litbiss.de

trübnis

reiher auf dem schuppen
dach vollendet getarnt in
flutender trübnis wie
grau in grau zerflossen
die teiche versiegelt von
mürbem eise spiegellos

wo ist oben und unten
zu suchen in diesen so
kaltherzigen welten

© 23.01.2017 brmu

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trampeltrump1

es gab eine bewerbung
in anderen landen,
die mich sprachlos gemacht.

twittersprüch‘ in hirne geschlagen,
klauen in meinem herzen versenkt,
was ist das wirkliche leben?

menschen erniedrigen
und offiziöse lügen verbreiten:
kochrezept zukünftiger gewalt!

aus machtkalkül gehoben,
sickert in unser aller leben
primitiv die respektlosigkeit.

wir brauchen als damm
den prinzipientreuen teil
der presse wider das fluten.

denn die wahrheit tut weh!
take your broken heart
make it into art.

© 10.01.2017 brmu
unter verwendung einiger passagen (schrägdruck) der von Christian Bos übersetzten rede von Meryl Streep anlässlich der verleihung des Cecil B. DeMille Award im Golden Globe in New York (Kölner Stadt-Anzeiger vom 10.1.2017, the original speech in: The New York Times, Jan, 8, 2017)

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manchmal, wenn

ich schreibe, fürchte ich,
niemand könne lesen
und meine zehn finger
landen auf den tasten
formen texte, soweit
mein denken eben reicht
es ist mein einsames gefühl

© 09.01.2017 brmu
angeregt durch: Peter Stamm, Ungefähre Landschaft, Arche Verlag 2001, seite 169

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Epirrhema anders

müsst im lit’raturbetrachten
immer dies für wichtig achten:
nichts nur drinnen, nichts nur draußen;
denn was innen, scheint nach außen.
so begreifet ohne träumnis
eilig, offen das geheimnis.

freunde nicht des baren scheins,
nicht auch des ernsten spiels:
kein geschriebenes ist eins,
immer auch ein vieles.

© 08.01.2017brmu
J. W. Goethe: Gedichte – Ausgabe letzter Hand, Cotta, 1827, Gott und die Welt, gedicht „Epirrhema“ in anderem gewande

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