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Böll-Preis an Juli Zeh

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© 2019 foto brmu: Juli Zeh (sitzend) trägt sich in Anwesenheit der OB H. Reker (stehend) ins Buch der Stadt Köln ein.

Es ist der Stadt Köln hoch anzurechnen, dass sie in der anhaltenden 1.FC-Depression und beginnendem Karnevalstrubel auch noch an Kultur denkt: mit dem Heinrich-Böll-Preis. Er wurde am 8.11.2019 im Alten Rathaus zu Köln der Schriftstellerin Juli Zeh verliehen.

Vom Literaturhaus Köln eingeladen, hatten wir die Freude, der Verleihung im Publikum beiwohnen zu können. Böll ist eher nur noch den Ergrauten gut bekannt, entsprechend wogte und leuchtete das Publikum in Schlohweiß auf den Köpfen. Umso wichtiger ist es, das Anliegen Heinrich Bölls als politischen Autor aus den Anfangsjahren der Bundesrepublik Deutschland wachzuhalten und weiterzugeben.

Frau Oberbürgermeisterin Henriette Reker wies auf die Wurzel des Preises in ihrer einführenden Rede hin und betonte, sie teile mit der Preisträgerin die Überzeugung, dass es Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit politischem Impetus brauche. Und deshalb brauche man eben auch Juli Zeh als politische Autorin, Journalistin, engagiere Bürgerin. Die Entscheidung, ihr den Preis in diesem Jahr 2019 zu verleihen, sei einstimmig erfolgt.

Burkhard Spinnen ergriff das lange Wort in seiner Laudatio und ließ seine Bekanntschaft mit Juli Zeh durchblicken, einmal als Gastdozent am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und andermal als ihr Lektor. Er meinte, mit Juli Zeh an ihren Texten zu arbeiten, das sei ein pures Vergnügen gewesen und er wünschte sich von ihr zum Schluss, dass du genauso bleibst, wie du bis heute warst und bist. Wir alle brauchen Autoren wie dich, die mit der Stärke ihrer Persönlichkeit und der Kraft ihres Ausdrucks gegen den Unsinn ankämpfen, der die Welt zu überschwemmen droht.

Nach dem hochgewachsenen Spinnen trat die zierliche Juli Zeh hinter das Rednerpult. Und sofort wurde klar: eine würdige Preisträgerin. Ihre Rede rüttelte heftig an den Toren der Selbstgefälligkeit so mancher Schreibenden in dem professionellen Literaturbetrieb. Auf den Punkt gebracht: Literatur und zu einem gewissen Grade auch die Literaten selbst sind Zeitgeist-Seismographen. Ob die Autoren wollen oder nicht – in ihrem Denken, Reden und Schreiben scheint immer auch eine verdichtete Form von kollektiver Befindlichkeit auf. … Jedes Stück Literatur, …, spiegelt die gesellschaftlichen Bedingungen wider, unter denen es entstanden ist. Literatur handelt vom Mensch-Sein, und das Menschliche ist stets kulturell, also auch historisch, sozial und politisch bedingt. Schriftsteller besitzen eine besondere Sensibilität zur Wahrnehmung ihrer Umgebung – sonst hätten sie nichts, worüber sie schreiben könnten, und müssten sich einen anderen Beruf aussuchen.

So ist es! C’est ça! That’s it!

© 12.11.2019 brmu
Quellen: Die Rede von OB Fr. H. Reker, Laudation von Burkhard Spinnen, Dankesrede Juli Zeh

 

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