsfilm kam:

hi, mein name ist Michelle Brand, ich bin in Elsdorf-Heppendorf aufgewachsen, zu einer zeit, die mich noch lehrte, draußen im garten zu spielen und die natur wertzuschätzen.

als junger mensch habe ich in der schule am liebsten im kunst- und philosophieunterricht gesessen!

dabei inspirierte mich immer das gelernte selbst. Cézanne hat mich gelehrt das malen zu lieben, Aristoteles und Kant das denken. vieles, was ich dort vor jahren lernte, benötige ich jetzt immer wieder, auch als inspiration.

meine ausbildung als BA Animation Studentin genieße ich jeden tag. mit dem studium ist ein traum in erfüllung gegangen. der arbeitsumfang ist enorm, aber unglaublich erfüllend.

so kam es dann, dass ich in England mehrere animationsfilme produzierte. der film 'The Journey Never Starts. The Journey Never Ends.' ist ein film aus meinem zweiten studienjahr - eine zeit, in der man experimentiert, spaß hat, materialien einfach ausprobiert, und sich selbst und seine fähigkeiten herausfordert. für mich war dieser film selbst ein experiment - von der idee bis zur fertigstellung eine unberechenbare reise.

mein erster animationsfilm war eine herausforderung, in der ich mich selbst prüfte.er stellte zugleich meine facharbeit in philosophie dar, in der verschiedene theorien zum thema glückseligkeit visuell erklärt werden. zuvor hatte ich noch nie eine animation erstellt oder gelernt - ich sprang also ins eiskalte wasser.

das arbeiten mit diesem metier macht einfach spaß. es bleibt immer spannend, jeder film ist anders. bewegung und figuren, alles hat seine ganz eigenen regeln in der filmwelt, und diese einzigartige welt existiert erst durch das betrachten des films.

mein neuer film „The Journey Never Starts. The Journey Never Ends.“ zeigt eine reise durch die gedankenwelt. gedanken kommen und gehen, jede szene existiert nur im moment, er vergeht und führt zu etwas neuem.

sie werden in dem film auch hoffentlich ihre eigenen gedanken wiedererkennen. schließlich war ziel des films nicht, meine eigenen gedanken zu porträtieren, sondern den zuschauer mit auf eine reise zu nehmen, an der er teil hat – „diesen gedanken hatte ich auch schon so oft!“, ist zum beispiel eine schönes feedback, das daraufhin meist zu interessanten, teils philosophischen diskussionen führt.

über mich finden sie im internet auf Vimeo ein paar filmausschnitte und produktionsprozesse, die man gerne besuchen kann. eine website ist zurzeit noch in produktion.

von dem Deutschen Multimediapreis 2016 erhoffe ich mir vor allem viele nette menschen kennenzulernen und interessante, neue werke zu sehen! an solchen festivals sind die anderen filmemacher/medienkünstler eigentlich das schönste, und die ganzen spannenden gespräche, die dort entstehen.

mein nächstes projekt wird ein experimenteller animationsfilm werden, der teils digital und teils traditionell mit acrylfarben erstellt wird. er basiert auf Heraklitus lehre des seins – „wir steigen in denselben fluss und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht.“ im film wird die flussmetapher visualisiert, und die entstehung von zeit und bewegung im film selbst exploriert. denn animation ist vor allem eins – die illusion von leben und bewegung.

litbiss wünscht ein erfolgreiches studium mit spannender künstlerinkarriere.

© 04.01.2017 brmu

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