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taubfichte

taube nüsse
tumbe tauben
musenküsse
auf die augen

und die fichte
längst ist sie tot
in dem lichte
bald aus dem lot

krähe drüber
kurvt die kreisel
wartet lieber
auf die geisel

die als erste
eier legen
nicht das schwerste
zu zerlegen

so ist der blick
in totfichten
ein kleiner kick
nachzudenken

und die moral
von der geschicht‘
geh‘ hin zur wahl
ist von gewicht

denn wer nicht wählt
den tauben gleicht
wo keine zählt
auf totholz leicht

© 28.9.2020 brmu

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ach, lesen

das komma dort im text läuft
davon dir ab zum blattrand
start in die welt nicht
wie du sie dir zusammen
zimmerst und die hand
verpasst das treffen der
weil der text von dannen fliegt

© 22.08.2020 brmu

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hitze

kühle streift durchs haus
auf wirbeligen sohlen
papier hebt und senkt
sich knisternd auf dem beitisch
staub rennt mäusegleich
gräulich unters bett darauf
man liegen könnte
wär‘ die hitz‘ nicht gewesen
diese von außen

© 02.08.2020 brmu

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mal sehen

mal sehen was es so wird
das lyrische an sich und
überm haupt im großen
ganzen die sprachmelodie
mit bedeutungsschaliger
raffinesse der zeilen
sprünge in die resonanz
im lesenden hörerhirn

© 21.07.2020 brmu

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rippdipp

jetzt aber mal ein gedicht aus der rippe
gestürzt ins weiße der tinte direkt aus
dem drucker hinaus geworfen zu füßen

vor der scheibe fließt es auch in fäden, die
zu klimatexten verspritzen und alles dann
ab in den teich zu lurch und fisch und larven

der libellen, die sich aber nur wundern und
angeblich ja gar nichts tun können gegen
den stau in den hirnen des homos tumbiens

von füßen zum herzen zum hirn gestiegen
das nennen wir erkenntnisorgien im all
offene weite unser aller möglichkeiten

© 16.07.2020 brmu

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neu ist anders

würge diese bücher
bis die wörter flutschen
umgewälze muss sein
tauche die feder ein
und ziehe die leine
deiner strengen sätze
ins neuarrangement
and‘re finden den sinn

© 04.07.2020 brmu

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pups im winde

wenn ich so sitze
und das innerste nach
außen drängelt
oben rein unten raus
ist alles andere nur
schein zu einem sein das
wir dann welten nennen -
pups in den wind einer
gleichgültigkeit des
stets unverstandenen

© 24.06.2020 brmu

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windige sache

viel wind wird oftmals nicht gemacht
rasch etwas in position gebracht
bevor ein andrer wind könnt‘ wehen
von denen, die es windig sehen
denn wind von jener sach‘ bekommen
das würde andern gar nicht frommen

eh sich aus dem fenster lehnen
lieber wind aus segeln nehmen
auf dass nichts in den wind geschlagen
was man mühsam aufgetragen
oder in den wind geschrieben
was doch besser da geblieben

in alle winde sich‘s verweht
ganz wie ein pups im wind vergeht
wenn viel wind um nichts gemacht
wer hart am winde segelt, lacht
denn zehn meilen gegen den wind
merkt man‘s doch, ob einer spinnt

mantel nach dem winde hängen
würd‘ so manchen arg bedrängen
und: wer wind sät erntet sturm
da rettet auch kein babelturm
besser hart am winde segeln
und beachten: anstandsregeln

und die moral von diesem wind
schrieb auf papier, das festgepinnt

© 18.06.2020 brmu

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denken

es gibt eine abstimmung
mit den klicks:
zeigt unser meinen

es gibt eine abstimmung
mit den füßen:
zeigt unser lassen

es gibt eine abstimmung
mit dem wahlzettel:
zeigt unser wollen

klicke, füße, zettel
diese drei, aber
ändern sie‘s leben

es gibt wenig besinnung
mit den hirnen:
wär‘ unser denken

© 17.06.2020 brmu

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perpetuum narrare

der wörter gewiss
der sätze mächtig
wird text geholt
aus immer gleichem
kann ein neues werden

© 07.06.2020 brmu

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grenze nichts abhält

nach tagen der grellen kraft
grautuch über den köpfen
ohne dröppelsaft

bodennah alles umhüllt
spitz ragen grüne messer
besser nicht gefühlt

die lavasteine trotzen
sind schließlich aus dem inneren
 im kreis am klotzen

dazwischen eine schneespur
wie hummelsummend umquirlt
nicht die dünnen nur

im busch verankert das nest
von vogelingenieuren
 schön rundlich und fest

drei der schnäbel fordern frohn
pendelverkehr im fluge
giergepiepse ist der lohn

da zerreißt dich wieder krach
fräsender rasenmäher
von der hecke jenseits, ach

jeder fußt auf seiner welt
einzig wahre illusion
unterm sternenzelt

dumm nur als grenzbewohner
du erlebst die and‘re mit
ganz ohne schoner

© 20.04.2020 brmu

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gastgedicht aus langweile

Geburt der Langeweile:

Wär ich bisschen fußballspiel
Wär ich bisschen herdentier
Wär ich bisschen superdry
Wär ich bisschen shopperei

Wär ich bisschen ja, ok
Wär ich bisschen reihenhaus
Wär ich bisschen große Glotze
Wär ich bisschen grinsekatze

Wär ich bisschen knöchelfrei
Wär ich bisschen röhrenjeans
Wär ich bisschen instagramm
Wär ich bisschen tinder-man

Wär ich bisschen wie du willst
Wär ich bisschen wenig denken
Wär ich bisschen leichtes Spiel
Wär ich bisschen kein Profil

© 06.04.2020 Thomas Ulbrich

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Corona-Dipp

Corona ist doch nur ‘ne kugel
mit paar stacheln dran

wie? trotzdem lieber nicht im rudel
jetzt die straße lang

jenseits gedöns und allem trubel
lies paar seiten stramm
dadurch wirst‘ ‘ne schlaue nudel
die was raffen kann

© 24.03.2020 brmu

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anno nano

unterm rasen noch der matsch
umwölkt von stachelfliegern
hin und her und rein ins bunte
weißgeltblau und lilameer
suchen alle neues leben

darin du sitzt mit altem sein
im hier und jetzt randvoll
erinnerungskapriolen
und volten deines werdens
du meinst: so ist das leben

wer fragt: ach, weißt du noch
damals als mein erster brief
ein freudig‘s lächeln schuf
bald darauf dein erster kuss
uns durch den leib gefahren
in anno nano, so ist leben

© 18.03.2020 brmu

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... und täglich grüßt coronavir

wie alles schnell zerfallen kann
denn evolution ist immer am start
paar neue ärmchen auf ‘ner kugel
und schon ist der störenfried da

Coronavirus mit namen
vom stamme Sars-Cov-2
kuschelig Covid-19 genannt
aber vorsicht, der spielt nicht nur

mit den schwachen ur-alten
mit den recht kranken alten
krank an lunge und blutsystem
und was sonst noch schwächt

der tötet ohn‘ ansehn der person
einfach so, nur weil kontakt gehabt
drum weg mit den gepflogenheiten
wie händeschlag und küssken geben

keine mengen und massen mehr
da lauert er scheel im gewühle
und häufiges händewaschen,
falls du weißt, wie‘s richtig geht

husten, prusten nur in armbeugen
und rotze ab in‘s taschentuch
und klinken putz‘ mit desinfekt
das, was immer so sein sollte

jetzt nur noch mehr und mehr
und kein treffen mit den kindern
groß und klein, und den enkelchen
ausfällt auch die öffentlichkeit

in den vereinen, schulen, kitas,
bistros, kneipen, restaurants
konzerte, theater, kinos und
was sonst noch war so schön

jetzt sind wir in vier wänden
tür zu, so auf uns selbst gestellt
und alle handys laufen heiß
wottsäppen wird uns retten

© 13.03.2020 brmu

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memento amore

schädel rund, so
widerständig gegen den zerfall
liegt er weiß im sand

DU aber bist lebendig
ICH darf bei dir sein

mathe sagt: ganz unwahrscheinlich
lass es uns genießen
zug um zug, tag für tag
bis dass der sand uns rieselt

© 24.01.2020 brmu

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