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Hoppe, hoppe heiter ...

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© 8.2.2019 foto brmu: Felicitas Hoppe im gespräch mit Antje Arnold

Hoppe, hoppe heiter,
wenn sie schreibt,
dann weiter.
füllt schön auf mit gaben,
was sie schreibt in tagen,
schwebt so auf mit trumpf:
macht der leser plumpf. 1

genau! literatur ist fiktion! das wird an diesem abend im Brühler „margaretaS“ einmal mehr eindringlich bezeugt von Felicitas Hoppe. sie erfreute uns auf einladung der Buchhandlung Karola Brockmann mit ihrer anwesenheit im gespräch mit Antje Arnold, einer guten bekannten, die ihr so manches statement entlocken konnte.

in dem erfreulich gelösten gespräch bekundete die schriftstellerin denn auch, dass es nichts realistischeres gäbe als märchen. nach meinung der autorin beinhalten märchen also prinzipien, die zu allen zeiten typische lebenssituationen spiegeln und regen daher zu reflektionen auf seiten der leser/innen an. märchen sind folglich keineswegs nur kindersache.

das ist eine hilfreiche leseanleitung für ihre geschichten, die in ihren büchern oftmals überraschend das märchenhafte streifen, in der lateinamerikanischen literatur „magischer realismus“ genannt. belegt wird das durch eine lesung aus ihrem neuen buch „Prawda“, in dem die autorin eine historische reise in den 30er jahren des letzten jahrhunderts zweier sowjetischer journalisten nachzeichnet.

mitten in einem tornado im "Mittleren Westen der USA", statt sich in den keller zu flüchten, öffnet die protagonistin das dachfenster, krabbelt auf das dach und entschwindet im sturm, sieht die welt von oben – und berichtet darüber. eine erfrischende melange aus auktorialer, ich- und märchenerzählerin.

dabei versäumt Hoppe es keineswegs, uns heutigen so nebenbei die eine oder andere klatsche zu verpassen. es drängt sich mir der begriff dystopie auf. die sucht nach strom zur angeblichen vervollständigung des menschen, der „neue mensch“ als ideal. und dann das: er wird ohne mängel sein. wohlan: ohne kreativität, die ja heute noch existiert als ausdruck der suche nach vollkommenheit. keine kunst, keine literatur, keine individualität mehr.

schauderhaft. stimmt die welt in den märchen schon nachdenklich, so unsere heutige erst recht. die großen resonanzflächen der alltäglichen unvollkommenheiten sind denn auch der grund zu behaupten, dass märchen uns spiegeln, wenn auch in einer metaphernbeladenen sprache, die entschlüsselt werden will.

das bild des letzten menschen, des perfekt zum algorithmus gewordenen menschen im totalen computersystems hat Miriam Meckel in ihrem roman „Next“ erschreckend illustriert. Felicitas Hoppes bücher werden ab sofort in meinem Regal neben dieser dystopie stehen.

© 11.02.2019 brmu
1 nach dem kinderlied: hoppe, hoppe reiter ...

 

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