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Robertz slampoesie

Lilian Robertz, frisch gekürte abiturientin, hat schon in der schule ihre vorliebe für das reflexive schreiben entdeckt. ihre gedanken, gefühle und erlebnisse verpackt sie in der modernen form des poetry slam. das folgende beispiel skizziert den erlebnishorizont, der sich bei einem konzert auftut. gefühle zu beschreiben, das ist ein ureigenes anliegen von lyrik, gleich welcher form. als leser/in will man gerne eine resonanz dazu aufbauen.

 

Die Leute laut,
Die Bühne mit Absperrungen zugebaut,
Das Licht geht aus,
Dann halten wir alle im übertragenden Sinne die Luft an,
Und rücken alle ein oder zwei Schritte näher an die Bühne heran.

Wenn der Takt der Musik beginnt,
Und die Zeit unfassbar langsam durch deine Hände rinnt,
Wenn eine Atmosphäre sich langsam aufbaut,
So wie die Musik es langsam tut,
Dann ist es mit einem Schlag Laut.
Toben, Schreien, Jubeln, Weinen,
Schweres Stehen auf wackeligen Beinen,
Und man ist sich plötzlich mit der Welt im reinen.

Denn alles was außerhalb dieses Raumes passiert,
Ja, du merkst wie es an Wert verliert,
Dein Körper wirkt wie leer gefegt,
Den Kopf in den Nacken gelegt,
Versucht du zu realisieren was hier eigentlich abgeht,
Und du fühlst jede Strophe,
Auch wenn man nur die Hälfte vom Text versteht.

Plötzlich ist es egal, wann du deine Termine hast,
Und ob du die nächste Prüfung schaffst,
Oder das nächste Thema im Lehrplan deines Lebens raffst.

Die bunten Lichter nehmen dich an die Hand,
Und das mitsingen zum Lied legt sich um deine Wunden wie ein Verband,
Das Vibrieren im Boden bringt dich zum abheben und
Zwischen all den Leuten denkst du fast,
Du könntest schweben.

Durch das Schütteln deines Körpers zur Musik,
Verlierst du all die Gewichte auf deinen Schultern.
Und fühlst dich plötzlich körperlich stark genug, um sie mit dem kleinen Finger aufzuheben und aus deinem Leben zu schmeißen,
Und mental bist du stark genug, um sie einfach wegzuzaubern.

Und all diese Beschreibungen reichen nicht mal ansatzweise aus um das Gefühl und die Euphorie zu beschreiben, die du fühlst, wenn du mit der Menschenmenge, der Musik und dem Artist zu einem Konzert wirst.

Denn es sind viel mehr als die, die auf der Bühne stehen,
Es sind Du, Ich, das Klatschen, das Gegröle, das Pfeifen, bei dem ich mich bis heute frage, wie man so ein Geräusch erzeugt,
Der Schweiß, die Ellbogen, die dich ab und zu mal streifen,
Und die Arme, die nach vorne zum Act greifen, der unantastbar ist, aber irgendwie auch in der Luft liegt,
Der es ganz leicht macht, dass das Gefühl der Nähe die Distanz überwiegt.

Und auch nach dem das Licht wieder aus ist,
Und du trotz des Gemurmels der Menschen von Stille umgeben bist,
Ist dein Puls noch auf 180,
Und du wünschst dir, das Gefühl verginge nie,
Auch nicht mit 80.

Du würdest am liebsten auf Reverse drücken,
Einfach zurückspulen,
Alles auf Anfang pulen.
Bist irgendwie berauscht, abhängig,
Du wünschtest das Gefühl wäre normal, gängig.
Fühlst dich so, als wärst du süchtig und
Das alles hier wären die Drogen,
Und zu sagen, du fändest das nicht absolut geil,
Komm schon, wir wissen beide, das wäre gelogen.

© 2019 Lilian Robertz
mit erlaubnis (18.9.2019) der Autorin veröffentlicht

 

Kommentare 3

Gäste - Cecelia Ribbeck am Mittwoch, 18. September 2019 12:00

Pures heroin in meinen Ohren⯑ ein Naturtalent von dem man einfach mehr hören möchte. Ein Mensch von dem man Geschichten und slams hören will, bis man einschläft

Pures heroin in meinen Ohren⯑ ein Naturtalent von dem man einfach mehr hören möchte. Ein Mensch von dem man Geschichten und slams hören will, bis man einschläft
Gäste - Janik am Mittwoch, 18. September 2019 19:27

Sahniger Slam, besser als mit dieser Alliteration lässt sich das nicht beschreiben, freue mich schon auf einen neuen!⯑

Sahniger Slam, besser als mit dieser Alliteration lässt sich das nicht beschreiben, freue mich schon auf einen neuen!⯑
Gäste - Laurin Klerx am Mittwoch, 18. September 2019 20:17

Richtig gut! Vor allem kann man das lesen, egal wann und wo man gerade ist!! Es ist einfach immer interessant und spannend, das zu lesen, weil man es ja so auch noch gar nicht richtig kennt! Es ist halt anders!
Und die Autorin hat natürlich ein totales Talent in dem was sie macht und auch noch so viel Potential…!!!

Richtig gut! Vor allem kann man das lesen, egal wann und wo man gerade ist!! Es ist einfach immer interessant und spannend, das zu lesen, weil man es ja so auch noch gar nicht richtig kennt! Es ist halt anders! Und die Autorin hat natürlich ein totales Talent in dem was sie macht und auch noch so viel Potential…!!!
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Freitag, 10. April 2020

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