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übertünchen

was für eine schlimmer finger
ist doch dieser Gomringer
der dichtet damals sachen
die heut’gen ängste machen
von einem admirador
frauen liehen ihm ihr ohr

facebook und twitter dagegen:
voll schmutztiraden, kein segen
für wohlgefälligen anstand
leider nicht an einer hauswand
sonst könnte man gleich obwalten
statt übertünchen: abschalten!

© 04.02.2018 brmu

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von oben herab

himmelskühe milchen wieder
schön locker flockig auf das dach
aus nordnordost da kommt das weh’n
schnell alles wieder aufgeleckt
vielleicht von falscher jahreszeit

© 04.02.2018 brmu

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mene, mene, tekel

a
a + f
f
f + m
a
a + m
a + f + m
a + f + m = u-parsin

© 24.01.2018 brmu
anregung nach Eugen Gomringers gedicht „ciudad“, KSTA v. 24.1.2018 und Die Zeit, Feuilleton, Thomas Assheuer, Die Putztruppe von Hellersdorf;erstveröffentlichung: Eugen Gomringer, konstellationen, spiral press 1953

„Das Gedichtobjekt ist seit 2011 an der Fassade der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin-Hellersdorf zu sehen. Gomringer hat sich damit bei der ASH für den Alice Salomon Poetik Preis bedankt.“ (Der Tagesspiegel v. 23.1.2018)

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weniger oder mehr

wenn man was nicht mag,
dann ist einem weniger davon lieber.
1

wenn man was doch mag,
dann ist einem vielleicht mehr davon lieber.

wenn man nichts nicht mag,
dann ist einem irgendetwas doch lieber.

wenn man‘s nichts recht mag,
dann ist man tot.

© 17.01.2018 brmu
1 spruch von Hauke Jacobs (Hinnerk Schönemann ) im Krimi „Nord bei NordWest – Käpt’n Hook“, drehbuch: Holger Karsten Schmidt

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nochmal neujahr

im neuen jahr
jetzt alles klar
drechseln wir weiter an fiktionen
einscheinung, vision und utopie
schneller als gedacht zur dystopie
so mit schlagenden bataillonen
das ist doch klar
im jedem jahr

© 07.01.2018 brmu

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zwistmist

knatsch, krach und krisen
ach, was von diesen
treibt uns auf‘s ende zu

mal ist es zu viel
alle drei ins ziel:
wege trennen sich - nu

bist du nun schlauer
meid‘ diesen schauer
und wärme dich am du

© 31.12.2017 brmu

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... und ewig grüßt das neue jahr ...

langer reden kurzer sinn
fahrt mir f|eiernd doch dahin
kommt mir munter dann zurück
für des neuen jahres glück
sind wir dann enttäuscht total
testen wir‘s beim nächsten mal

© 31.12.2017/01.01.2018 brmu

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und ewig grüßt der weihnachtsmann

es hat kein‘ zweck
aller schnee bleibt weg
weihnacht nicht weiß
so ein schei|benkleis‘

der weihnachtsmann
auf dem ackerschlamm
schlitten steckt fest
vor dem weihnachtsfest

denn klima warm
zeh!oh!zweialarm
hilft kein bimmeln
im wolkenwimmeln

ein neuer kann
welt helfen ohn‘ pann:
menschentwurf
in der schleuderkurv‘

wunschreduktion
als neuer ton
auf töpferscheib‘
für den menschenleib‘

darin der geist
ist nimmer so dreist‘
das menschenmaß
soll gierigen spaß

fest verdrängen
in lebensengen
scheinbar verhext
sei immer respekt

und anstand auch
spontan aus dem bauch
wenn’s köpfchen brummt
der zorn sich vermummt

und ewig dann
grüßt der weihnachtsmann
bringt uns weiter
geschenke heiter

© 25.12.2017 brmu

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Rilke mal anders

es gibt so wunderheiße mächte
darin manch‘ ding recht mild erglimmt
da schimmert‘ manchem herrn absinth
man ihm von schroffen wirten brächte
in kannen aus dem wirtshausspind

breit wie im schlichten glühweinglaube
bereut, erscheinen schwur und mut
und bei den kerzen, absolut
bleibt ein herrenloser glaube:
findet diesen plunder gut

© 10.12.2017 brmu
persiflage nach R. M. Rilke, Erste Gedichte, Leipzig im Insel-Verlag MCMXX (1920). Kapitel Träumen, seite 81/82, Gedicht XXI Es gibt so wunderweiße Nächte

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Sankt Nik' nach haus

Sankt Niklas war ich heut' - juchee!
die kinder waren lieb wie eh'
und je|des kriegt ein strümpfchen voll
das fanden alle richtig toll
sie sangen noch den dank im braus
Sankt Nik', der ging beschwingt nach haus

© 06.12.2017 brmu

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rentnergerecht

nun ist er auch gepflastert der
vorgarten vis-à-vis wie jener
nebenan, auf dem nun autos steh’n
in reih‘ und glied auf wackerstein

wie die weißkieselwüste paar
häuser weiter zentral mit einem
großstein aus der jüngsten eiszeit
über den ein wässerchen fließt

wie bei nachbars gegenüber ein
kreis im tristen pflastermuster darauf
der rindenmulch als häuflein liegt
kein grün sich da durchkämpft

alle bejammern den tod der insekten
denen der lebensraum fehlt und die
vögel, denen der insektenschmaus fehlt
die andern sind schuld – wir nicht

© 27.10.2017 brmu

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herbstfinale

bäume wachsen auf gen himmel
thronen mit der krone vogellieb

wenn man sie hübsch lange lässt und
nachbarn mit dem blattlosfimmel
über sich ergehen lässt und
hingebungsvoll die straße fegt
bis kein blatt sich sehen lässt und
müd‘ den besen zur seite legt

herbstlaub den igelbau abgibt
träume wachsen auch im himmel

© 26.10.2017 brmu

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dat es all' fott

kein feste burg! dat es all‘ fott,
üvverall wehr und waffen.
nix hilft uns, frei ist aller tod,
der uns hetz' wie besoffen.

das alt-böse greint,
mit ernst es aufscheint;
es lacht mit viel list
fein showkram brütet mist,
oh merd' - nix es seinsgleichen.

© 19.10.2017 brmu
nach: Martin Luther, Kirchenlied: Ein feste Burg ist unser Gott, (1529?)

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schau ins traumland:

ausland
gastland
gauland
kulturland
sauland
stammland
vatterland

© 2017 brmu

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rechteseite

Wenn es wahr ist,
was ist schon wahr in dieser welt
dass an Gottes rechter Seite
wer aber steht sonst bei ihm
sein Liebling steht,
liebling in der revolte
bei allem, was er tut,
er tut nicht, ruht in sich
was er pflanzt und segnet,
heute segen morgen regen
wenn das wahr ist,
oh zweifel sind angebracht
so hör die Schritte,
du aber hörst deinen herzeschlag
die kleinen, die großen,
herzrhythmusstörungen vielleicht
das Trippeln und das Stampfen!
körpersprache legt dich bloß
Warte, bis sich deine Augen
und was ist mit den ohren
an die Dunkelheit gewöhnen!
menschheit im dunkel fürwahr
Und nun? Kannst du sie sehen?
trippelvernunft versus tumben hass
Kannst du die beiden sehen?
nur leuchtende raketen wie
glühende fingerhüte am himmel

© 03.10.2017 brmu
Zitat kursiv aus: Michael Köhlmeier, Das Mädchen mit dem Fingerhut, Hanser2016, seite 139

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fiktive fiktion

in der fiktion meines gartens
nichts ist wie ich’s erträume
lässt sich gut liegen so im

gedämpften sonnenschein

augen zu und durch denn
realität aus blech schroff
schrammt entlang doch

sperber rufen dich zurück

© 23.09.2017 brmu

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ohr am sessel

(Erna & Fritz in memoriam)

sein sessel ist leer, der
mit den großen ohren
kein grauer schopf
sanft schräg gelegt
die lehnen frei von
knorrigen händen
geformt in jahren harten
lebens voriger zeiten
kein blick, etwas wässrig
kein flotter spruch dazu
aus schmallippigem mund
er fehlt mir, der vater
und ich setze mich hinein
und höre mutters lachen
die schon vor ihm ging

© 07.09.2017 brmu

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menschenwelten

wenn ich so liege
in wogender sonnenflut
dümpelnd an teiches rand
nah der libellen flug
orientierung suchend
vier flügel im abglanz
blitzender reflektionen
dann bin ich allda
dann bin ich dort
wo ich stets sein wollte
einen schritt raus aus
der fiktion der welten
und die erzählung der
kondensstreifen am
ergrauenden himmel
werfe ich weit ab
stehe lächelnd auf
die sonne ist weg

© 06.09.2017 brmu

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die/der kunde

der angebliche kunde
zum verbraucher degradiert
läuft seine sucherrunde
supermarkt hat’s kalkuliert

© 24.08.2017 brmu

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hymne an C

mein ICH ist drinnen

meine EGO draußen

das SELBST umkreist beide

die allmählich reifen

weil DU impulse gibst

ohne dich werde ich

unfertig bleiben

 

© 10.08.2017 brmu

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pause machen

der dichter in der klause
macht ungern eine pause
wenn der flow in packt

ehe die blockade kommt
er je alles was ihm frommt
in den laptop hackt

die tasten klappern hastig
die texte werden lastig
plötzlich ist dann schluss

kommt nichts mehr aus den fingern
die augen heftig schlingern
auf des bildschirms stuss

löschen ist die rettung jetzt
kein verlag dich leider hetzt
bist ein no name nur

also fang von vorne an
und du schreibst dann irgendwann
lit‘ratura pur

© 09.08.2017 brmu

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Bohm entfaltet

die welt sei aus den fugen geraten
mitnichten, liebe nichten
keine fugen weit und breit
nie welche gewesen
einbildung ist keine bildung
alles ein blumenkohl der
immer weiter evolviert
aus impliziter ordnung
nichts, was sie zusammen hält

© 01.07.2017 brmu
David Bohm, Die implizite Ordnung, Dianus-Triakont Verlag 1985

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leseteppichtripp

schön, wie der leseteppich fliegt
über den brillenrand ungeschärft
der blick in welten weit hinab
bücher sind auch keine anker
derweil das haar im winde wallt
weiß vom alternden schädel

© 28.06.2017 brmu

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ich möchte ...

              mal wieder schönes dichten
reime und verse ästhetisch wichten
wie einst die alten es getan

doch schau‘ ich mir die welt so an
da find‘ ich schönes nur mit ach und krach
aber menschen, die milliardenfach

erlahmen will mein wille
resthoffnung nur in stille
des alterns und der ruhe –

wo sind jetzt meine schuhe

© 02.06.2017 brmu

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trampeltrump2

und nächtens grüßt der tweeter, schier
verrückt auf deinem tragaltar:
kein klimaschutz mit „covfefe
denn geheim ist alle tumbheit

lies einfach nur von hinten ‘rum
aus dem >efef< zieht man bilanz:
>varying operation costs<
als dealer groß, als denker klein

und wahr ist’s: sehr viel teu'rer kommt
der klimaschutz - so man ihn nicht
viel ernster nimmt, denn arroganz
plus ignoranz, die komm‘ zu fall

► im verlauf der nächsten tage ?

© 01.06.2017 brmu
zitate nach meldungen aus dem Kölner Stadt-Anzeiger vom 01.06.2017

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federnd der ball

(der einzigen)

einst spielten wir federball
küsse flogen hin und her
nun werfen wir die jahre all‘
sie werden uns schon schwer

doch klage soll nicht sein
das wäre gar nicht fair
du, mein jungbrunn‘ fein
läufst mir nimmer leer

© 26.03.2017 brmu

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again against

top down ein
phantom
buttom up ein
syndrom
make something
great again
and again
and against …

© 05.03.2017 brmu

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klittern mit twittern

lass‘ ihn raus
den twitter-furz
denn er ist so
herrlich kurz
brauchst auch nicht
zu denken
gar worte gut
zu lenken
alles scheint erlaubt
was anderen
den atem raubt

ach, post-faktisch
so nennt man
diesen mist
aus dem handy
hingepisst
wo‘s doch contra
heißen muss
dieser post fuck
tische stuss

bedenke
nach dem fakt
da stehst du nackt
für alle zeit im
#tweet-kostüm

© 04.03.2017 brmu

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keine pläne

hast du feine pläne
bist du noch ein kind
hast du deine pläne
bist du erwachsen
hast du eil’ge pläne
bist du im alter
hast du reine pläne
dann wär‘st du ein mönch

wahrlich, wenn ihr nicht
planlos werdet, dann …

© 04.03.2017 brmu

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rosen montag

eine rose ist
eine rose am montag ist
eine rose am montag im zug ist
eine rose am montag im zug im strauß -
aber bitte mit kamelle

so vergessen wir die delle
die uns ins gemüt geschlagen
bejubeln laut die mottowagen
worauf all‘ uns‘re ängste hocken
gebannt in puppen die uns schocken
rennen in die kneipe, ab zum wirt
bis der nubbel helle brennen wird

eine rose war
eine rose am montag war
eine rose am montag im zug war
eine rose am montag im zug im strauß -
leider ohne kamelle

© 27.02.2017 brmu

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jeck um 11:11

jet jeck simmer all
das is’n klarer fall
un jede jeck is anders
im winter wie sommers
drum loss de jeck elans
ein zeichen von toleranz
und im karnevaltrubel
wird’s klar: auf der kugel
der erde leben wir alle
wie in einer großen falle
auf gedeih und verderb
köbes, ‘n kölsch, aber derb

© 23.02.2017 brmu

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beste lebensregel

haut     -farbe
haar     -farbe
augen  -farbe
körper insgesamt:
völlig irrelevant

auf dein hirn, da kommt es an
wenn reingefurzt da einer hat
macht‘s dein ganzes denken platt
drum achte auf dein hirn recht gut
selber denken, das macht mut

© 16.02.2017 brmu

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das sein

absurd, dass etwas ist
denkst du
wenn nächtens du mal pisst

absurd, wenn’s nicht mehr ist
denkst du
wer wär‘, der es vermisst'

© 16.02.2017 brmu

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Valentin hat's verpennt

verschwiegen hast du deinen tag,
Valentin, du schlapper sack!
den gestern wir doch feiern sollten.
oh wie arg wurd‘ ich gescholten:

wo denn meine liebe bliebe,
ob’s mir wäre einerlei.
und es drohten wörterhiebe
aus der jahre allerlei.

wo nur waren meine sinne,
dass auf ihn ich hatt‘ gesetzt
mich zu erinnern, hier und jetzt?
er jedoch pennt vor sich hinne!

muss zur buß‘ gedichte schreiben,
bis sie wieder gut mir ist
in eintracht, ohne diesen zwist.
will lieben ohne leiden.

für Valentinstags heißen kuss
ich den tag mir merken muss.
geht sonst das ganze wieder los!
wo, kalender, bist du bloß?

© 15.02.2017 brmu

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natur im alten stile

wenn du machst die augen auf
und aus lüften fällt der schnee
sanft auf alles bunte drauf
dann monochrom ich seh‘
was eitel einstmals farbig war

doch frühling wird es schaffen
die welt uns zu beleben
und off’nen munds wir gaffen
farben sich erheben
zu meisterbildern wunderbar

© 11.02.2017 brmu

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trübnis

reiher auf dem schuppen
dach vollendet getarnt in
flutender trübnis wie
grau in grau zerflossen
die teiche versiegelt von
mürbem eise spiegellos

wo ist oben und unten
zu suchen in diesen so
kaltherzigen welten

© 23.01.2017 brmu

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trampeltrump1

es gab eine bewerbung
in anderen landen,
die mich sprachlos gemacht.

twittersprüch‘ in hirne geschlagen,
klauen in meinem herzen versenkt,
was ist das wirkliche leben?

menschen erniedrigen
und offiziöse lügen verbreiten:
kochrezept zukünftiger gewalt!

aus machtkalkül gehoben,
sickert in unser aller leben
primitiv die respektlosigkeit.

wir brauchen als damm
den prinzipientreuen teil
der presse wider das fluten.

denn die wahrheit tut weh!
take your broken heart
make it into art.

© 10.01.2017 brmu
unter verwendung einiger passagen (schrägdruck) der von Christian Bos übersetzten rede von Meryl Streep anlässlich der verleihung des Cecil B. DeMille Award im Golden Globe in New York (Kölner Stadt-Anzeiger vom 10.1.2017, the original speech in: The New York Times, Jan, 8, 2017)

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manchmal, wenn

ich schreibe, fürchte ich,
niemand könne lesen
und meine zehn finger
landen auf den tasten
formen texte, soweit
mein denken eben reicht
es ist mein einsames gefühl

© 09.01.2017 brmu
angeregt durch: Peter Stamm, Ungefähre Landschaft, Arche Verlag 2001, seite 169

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Epirrhema anders

müsst im lit’raturbetrachten
immer dies für wichtig achten:
nichts nur drinnen, nichts nur draußen;
denn was innen, scheint nach außen.
so begreifet ohne träumnis
eilig, offen das geheimnis.

freunde nicht des baren scheins,
nicht auch des ernsten spiels:
kein geschriebenes ist eins,
immer auch ein vieles.

© 08.01.2017brmu
J. W. Goethe: Gedichte – Ausgabe letzter Hand, Cotta, 1827, Gott und die Welt, gedicht „Epirrhema“ in anderem gewande

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