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zerbrochener krug macht klug

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© 16.3.2019 foto brmu: ensemble RollenTausch auf der bühne1

zuweilen ist es so, dass man sich im freundeskreis längere zeit nicht sieht – und dann wieder und dann bleibt einem vor staunen die spucke weg. so geschehen am 16.3. in der aula der Theodor-Heuss-Schule in Rothenburg an der Wümme.

das große ensemble der Rotenburger amateur-theatergruppe RollenTausch unter der regie von Heribert Eigen hatte geladen: „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist – und wir saßen alle erwartungsvoll im zahlreich erschienenen publikum.

die aula war voll besetzt, wir mitten drin und dachten zwangsläufig an die eigenen schuljahre, an den deutschunterricht und seine pflichtlektüren, darunter natürlich Kleist. von ihm habe ich seinen aufsatz "Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden" im kopf. an dem kommt man auch heute nicht vorbei, paradebeispiel dafür ist die politik, deren gedanken oftmals recht unverfertigt anmuten.

und man erinnerte sich an die laienspielschar in der eigenen schule, in der schülertalente entstanden oder auch vergingen. so wird es wohl auch heute sein, dachte man und war gespannt. und prompt trat ein musikalisches schüler-ensemble auf, bestehend aus drei violonistinnen und einer violoncellin. jeden bogenstrich erlebte ich körperlich mit, denn als schüler war ich selber im schulorchester und quälte meine geige in der zweiten stimme durch die partituren. sie aber, die vier mutigen auf der bühne, musizierten engagiert zum auftakt und erhielten anerkennenden applaus. und so war man nun eingestimmt.

aber dann kam es ganz anders! in einer bewundernswert professionellen aufführung wurden die schulischen erinnerungen hinweggefegt. es war fulminantes, mitreißendes theater auf der bühne der erwachsenen. an einem stück gespielt, konnten wir die Kleist-botschaft in wort und mimik der neun schauspieler/innen erleben. der zerbrochene krug als metapher für subtile vorteilsnahme oder gar korruption im öffentlichen leben.

der ledige dorfrichter Adam missbraucht sein amt, verspricht der in Ruprecht verliebten Eve, dass er die einberufung Ruprechts zum militärdienst verhindern könne, wenn sie ihm zu willen sei. das geplante „stelldichein“ scheitert, der richter Adam muss fliehen, dabei geht ein krug zu bruch. die nichts ahnende mutter von Eve, Liese, klagt nun gegen unbekannt – ausgerechnet bei dem zuständigen richter Adam. der will den verdacht von sich lenken und begeht massive fehler der einschüchterung und verdächtigung gegen Ruprecht. das fällt dem gerichtsrat Walter auf und er schreitet ein.

und die moral von der geschicht: /traue keinem richter nicht? nein, eher sollte es so heißen: und die moral von der geschicht: / korruption ist bei dir, dicht!

denn was ich nicht mehr behalten hatte: auch der gerichtsrat Walter, der im rahmen einer revision für „ordnung“ sorgen sollte, zeigt sich am schluss von der bestechlichen seite. man lese selber in dem erbaulichen und erstaunlichen stücke nach.

© 24.03.2019 brmu
1 das ensemble von links n. rechts: Jens Kramer (schreiber Licht), Bettina Renken (gerichtsrat Walter), Jürgen Cassier (dorfrichter Adam), Petra Vermehren (krugeigentümerin Marthe), Günther Köhnke (bauer Veit), Frederik Link (Ruprecht, sohn des baunern Veit), Lara von Spreckelsen (Eve, tochter von frau Marthe) und Christina Wedemeyer-Neumann (nachbarin Brigitte). Zum ensemble zugehörig, aber nicht in der szene: Elena Ried (dienerin Liese)

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Polanders wahrscheinlichkeitsspekulationen

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© 2016/2019 foto: blogger B. R. M. Ulbrich im gespräch mit Rolf Polander

bislang ist Rolf Polander mit seinen publikationen hauptsächlich als lyriker aufgetreten. nun lockte die prosa und das gleich eindrucksvoll. die geschichten in seinem band „Wahrscheinliche und unwahrscheinliche Geschichten“ lesen sich eingängig.

gleich die erste „Geschichte vom Anfang aller Geschichten“ ist ein überraschender auftakt mit anklängen an die schöpfungs- und paradiesgeschichte. aber etwas stimmt nicht: alles stumm, keine geräusche, also auch keine sprache im garten Eden. mitten drin sitz ein alter knabe und simmeliert, was denn nicht klappt, als ihn ein Staubkorn (8) zum niesen reizt – und plötzlich ist alles anders.

denn nun sind auf einmal geräusche in der welt, und die sprache. sie sprudelt Eva nur so aus dem munde. das klischee weiblicher sprachbegabung wird dem autor verziehen. es folgt die botschaft expressis verbis: So kamen die Wörter in die Welt, … und weiter: … jedem neuen Wort, das geboren wurde, folgte ein Gegenwort, und indem sie all diese Wörter und Gegenwörter benutzten, lernten die Menschen das Lügen … und natürlich auch das Geschichtenerzählen. (10) wiedergutmachung: die passage darf auch als eine hommage an die frauen interpretiert werden, die uns allen das reden und geschichtenerzählen ermöglicht haben.

aber es gibt noch einen anderen aha-effekt zwischen den zeilen. aus einem letztlich nur linear-komplizierten weltmodell (metapher: tonlosigkeit) wird per zufall, durch eine winzigkeit (metapher: staubkorn), eine andere welt erzeugt. eine fluktuation (metapher: niesen) verwandelt die welt plötzlich und unvorhersehbar in eine nicht-linear-komplexe, in die unsrige. abgebildet finden wir das in der Chaos-Theorie, worin der schmetterlingsflügelschlag das staubkorn ersetzt.

so lauert in Rolf Polanders geschichten in und zwischen den zeilen der salto des cogito ergo sum. man muss eben auch selber denken beim lesen. wie es auch in der lyrik verlangt wird. dazu will uns die literatur immer wieder anhalten.

© 18.02.2019 brmu
Rolf Polander, Wahrscheinliche und unwahrscheinliche Geschichten, Shaker Media 2018

*****

Rolf Polander gab litbiss.de jüngst ein lückentex-interview, seine passagen im schrägdruck:

beim schreiben von gedichten/texten bekomme ich nichts von höheren mächten, göttern oder musen eingeflüstert. alles, was ich schreibe, entnehme ich meinem hirn. wie in diesem organ üblich, wird erlebtes und beobachtetes ebenso gesammelt, wie gelerntes und angelesenes, bis es schließlich in bruchstücken wieder ins bewusstsein zurückkehrt. solche plötzlich auftauchenden stücke dann im richtigen moment zu ergreifen, kann ein anstoß zum schreiben sein.

als autor reizt mich die möglichkeit, mit den von mir vorgelegten büchern ein paar unserer scheinbar festgelegten verhaltens- und denkkonventionen in frage zu stellen und zu zeigen, dass die möglichkeiten der wirklichkeit größer sind, als die meisten sich träumen lassen, die möglichkeiten der fantasie sind es ja ohnehin.

stets versuche ich so zu schreiben, dass in den texten auch das nicht-ausgesprochene, aber mitschwingende entdeckt werden kann..

mein literarisches lieblingsgenre ist an erster stelle die lyrik, dann kurze prosaformen und aphoristisches.

das buch „Wahrscheinliche und unwahrscheinliche Geschichten“ habe ich bei Shaker Media verlegen lassen, weil dort bereits zwei meiner gedichtbände erschienen sind.

das lektorat der insgesamt 29 texte auf 189 seiten war für mich absolut hilfreich und ich danke meiner lektorin für ihre mühe und ihre einfühlung in meine texte.

das thema „wahrheit“ löst in mir äußerste skepsis aus. ich glaube nicht an eine absolute wahrheit, sondern daran, dass es viele parallele wahrheiten gibt. allen diesen wahrheiten überlegen ist aber die poetische wahrheit.

bei der lektüre meiner gedichtbücher „Unnütze Gedichte“, „In Versen verzettelt“ und meinem jetzigen prosaband wünsche ich der leserschaft, dass es ihr ebenso viel vergnügen macht, meine bücher zu lesen, wie es mir vergnügen gemacht hat, sie zu schreiben.

über mich finden sie im literaturbetrieb wenig, weil ich nicht so gut vernetzt bin, wie ich es vielleicht sein sollte und auch sozialen medien misstrauisch gegenüberstehe.

ich engagiere mich in der regionalen literatur, indem ich in verschiedenen autorengruppierungen (VS , Autorengruppe FAUST, Autorenkreis Rhein-Erft, Lyrik in Köln, Kunstgeflecht) mitarbeite und dabei auch gelegenheiten zu lesungen wahrnehme, die sich mir bieten.

aktuell steht als nächstes buch wahrscheinlich wieder ein gedichtband an.

zum abschluss ist mir noch wichtig zu sagen, dass alles, was über ein werk zu lesen ist, mit vorsicht behandelt werden muss. um zu einem eigenen urteil zu kommen, sollte niemand darauf verzichten, das werk selbst zu lesen.

und litbiss.de ergänzt: das gilt auch für diese rezension und dieses interview!

© litbiss.de dank herrn Rolf Polander für die freimütigen antworten.

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Hoppe, hoppe heiter ...

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© 8.2.2019 foto brmu: Felicitas Hoppe im gespräch mit Antje Arnold

Hoppe, hoppe heiter,
wenn sie schreibt,
dann weiter.
füllt schön auf mit gaben,
was sie schreibt in tagen,
schwebt so auf mit trumpf:
macht der leser plumpf. 1

genau! literatur ist fiktion! das wird an diesem abend im Brühler „margaretaS“ einmal mehr eindringlich bezeugt von Felicitas Hoppe. sie erfreute uns auf einladung der Buchhandlung Karola Brockmann mit ihrer anwesenheit im gespräch mit Antje Arnold, einer guten bekannten, die ihr so manches statement entlocken konnte.

in dem erfreulich gelösten gespräch bekundete die schriftstellerin denn auch, dass es nichts realistischeres gäbe als märchen. nach meinung der autorin beinhalten märchen also prinzipien, die zu allen zeiten typische lebenssituationen spiegeln und regen daher zu reflektionen auf seiten der leser/innen an. märchen sind folglich keineswegs nur kindersache.

das ist eine hilfreiche leseanleitung für ihre geschichten, die in ihren büchern oftmals überraschend das märchenhafte streifen, in der lateinamerikanischen literatur „magischer realismus“ genannt. belegt wird das durch eine lesung aus ihrem neuen buch „Prawda“, in dem die autorin eine historische reise in den 30er jahren des letzten jahrhunderts zweier sowjetischer journalisten nachzeichnet.

mitten in einem tornado im "Mittleren Westen der USA", statt sich in den keller zu flüchten, öffnet die protagonistin das dachfenster, krabbelt auf das dach und entschwindet im sturm, sieht die welt von oben – und berichtet darüber. eine erfrischende melange aus auktorialer, ich- und märchenerzählerin.

dabei versäumt Hoppe es keineswegs, uns heutigen so nebenbei die eine oder andere klatsche zu verpassen. es drängt sich mir der begriff dystopie auf. die sucht nach strom zur angeblichen vervollständigung des menschen, der „neue mensch“ als ideal. und dann das: er wird ohne mängel sein. wohlan: ohne kreativität, die ja heute noch existiert als ausdruck der suche nach vollkommenheit. keine kunst, keine literatur, keine individualität mehr.

schauderhaft. stimmt die welt in den märchen schon nachdenklich, so unsere heutige erst recht. die großen resonanzflächen der alltäglichen unvollkommenheiten sind denn auch der grund zu behaupten, dass märchen uns spiegeln, wenn auch in einer metaphernbeladenen sprache, die entschlüsselt werden will.

das bild des letzten menschen, des perfekt zum algorithmus gewordenen menschen im totalen computersystems hat Miriam Meckel in ihrem roman „Next“ erschreckend illustriert. Felicitas Hoppes bücher werden ab sofort in meinem Regal neben dieser dystopie stehen.

© 11.02.2019 brmu
1 nach dem kinderlied: hoppe, hoppe reiter ...

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weihnachtsbetrachtung 2018

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© 2015 foto: Evert Everts, meeresgruß an Irischer küste

und wo bei ihnen bleibt das schöne, herr Everts?
ich grübele, schaue verlegen seewärts
und schweige. der wind rumort am fahnenmast.
sie nörgeln, bekritteln, was ihnen nicht passt.
zu weihnachten schreibt man besinnliches,
stimmt sich ein und verlagert dringliches.

alles am meer ist anfang und ende,
nach standpunkt auch persönliche wende.
im kommen und geh`n von ebbe und flut
liegt zuversicht. die see, die in sich ruht,
bedeutet mehr - ein nehmen und geben.
das nur ist das schöne und -  das leben.

© 2019 Evert Everts
in anspielung an Erich Kästners gedicht: Und wo, bleibt das Positive?

© 03.01.2019 brmu
gedicht und foto mit erlaubnis des autors E. Everts

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gruß aus dem orbit

Alexander Gerst von der ISS gibt uns tipps als gruß an die enkelgeneration aus dem orbit (esa, 19.12.2018, teil-transkription vom video):

„Im Nachhinein sagen natürlich immer viele Leute, sie hätten davon nichts gewusst, aber in Wirklichkeit ist es uns Menschen schon sehr klar, dass wir im Moment den Planeten mit Kohlendioxyd verpesten, dass wir das Klima zum Kippen bringen, dass wir Wälder roden, dass wir die Meere mit Müll verschmutzen, dass wir die limitierten Ressourcen viel zu schnell verbrauchen und dass wir zum Großteil sinnlose Kriege führen.

Und jeder von uns muss sich da natürlich an die eigene Nase fassen und sich überlegen, wohin das gerade führt.

Ich hoff sehr für euch, dass wir noch die Kurve kriegen und ein paar Dinge verbessern können und ich würde mir wünschen, dass wir nicht bei euch als die Generation in Erinnerung bleiben, die eure Lebensgrundlage egoistisch und rücksichtslos zerstört hat.

Ich bin mir sicher, dass ihr die Dinge inzwischen sehr viel besser versteht als meine Generation. Und wer weiß, vielleicht lernen wir ja auch noch etwas dazu. Dass ein Blick von außen immer hilft. Dass dieses zerbrechliche Raumschiff Erde sehr viel kleiner ist, als die allermeisten Menschen sich das vorstellen können.

Wie zerbrechlich seine Biosphäre ist und wie limitiert seine Ressourcen. Dass es sich lohnt, mit seinen Nachbarn gut auszukommen. Dass Träume wertvoller sind als Geld und dass man ihnen eine Chance geben muss. Dass Jungen und Mädchen Dinge genauso gut können, aber dass doch jeder von euch eine Sache hat, die er besser kann als alle anderen. Dass die einfachen Erklärungen oft die falschen sind und dass die eigene Sichtweise eigentlich immer unvollständig ist. Dass die Zukunft wichtiger ist als die Vergangenheit und dass man niemals ganz erwachsen werden soll. Dass Gelegenheiten immer nur einmal kommen. Und, dass man für Dinge, die es wert sind, auch mal ein Risiko eingehen muss. Dass ein Tag, an dem man etwas Neues entdeckt hat, über seinen Horizont hinausgeschaut hat, ein guter Tag ist.“

wer findet bessere worte? litbiss wünscht allen menschen, dass sein appell wirkung zeige und sich die dinge bessern, in den köpfen und den taten. ein frohes weihnachtsfest und ein friedliches, neues jahr 2019.

© 21.12.2018 brmu

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Frauenchor Kerpen lädt zum singen

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© 16.12.2018 foto brmu: chorgesang im rathausgang

der Frauenchor Kerpen e.V. lud nun schon zum 26. weihnachtssingen ein - und die große eingangshalle des rathauses von Kerpen war erwartungsvoll mit Alt und Jung wieder voll besetzt. auch einige politikergrößen der stadt hatten sich eingefunden, der größte von allen: bürgermeister Dieter Spürck.

der zweck der veranstaltung ist neben der freude am singen der aufruf zu einer spende statt eintritts an die Rundschau-Altenhilfe „Die gute Tat“. der gespendete betrag war bei redaktionsschluss noch nicht bekannt.

das programm offeriere klassische und moderne weihnachtslieder, ausgeführt vom Posaunenchor Buir, dem Kinder und Jugendchor Sing along Rhein-Erft und dem Frauenchor Kerpen, am piano begleitet von Atsuko Ota. sie sprang auch für die verhinderte harfinistin Anja Steiner ein mit dem stück „Weihnachtsglöckchen“.

wortbeiträge reicherten das programm an: Irmgard Gritzmann, vorstandsvorsitzende des frauenchors, begrüßte gäste und künstler/innen, Viktoria Schwarz las eine weihnachtsgeschichte und Gerda Kreusen ein gedicht. und nicht zu vergessen: das publikum, wir durften wieder aus ganzen herzen mitsingen, den text auf den knien.

besonders gut gefallen hatte die melange aus dem Kinder und Jugendchor und dem Frauenchor Kerpen unter dem dirigat von Randi Treybig. wie schön es war, aus dem publikum die gesangliche interaktion von beiden chören zu beobachten. der pralle applaus war ein dank dafür.

möge das singen als harmoniestiftende kunst immerfort nach innen und außen wirksam sein.

© 17.12.2018 brmu

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Volker Kutscher liest aus Marlow

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© 26.11.2018 foto brmu: Volker Kutscher plaudert über sich

die Buchhandlung Karola Brockmann hat wieder einen coup gelandet: Volker Kutscher hatte sich zeit genommen, um im Begegnungszentrum margaretaS in Brühl aus seinem neuesten, siebten roman „Marlow“ zu lesen. der autor ist bekannt durch seine „Rath-Roman-Reihe“, die inzwischen auch als historische krimi-saga „Babylon“ verfilmt wurde.

die lesung wurde durch ein gespräch mit dem moderator Werner Höbsch vom veranstalter eröffnet. dabei zeigte sich Kutscher gut gelaunt, offen, über seine entwicklung zum autor plaudernd. er habe vorgehabt, eine roman-krimi kombination vor dem hintergrund der geschichtsträchtigen zeit um 1933 zu verankern, drei romane davor und drei danach sollten es sein. aber er merke nun, dass es aus historischen gründen dabei nicht bleiben könne, er wolle die zeit bis 1938 als hintergrundfolie noch mit etwa drei weiteren werken abschließen. der nun siebte band der Rath-Romane mit dem titel „Marlow“ liege nun vor.

die idee, vor historischem hintergrund kriminalistische handlungen und deren aufklärung durch einen set an figuren zu kreieren entstamme dem wunsch, der >geschichtsvergessenheit< (o-ton) etwas entgegen zu setzen.

eine gestaltung von plot und figuren im sinne von gut und böse habe er nicht. die charaktere haben schwerpunkte, können aber auch befremdliches aufschimmern lassen. wie im leben entwickelten sie sich aus den situationen heraus, entfalteten sie sich von roman zu roman, manches überrasche ihn selbst.

wie die stelle in „Marlow“, wo der sehr skeptische protagonist Gereon Rath sich in Nürnberg befindet und eher zufällig in eine menge gerät, die dem diktator Hitler frenetisch zujubelt – und er hinterher feststellen muss, dass er auch mitgejubelt habe. Er verstand die Welt nicht mehr. Und hatte sich noch nie in seinem Leben so sehr gehasst.1

das beispiel zeigt, wie das individuum in der masse manipuliert wird. es sind oftmals nur kleine schritte, die in den abgrund führen können – auch in heutiger zeit.

© 27.11.2018 brmu
1 Volker Kutscher, Marlow – Der siebte Rath-Roman, Piper 2018, 280 -
Gereon Rath-Roman-Reihe: Der nasse Fisch (2007), Der stumme Tod (2009), Goldstein (2010), Die Akte Vaterland (2012), Märzgefallene (2014), Lunapark (2016), Marlow (2018)

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wellershoffgedenken

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30.09.2018 foto brmu: Dieter Wellershoff, eine skeptische wand-projektion von Peter Peitsch1 während der ansprache der Oberbürgermeisterin von Köln, Frau Henriette Reker

Dieter Wellershoff (*3.11.1925) war kein autor für die breite belletristik, eher sind seine werke der anspruchsvolleren literatenliteratur zuzurechnen. nach einem langen leben als privatmensch, als lektor, autor von essays, gedichten, erzählungen, novellen, romanen, ist er in diesem jahr am 15. Juni gestorben.

die stadt Köln richtet für ihren bekannten bürger eine gedenkfeier aus. es redet die oberbürgermeisterin, Frau Henriette Reker, und stellt ihn aus ihrer sicht dem anderen, berühmten sohn der stadt, Heinrich Böll, auf augenhöhe zur seite. die tochter, Frau Irene Wellershoff, schlägt einen großen, autobiografischen bogen über sein leben.

dann nähern wir uns seinem werk. Bernt Hahn liest beeindruckend aus Zwischenbilanz vor und schließt mit einem nachdenklichen gedicht: „Das Ich und seine Augenblicke2

„Die Jahre kommen und gehen
und der, den wir „ich“ nennen,
wechselt seine Gestalten,
immer bemüht auszusehen
als wäre er es: - …“

der komponist J. S. Sistermanns erzählt über seine freundschaft mit Wellershoff und ihre kooperation zu dem hörspiel Schneelandschaften, Schneestimmen, Schneegespenster aus dem jahre 1985. ein auszug lässt schnell erkennen, dass die konturenschwache, weiße schneelandschaft dem drehbuch-autor Wellershoff eine metapher für das leere, weiße blatt papier in seiner schreibstube ist. literatur ist wie die ansammlung schwarzer zeichen im weißen.

vor hellem hintergrund bildet das zentrum der veranstaltung eine gesprächsrunde mit personen, die im literaturbetrieb direkt mit Wellershoff zu tun hatten. die autorin Liane Dirks behauptet sich im männerclub der herren Thomas Böhm (ehemals leiter des Literaturhauses Köln), Werner Jung (germanist), Helge Malchow (verleger) und Hubert Winkels (kritiker) als moderator. (die titel lassen wir mal weg.)

alle skizzieren ihre erstbegegnung mit dem multitalent Wellershoff, meist war es in horizonterweiternder art. es wird bewundert, wie Dieter Wellershoff zuhören konnte, um dann punktgenau mit intelligenten und durchblickenden bemerkungen zu kontern, zu ergänzen, zu beraten, zu ernüchtern. dies gespräch unter dem schneeigen konterfei Wellerhoffs, auf die helle wand projeziert, war geeignet, die lieblingssichtweisen in der leserschaft zu variieren, denn in dem menschen Dieter Wellershoff steckte offenbar mehr, also nur eine vollendete rolle.

den ausklang im sinne des wortes bildet ein weiterer auszug aus dem hörspiel Schneelandschaften, Schneestimmen, Schneegespenster.

zum schluss liest Bernt Hahn mit seiner sonoren stimme auszüge aus Nachtspaziergänge, in denen Welllershoff beschreibt, wie er sich nach seiner täglichen schreibarbeit spät abends oder nachts in seinem viertel von Köln, er nennt es revier, bei spaziergängen lockert und erholt, natürlich nicht ohne danach seine beobachtungen und gedanken dazu niederzuschreiben, um sich dann spazierengehend zu erholen, dies niederzuschreiben ….

mit blick auf das publikum und seine grauweißmelierten haarprachten wird der schlusspunkt gesetzt mit dem rezitat des gedichtes Altwerden 3:

„Die Zeit ist dazu da,
daß das Leben stattfindet,
und alles hat seine Zeit: …

Eines der Kinder ruft aus einer fernen Stadt an,
es ist ein Mann.
Altern geschieht, als fände es gar nicht statt,
ist aber plötzlich doch geschehen
wie eine Betrug,
an dem man selbst beteiligt war,
als Betrüger und Betrogener,
und vor keinem Gericht
gibt es Gerechtigkeit. …

stille im publikum, obwohl über eine halbe stunde schon überzogen worden war. stille. denn das ganze gedicht von 1982 traf in unser herz. wir sind dankbar durch ein lebenshungriges Köln nach hause gegangen und gefahren.

© 01.10.2018 brmu
1 nach angabe gem. Kölner Stadt-Anzeiger v. 2.10.2018, M. Schwering: Ein fantasievoller Aufklärer
2 Dieter Wellershoff, Zwischenreich – Gedichte, Kiepenheuer&Witsch 2008, seite 67-68
3 daselbst, seite 58-60

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KunstTage

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© 15.09.2018 foto brmu: blick in die KunstTage in der Abtei Brauweiler

die Abtei Brauweiler ist ein kunstvoller ort, kunst kunstgerecht zu präsentieren. so auch anlässlich der 30. Kunsttage Rhein-Erft. Insgesamt 47 künstler/innen haben sich versammelt, um ihre werke bei passendem wetter im Prälaturhof und Marienhof der Abtei auszustellen.

strategisch günstig war Georg Becke aus Bergisch Gladbach positioniert, gerahmt vom Triplearc Dreierbogen (Holger Hagedorn) und dem infostand der veranstalter (Kulturbüro des Rhein-Erft-Kreises).

so kam man schnell ins gespräch. ja, man dürfe sich seinen kunstwerke nähern, ja, auch behutsames anfassen und fühlen sei erlaubt. das sei die gewünschte art der kunsterfahrung. die formen seien nach vorstellung herausgearbeitet, das unter berücksichtigung der möglichkeiten des biologischen materials. ein organischer eindruck wäre das ziel. eine besonders ästhetische, stelenhafte skulptur ohne titel zeigt das nachstehende foto.

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© 15.09.2018 foto brmu: Georg Becker, skulptur aus kirschholz, etwa 200 cm hoch

aber auch das wort als sinnliche ergänzung, von seiner gattin Gisela Becker-Behrens gedichtet, ergänzt die wahrnehmung. man konnte sie in einer kladde selber lesen.

diese art der kunsterfahrung lieferte „Lyrik in Köln“. spontan versammelte man sich an diversen kunstwerken und mitglieder der lyrikervereinigung trugen ihre gedichte vor. das war kein feststehendes programm, sondern der zufälligkeit des kunstgenusses geschuldet. wer wollte, konnte einen kalender „Bilder und Gedichte 2019“ erstehen und somit auch ein paar gedichte nach hause nehmen.

dies nur exemplarisch für die vielfalt der künstlerischen arbeiten und ausstellungsobjekte. für den besuch am 16.9.2018 sollte man sich zeit nehmen.

© 15.09.2018 brmu

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LiteraturHerbst 2018

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© 14.09.2018 foto brmu: herbstliche lesung in der Stadtbibliothek Bergheim
(v.l.n.r.) Andreas Schnabel, Margit Hähner, Lars Röcher, Cornelia Ehses

im herbst fallen die blätter von den bäumen und im literaturbetrieb auf die lesetische, zur erbauung der leserschaft. und es ist immer interessant, stimme und mimik der autorinnen und autoren wahrzunehmen. der text ist die botschaft. bei autor/inn/en-lesungen sind sie texter/in ist botschafter/in in einem. manche zerlesen gute, manche erlesen schwache, manchen krönen gute texte. heute war letzerer fall der fall.

da es im herbst nur so wimmelt von aktionen wie den „LiteraturHerbst 2018“ rund um das buch, müssen wir regionalen leser/innen uns auf viele termine verteilen, also in der menge letztlich verdünnen. dennoch war die veranstaltung in der Stadtbibliothek Bergheim vollbesetzt, worüber sich Karla Beutel als vertreterin der Stadtbibliothek Bergheim und Dr. Hahn als vertreter des Fördervereins dieser bibliothek freuten.

Andreas Schnabel als moderator stellte uns die vier mitglieder des ARE (Autorenkreis-Rhein-Erft) vor und führte uns launig durch das programm. das rahmenthema war philosophisch gewählt: „Was wirklich zählt“ ist eine grundlegende fragestellung in unser aller leben.

Margit Hähner, bekannt als krimiautorin, stieg „unkriminell“ auf diese frage ein. sie gab uns ganz aktuell zu den vorgängen im benachbarten Hambacher Wald ihre anregungen in form einer reflexion „Prima Klima“ zu unser aller nachdenken kundt. botschaft: was zählt ist, fang bei dir selber an!

Cornelia Ehses, ebenfalls aus dem krimigenre bekannt, trug nachdenklich in der mehrheit prosagedichte vor, die lebensthemen wie abschied, beziehung, elternglück, mutterschaft, gesundheit in den fokus rückten. ihre botschaft war: was zählt, das ist eine tragende beziehung! hier eine kostprobe mit dem gedicht "echt":

Es gibt Tage
da schleppe ich mich
zur Apotheke
weil ich
das offene Gesicht
des Weißkittels brauche
um es
mit meiner Krankheitsgeschichte
zu verschließen

Er kramt
die Geschäftsmine
utner der Designertheke hervor
setzt sie auf
sagt 243 Euro
und es geht mir besser
Schmerz
der so kostspielig ist
kann nicht eingebildet sein

nach den beiden damen kam dann Lars Röcher, seines zeichen poetry slammer, zu worte. kompromisslos haute er mit und in seinen gedichten dazwischen. darf man seine trommelnde lyrik eigentlich noch so nennen, sind es nicht eher dystopische rufe in unsere umnebelten leserhirne? seine botschaft: warum wir noch reden, wenn wir doch sprachlos sind!

exklusiv überließ er litbiss sein für den abend geschriebenes gedicht, das intertextuell an das theaterstück „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett andockt:

Warten auf …

Ich möchte lauschen
Den Wörtern, die niemand sagt
Den Sprachen, die ich nicht verstehe
Den Menschen, die mir so fremd scheinen

Ich möchte bleiben
In der Heimat, die nie eine war
An diesem Ort, der mich ausspuckt
Und an seinem Spuckfaden baumeln lässt

Ich möchte fragen
Ohne Erwartungen und Antwort
Ich möchte warten
Auf dich, auf Godot, auf den Bus

Einfach warten
Zu einer seltsamen Zeit
Auf jemanden, der nicht kommen wird

Dasein und schweigen
An diesem grässlich-schönen Ort
Falls jemals jemand käme
Ich wäre schon dort

den spannenden abschluss bildete der moderator selber. Andreas Schnabel vertritt das prosa-genre „krimi“ mit speziellem plot: die Bundesbahn. er las aus „Tod mit Verspätung“, auf welch abenteuerliche art und weise die protagonistin Bianca Trapp zu ihrem neuen job als ermittlerin in sachen „Waggondiebstahl“ kam. wie können waggons spurlos verschwinden? dem bahnfahrenden publikum ein völliges rätsel, sind sie doch auf gleise angewiesen, und die liegen nicht überall – oder? wie immer und überall gilt auch hier: was zählt, ist selber lesen. das macht schlau!

eine gelungene veranstaltung mit vier mitgliedern des ARE, die in ihrem frischen auftritt und ihren gelungenen texten vom publikum freimütigen applaus erhielten. was zählt: davon mehr!

© 15.09.2018 brmu

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wie ein buch entsteht

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© 10.07.2018 foto brmu: Project Anagrama in aktion

im rahmen der veranstaltung "LiteraturHerbst Rhein-Erft 2018" gab es in der Bibliothek Bergheim ein vorstellung von „Projecto Anagrama“ zu erleben. das thema rankte sich um die frage, wie ein buch entstehe „Cover, Blätter und Letter …“ und wie man das mit wenigen worten aber viel akrobatik auf die bühne bringt. und das einem bunt gemischten publikum von großeltern, eltern und vor allem kindern, die von den beiden künstlern einbezogen wurden.

Albertino, dessen kopf voller geschichten schon ganz schwer geworden war, entdeckt die erleichterung durch das aufschreiben mit feder und tinte. die blätter zerknüllt er und wirft sie vor das publikum. aber das herz wird ihm schwer, weil seine geschichten für niemanden zu lesen sind. also entschließt er sich, die geschichten mit der schreibmaschine zu schreiben und als manuskript zu sammeln. die story endet bei der buchherstellung und die damit mögliche verbreitung seiner geschichten.

jedes stadium wird begleitet durch atemberaubende kunst mit bällen, auf seilen und auf rollen (s. foto). immer spielt das buch eine gewichtige rolle. und die zuschauenden kinder sind voll und ganz dabei, sie rufen ratschläge und hinweise in die szene, die auch entsprechend flexibel aufgenommen und eingebaut werden.

eine wunderbare stunde theaterkunst mal ganz anders, bestens geeignet, das buch als träger von spannenden geschichten zu bewerben.

© 07.09.2018 brmu

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25 jahre - und immer noch VRL

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© 02.09.2018 foto brmu: Achim Amme liest szenisch in der Druckerei des VRL

der Verlag Ralf Liebe in Weilerswist hat etwas zu feiern!

am 2.9.2018 jährte sich seine gründung zum 25sten mal. Ralf Liebe, der zur begrüßung der gäste von sich eher als passioniertem drucker denn als verleger sprach, hatte für jedes jahr einen stuhl in dem kleinen vorraum der druckerei aufgestellt, umrahmt von klassischen setzkästen der analogen zeit. und die stühle waren alle mit erwartungsvollen gästen besetzt, sie sollten nicht enttäuscht werden.

der Hamburger autor, schauspieler und Ringelnatz-preisträger Achim Amme, mit zwei buchtiteln im verlagsspektrum vertreten, gab dem tag mit einer agilen, bühnengleichen, humorvoll verschmitzten lesung zum thema „Rotkäppchen & Co. – Märchen für Erwachsene“ seinen glanz. erstaunlich, was aus den allseits bekannten märchen der gebrüder Grimm alles werden kann.

zunächste lernten wir, wie ein schlichtes bäuerlein1 mit naiver raffinesse sein ganzes dorf in die tasche steckt. die parabel vom generationsübergreifenden zusammenhalt zwischen enkel und großvater2 ließ uns emotional berührt zurück. mit dem tode eines eigensinnigen kindes3 werden die brutalen erziehungsmethoden hoffentlich vergangener zeiten gegeißelt. eine in friesischem plattdeutsch authentisch vorgetragene version vom has und de swinegel4 weist auf die folgen von arroganz und ignoranz hin.

dann kommt Janosch an die reihe mit der botschaft vom faulen Heinz5, nämlich, es gäbe nichts besseres auf der welt, als sich arbeit zu ersparen. und Achim Amme zitiert sich auch selber aus seinem buch "Ammes Märchen". die geschichte vom schmerzschreiwald6, Zorro7 wird bemüht, der den Erlkönig umgebracht hat, es wird doppelt belichtet8, was nicht einfach ist und schließlich Rumpelstilz9 als eremit in unserer zeit. allesamt launige gedichte, die vom publikum vorwissen einfordern.

das beispiel der ersten strophe von „Zorro reitet nicht mehr7“ soll es verdeutlichen:

Zorro reitet durch Wind und Nacht.
Er hat den Erlkönig umgebracht.
Zorro reitet so schnell er kann.
Schon kommt er am nächsten Bahndamm an.

wem fällt nicht sofort Goethes ballade vom Erlkönig ein?, geschrieben 1782. daraus zieht die persiflage ihre kraft. und die heimliche freude im publikum ist da: endlich einer, der den olympier aus dem klassenraum der schule hinaus, auf den frechen arm nimmt, ihn milde enttrohnt und somit wieder unter uns bringt, als hintergrundresonanz zu dem gedicht. wie es ausgeht, möge man selber lesen. Zorro, rächer der armen, erstmals aufgetreten 1919, also eine figur eher unserer zeit, rächt den toten knaben und mordet den bösen Erlkönig – der doch nur ein fantom, ein „nebelschweif“ im fiebernden kopf des kindes war.

das publikum geht in die pause, heiter und auch nachdenklich, erquickt sich am flüssigen und am knabberzeug, kommt ins gespräch, untereinander und mit dem rezitator Amme, ein performer durch und durch.

nach der pause geht es weiter mit variationen des rotkäppchennarrativs10. es kommen u. a. James Thurber, Thaddäus Troll, Franz Hohler und Ringelnatz – zu worte, allesamt verändern sie den bekannten duktus des märchens und verweisen auf die verschiedenen sprachwelten, in denen gedacht wird. ein spiegel unserer kommunikationsweisen. der hammer war die version in amtsdeutsch11, eine jede empathie abtötende persiflage:

Im Kinderanfall unserer Stadtgemeinde ist eine hierorts wohnhafte, noch unbeschulte Minderjährige aktenkundig, welche durch ihre unübliche Kopfbekleidung gewohnheitsrechtlich Rotkäppchen genannt zu werden pflegte. …

Achim Amme war inspiriert, er vermochte das publikum zu begeistern. ein zur begeisterung fähiges publikum sei ihm allzeit auf allen bühnen gewünscht.

und der verlegende drucker Ralf Liebe war offensichtlich zufrieden. er wird sich in dem übermächtigen literaturbetrieb weiter behaupten. die leserschaft der von ihm produzieren bücher kann das leicht unterstützen: kaufen, lesen, weiterempfehlen.

© 04.09.2018 brmu
1 Grimms Märchen, Das Bürle
2 Grimms Märchen, Der alte Großvater und der Enkel
3 Grimms Märchen, Das eigensinnige Kind
4 Grimms Märchen, Der Hase und der Igel / Wilhelm Schröder, De Has un de Swinegel
5 Janosch, Janosch erzählt Grimms Märchen
6-9 Achim Amme, Ammes Märchen, Verlag Ralf Liebe 2015
7 Achim Amme, Ammes Märchen, Verlag Ralf Liebe 2015, s. 20
10 Hans Ritz, Die Geschichte vom Rotkäppchen , Muri 2013
11 Hans Ritz, Die Geschichte vom Rotkäppchen, Muir 2013, s. 141-142

das foto mit erlaubnis von herrn Achim Amme.

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lyrikpfad an der Strunde

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© 21.08.2018 foto brmu: auf dem „Lyrikpfad an der Strunde

lyrik ist doch nur etwas für sonderlinge und stubenhocker. denkt man so. doch weit gefehlt! wenn man sich erst einmal aus seiner komfortzone hinausbewegt hat, nicht etwa in den lesesaal einer bibliothek, nein, nach Bergisch Gladbach zum beispiel, auf den „Lyrikpfad an der Strunde“. dann kommt man auch gerne zu einer anderen meinung.

der lyrikpfad beginnt an der quelle der Strunde. in einem angedeuteten rondell tritt der bach an den tag, ab und an durchsetzt mit blubberblasen aus dem untergrund. hier kann man ein wenig die brutale hektik und oberflächlichkeit des modernen lebens abstreifen, ins „simmelieren“ kommen und goetheanische „anschauung“ üben. wasser, uns aller quell und lebensborn. nicht aus der leitung! aus dem boden, noch gänzlich unverfälscht durch müll und dreck.

an dieser stelle ist die erste metallstehle zu finden, auf der ein gedicht von E. M. Müller prangt, das er uns als autor und lyrikpfaderläuterer rezitiert.

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wer ist gemeint? dein/e nächste/r, dein/e liebste/r? und was wird er/sie sagen, wenn er/sie ihn wirklich ansieht, nach dem blick? wird überhaupt gesagtes notwendig, funktioniert nicht längst ein stilles einverständnis? ein ganzes leben steht hinter diesem (liebs-)geständnis. wir alle können dazu unterschiedliche resonanz aufbauen, jede/r nach seiner art.

E.M. Müller führt uns dann zu den fünf weiteren stationen entlang des bachlaufes, wo die gedichte von mitgliedern der „Autorengruppe Wort&Kunst“ präsentiert werden. sie alle laden zur reflektion des augenblicks ein. vertreten sind in der reihenfolge: Engelbert M. Müller, Marianne Dreiocker, Renate Beisenherz-Galas, Hildegard Tillmann, Frank Mäuler, Roland Mittag. jedes gedicht wird von E.M. Müller laut rezitiert und mit wenigen erläuternden worten begleitet. seine humorvolle aufgabenstellung an uns: finde dein gegenüber in den gedichten.

der lyrikpfad wurde 2011 ins leben gerufen und ist inzwischen an der Strunde / Bergisch Gladbach etabliert. dies nun schon in der 12. edition.

wir, ein dutzend literarisch interessierter haben lyrik wie landschaft auf uns wirken lassen können. ein erquicklicher weg über etwa drei kilometer, begleitet von angenehmen plaudereien. den abschluss bildete eine kurze lesung von E. M. Müller aus seinem aktuellen buch „Wittenberg“ im biergarten einer am ende des parcours liegenden gaststätte.

so kann sich die lyrik befreien aus der ecke der angeblich schwierigen literatur und nähe zur leserschaft gewinnen. ganz besonders auch dadurch, dass regionale autorinnen und autoren rund um Bergisch Gladbach sich zu solch einer begrüßenswerten aktion organisiert haben.

wer wissen will, was in den elf editionen vorher präsentiert wurde, der kann dies in der anthologie „Der Lyrikpfad an der Strunde – Gedichte im Grünen 2011 – 2017“ BoD nachlesen. viel vergnügen!

© 22.08.2018 brmu

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Bohn im glück

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flyer zu der veranstaltung

der Bergheimer autor Manfred Bohn gibt am 15./16. September 2018, jeweils ab 11Uhr, einen einblick in seine familiensaga „Glück gehabt“, die auf fünf bände konzipiert ist.

anlässlich des sommerfestes1 „Gras-Land-Art“ der gärtnerei „Grasland“ wird er dort lesungen aus dem ersten band mit dem titel „Aufgang im Untergang“ präsentieren. es wird wieder ein event mit programmteilen, die das publikum erfreuen werden.

es geht um alles. im jahre 1943 kommt ein junge zur welt. wir dürfen den autor selbst in dem protagonisten vermuten. das wunschkind erlebt und erleidet die unterschiedlichsten familiären und zum teil lebensbedrohenden situationen bis hin zu seiner berufsausbildung. mit seinem fleiß und seiner ausdauer beginnt ein weg in die zukunft, der in den weiteren bänden der saga „Glück gehabt“ entfaltet werden wird.

es dürfte interessant sein, zu erfahren, wie viel resonanz zum eigenen lebensweg entsteht. das kann jedoch nur erfahren, wer anwesend ist und/oder das buch/die bücher liest: momente möglicher erkenntnis. hier ein auszug aus dem einleitenden gedicht des prologs:

ein werk entsteht so „irgendwann
und trifft im besten fall sein ende.
beschwingt es sicher sagen kann
das ergebnis, es spricht bände

und wirst du einst doch hochgerufen
erkletterst mit dem werk die himmelsstufen
wenn Petrus sagt: ich hab’s gelesen, so sprich:
und ich, ich bin von anfang an dabei gewesen

© 05.08.2018 brmu
1 ort der veranstaltung: Gärtnerei Grasland, Zievericher Mühle 4 in 50126 Bergheim

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Joan Baez in Köln

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© 03.08.2018 foto c.e.u: bauzaunfinale

Joan
nur bis zum bauzaun
hab‘ ich's geschafft
zu dieser folienwand
hoch aufgerafft wo
man grad noch kleckse
farbiger songs erhascht
ach, hab‘ wie damals im
jungsein genascht

doch die jahreskette
gib da mal gut acht
beschwert deine stimme
hat's 'was ausgemacht
dann wieder nach hause
dabei an dich gedacht
Baez

© 04.08.2018 brmu

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blutige tränen

JB Rotstengelschnittblattbild 310718

© 2018 Jutta Barth: blatt aus der serie „rot-schwarz-blatt“, bütten, 23 x 18 cm

blutig die spur der menschheit
durch wälder wiesen und felder
gebrochen was standhaft war
gespalten was haltbar war
befleckt was einst schöner war
blutig was ohne menschlichkeit

© 02.08.2018 brmu

1 Jutta Barth

natura percepita – Bilder und Objekte

aus dem flyer: Jutta Barth stellt ihre arbeiten unter das motto »natura percepita«. wahrnehmung ist abhängig von natürlichen prozessen, gleichzeitig ein beziehungsgeschehen, begleitet von gefühlen, zensuren, vorstellungen und gespeist von erfahrungen.

ausstellung vom 19. 8. 2018 bis 23. 9. 2018 / vernissage 18. August 2018, 17.00 Uhr
kunst am bahnhof bad saarow e.v. / Bahnhofsplatz 4 a in 15526 Bad Saarow

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Lyrik in Köln

Lyrik B
faltblatt der Initiative „Lyrik für Köln

lyrik für Köln und umgebung

lyrik
spür ick
ganz dick
mit schmerz
im herz -
ach, scherz
bei zeiten

lyrek
so keck
als leck
im hier
bei mir -
so schier
die pleiten

lyrak
geht ab
ganz satt
als schwenk
ich denk -
ach, schenk
mal reisen

lyrok
im kopp
mit rock
als kilt
macht wild -
ein bild
zu weiten

lyruk
im druck
ein schmuck
nicht karg
oft stark -
auch quark
auf seiten

© 02.08.2018 brmu

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Kutsch in allen ehren

Kutsch EMR Lesung 180127

© 27.01.2018 foto brmu: M.H. Freude im Gespräch mit Axel Kutsch

der karneval lauerte bunt befrackt vor der tür des Hauses Löwenstein am Markt in Aachen. das getöne und gedröhne hat ein gutes halbes hundert lyrik-begeisterter aber nicht abgehalten, die ehrwürdigen hallen zu betreten und der veranstaltung des Literaturbüros Euregio Maas-Rhein (EMR) zu folgen.

geehrt wurde Axel Kutsch, ex-bürger von Aachen und jetzt wohnhaft in Bergheim, seines zeichens lyriker und passionierter anthologist für lyrik aus erster hand, jenseits des etablierten literaturbetriebes. neben seinen zahlreichen veröffentlichungen ist sein aktuelles, erfolgreiches konzept namens „Versnetze“, von dem litbiss berichtete, bereits zu zehn bänden angewaschsen.

dieser anlass bewog die EMR zu einer jubiläumsveranstaltung am 27. Januar d. j. einzuladen. das foto zeigt den moderator Manfred H. Freude (stehend) im gespräch mit Axel Kutsch. bevor es in medias res geht, werden lebensdaten und vorstellungen über das schreiben von lyrik ausgetauscht. Dann kommt Kutsch als erster zu worte und präsentiert uns gekonnt drei gedichte. von zeitloser präsenz aus Versnetze_zwei1 sei dieses mit erlaubnis des autors zitiert:

Als wir noch Könige hatten

Früher hatten auch wir Könige.
Sie standen zeitig auf,
um uns das Frühstück zu machen.
Danach putzten sie die Fußböden
unserer Paläste.
Mittags und abends trugen sie
in devoter Haltung die Speisen auf.
Sie trieben das Wild zusammen,
damit wir leichtes Spiel bei der Jagd hatten.
Manchmal steckten wir sie
aus nichtigem Anlaß in den Kerker.
Ihr Flehen und Jammern
konnte uns nicht erweichen.
Wenn das Land uns zu klein wurde,
schickten wir sie in den Krieg.
Sie waren immer für uns da.
Unsere Teller waren stets gut gefüllt,
auch wenn sie Hunger litten.
Wir trauern diesen Zeiten nach.
Wir vermissen unsere Könige.
Nicht mal der Pizzabote
kann sie uns ersetzen.

es folgen 14 autorinnen und autoren aus dem umfeld des Literaturbüros EMR, die sich in unterschiedlichem maße der lyrik verschrieben haben. ihnen ist gemeinsam, dass sie sich herzlich bei Kutsch für die tatsache bedanken, als lyrikfische in seine versnetze gefangen worden zu sein und dadurch eine gute chance der beteiligung am öffentlichen diskurs über lyrik erhalten zu haben. lyrik sei eine nischenkunst, meint Christoph Leisten als einer der vortragenden, in der die vernetzung wie in der versnetzereihe zwischen anerkanntem und neuem im mittelpunkt steht.

spontan szenischen applaus erhielt Jürgen Egyptien für sein gedicht „Hippie-end“ (VN7, 140), mit seiner subtilen erinnerung an vergangene alt-68er-zeiten: ,,, / Jerrys Zeit ist bald herum / er krümelt Shit in seinen Drum / süß umweht ihn der Afghane / hisst die weiße Geisterfahne / abends sinkt er stoned ins Bett / wartet auf den Greateful Dead.

Christoph Danne erzeugt resonanz bei den älteren im publikum mit seinem gedicht „müllers kuh“ (VN10, 118) „… /  fummeln wir an den etiketten der bierflaschen / bässe wummern in unseren bäuchen / und man denkt was / für ein weg bis hierher …“.

Sabine Schiffner gemahnt in ihrem gedicht „schreibschreib“ (VN8, 139) an den subtilen schreibprozess im augenblick der anschauung: mit unverständnis darauf reagiert die eine hand / und fasst mir an den kopf / während die andere fleißig / weiterschreibt. erfassen der welt, diese magisch abzubilden, das ist die kunst der lyrik, die resonanz bei der sensiblen leserschaft erzeugt.

diese drei nur angerissenen beispiele seien stellvertretend für alle genannt.
nur selbst dabei sein ist alles und gibt den vollen genuß.

© 28.01.2018 brmu
1 Axel Kutsch, Vernetze_zwei Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart, Verlag Ralf Liebe 2009, s.182; abkürzung für Versnetze (VN, gefolgt von band-nr. und seitenzahl)

Hinweis: Der WDR5 hat Versnetze_zehn ebenfalls gewürdigt!

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Zindler zündet lyrisch

„Schneide auf kurzes Maß
Zukunftshoffnung zurück.“

Nur ist das Jetzt kein Fixpunkt (panta rhei).
Dazu gehört der Vorhof der Erinnerung
und das Zeitfenster in die Zukunft.
Durch dieses Fenster soll man nur mit Zuversicht sehen!

© 25.12.2017 Theo Zindler, Carpe diem

 

Theo Zindler, mitglied des Montessori-schulteams in Kassel und autor, meint im litbiss-interview1:

als literat möchte ich in meinen texten das bewusstsein des daseins und des menschlichen miteinanders wach halten.

motive gibt es viele, besonders interessieren mich motive spontanen erlebens, die zur „punktuellen Zündung der Welt im lyrischen Subjekt2“ (F. Th. Vischer) beitragen.

dabei hatte ich immer den anspruch an mich, die spannungen des lebens auszuhalten im sinne Heraklits: „Des Widerspenstigen Fügung wie bei Bogen und Leier“.

meine bücher konzipiere ich nahe dem lateinischen, weil es wie eine feierliche türe in die gesamte antike als beginn von philosophie und europäischem denken führt.

das schreiben hat für mich persönlich einerseits den gewinn, etwas durch gestaltung in form und sprache „bewältigt“ zu haben,

es hat aber auch andererseits die möglichkeit, erfahrungen für andere wieder zu öffnen und für einen neuanfang.

mein lieblingsthema ist, mich als einen minimalen teil der menschheitsgeschichte auf dieser welt zu begreifen.

aktuell arbeite ich gerade an weiteren lyrischen gedichten und an gedanken zu einem „Leben ohne Gott“.

wenn sie meine texte lesen, wünsche ich mir produktive aneignung, die das geschriebene zu jeweils neuem leben weckt.

über mich finden sie in der welt der literatur ein immer währendes gespräch mit autoren der vergangenheit.

ich engagiere mich in organisationen wie Amnesty International und Humanistische Union, weil es in politik und gesellschaft darauf ankommt, eine kultur des humanen zusammenlebens aufrecht zu erhalten.

mir ist besonders wichtig, dass unsere welt nicht wieder in nationalen egoismus und in „glaubenskriege“ zurückfällt.

© 04.01.2018 brmu
1 lückentextinterview mit Theo Zindler, im schrädruck seine ergänzungen.
2 Friedrich Theodor Vischer, Aesthetik oder Wissenschaft des Schönen, Teil 3 (1846)

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Löffler auf dem weg

KL Portrait Camino 2011

© 09.05.2011 Kay Löffler, Camino-Tripp

der autor Kay Löffler im interview1 mit litbiss.de anlässlich seines neuen buches „Die den Weg fanden – Geschichten über den Jakobsweg“ (s. auch „buch“ auf diesem blog).

als literat der region reizt mich die möglichkeit, mit meinen eigenen büchern die region verlassen zu können, mich immer wieder anderen themen zu widmen, die auch durchaus mal nichts mit der region zu tun haben.

mein literarisches lieblingsthema ist das leben, auf die eine oder andere art.

als sammler von texten, wie jüngst über den Jakobsweg, bin ich stets daran interessiert, nicht dem üblichen literarischen mainstream zu verfallen.

bei beiden aktivitäten habe ich stets den anspruch, das bestmögliche zu erreichenund werde diesem anspruch doch nie gerecht.

die sammlung „Die den Weg fanden“ habe ich konzipiert, weil es so viel ausgeleierte literatur über den Jakobsweg gibt, dass es zeit für etwas anderes wurde.

das auffinden dieser texte war für mich persönlich einerseits sehr nervig und frustrierend,

es hat aber auch andererseits zu sehr netten kontakten geführt und gezeigt, dass andere menschen meine ausdauer zu schätzen wissen.

bei der lektüre meiner bücher wünsche ich ihnen gefühl. fühlen sie etwas neues oder entdecken sie alte gefühle wieder. oder entwickeln sie verständnis für die gefühle anderer.

über mich finden sie im literaturbetrieb relativ wenig, da ich nie den weg in den etablierten literaturbetrieb gegangen bin.

ich engagiere mich in autorenkreisen, weil literatur ein wichtiger bestandteil meines lebens ist. nur dort bin ich unter gleichgesinnten.

aktuell mache ich gerade eine schreibpause. nischenliteratur wird nicht am laufenden band gefertigt. und den druck früherer jahrzehnte, schreiben zu müssen, habe ich erfolgreich abgebaut.

zum abschluss ist mir noch wichtig zu sagen, dass wenn man bücher abseits des mainstreams sucht, wird der weg zur unabhängigen buchhandlungen an der ecke empfohlen, wo der kunde noch etwas zählt. zur not schaue man in das internet abseits der ausgetretenen pfade, denn dort gibt es noch die chance, die literaturszene abseits des etablierten literaturbetriebes zu finden.

© 02.01.2018 brmu
1lückentextinterview vom 23.12.2017.

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