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specht am toten holze

der specht im baum
hackt laut an totem holze
warmes blau darüber
aus unserer menschenzeit

ich muss euch sagen
es umnachtet uns sehr
allüberall von ego-suvern
die gülden lichtlein blitzen

und droben singt der himmelschor
darinnen kommt das klima vor
und ein kränkelnder tann

da schrie es mich gar schrille an:
idiot, rief es, dummer gesell‘
wozu dies großkotzig‘ gestell
die wälder fangen zu brennen an
höllentor ist euch aufgetan

alt und jung bekommt es nun
heftig mit der hitz' zu tun
und kein werfen weißer bälle
kein schlitten steil im gefälle

ich muss euch klagen
er fehlt mir sehr
der winter ohne weihegedöns

nun fragt: auf der erden heut
sind’s gute leut‘, sind’s böse leut

der mensch vom baum
sägt laut am dünnen aste
darauf er hockt noch
in seiner schwellenzeit

© 21.12.2019 brmu
nach Theodor Storm’s Gedicht: Knecht Ruprecht
"Schwellenzeit" aus Lukas Bärfuss: Hagard, btb71669, Seite 19

 

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