litbiss.de

pause machen

der dichter in der klause
macht ungern eine pause
wenn der flow in packt

ehe die blockade kommt
er je alles was ihm frommt
in den laptop hackt

die tasten klappern hastig
die texte werden lastig
plötzlich ist dann schluss

kommt nichts mehr aus den fingern
die augen heftig schlingern
auf des bildschirms stuss

löschen ist die rettung jetzt
kein verlag dich leider hetzt
bist ein no name nur

also fang von vorne an
und du schreibst dann irgendwann
lit‘ratura pur

© 09.08.2017 brmu

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Bohm entfaltet

die welt sei aus den fugen geraten
mitnichten, liebe nichten
keine fugen weit und breit
nie welche gewesen
einbildung ist keine bildung
alles ein blumenkohl der
immer weiter evolviert
aus impliziter ordnung
nichts, was sie zusammen hält

© 01.07.2017 brmu
David Bohm, Die implizite Ordnung, Dianus-Triakont Verlag 1985

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leseteppichtripp

schön, wie der leseteppich fliegt
über den brillenrand ungeschärft
der blick in welten weit hinab
bücher sind auch keine anker
derweil das haar im winde wallt
weiß vom alternden schädel

© 28.06.2017 brmu

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ich möchte ...

              mal wieder schönes dichten
reime und verse ästhetisch wichten
wie einst die alten es getan

doch schau‘ ich mir die welt so an
da find‘ ich schönes nur mit ach und krach
aber menschen, die milliardenfach

erlahmen will mein wille
resthoffnung nur in stille
des alterns und der ruhe –

wo sind jetzt meine schuhe

© 02.06.2017 brmu

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trampeltrump2

und nächtens grüßt der tweeter, schier
verrückt auf deinem tragaltar:
kein klimaschutz mit „covfefe
denn geheim ist alle tumbheit

lies einfach nur von hinten ‘rum
aus dem >efef< zieht man bilanz:
>varying operation costs<
als dealer groß, als denker klein

und wahr ist’s: sehr viel teu'rer kommt
der klimaschutz - so man ihn nicht
viel ernster nimmt, denn arroganz
plus ignoranz, die komm‘ zu fall

► im verlauf der nächsten tage ?

© 01.06.2017 brmu
zitate nach meldungen aus dem Kölner Stadt-Anzeiger vom 01.06.2017

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federnd der ball

(der einzigen)

einst spielten wir federball
küsse flogen hin und her
nun werfen wir die jahre all‘
sie werden uns schon schwer

doch klage soll nicht sein
das wäre gar nicht fair
du, mein jungbrunn‘ fein
läufst mir nimmer leer

© 26.03.2017 brmu

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again against

top down ein
phantom
buttom up ein
syndrom
make something
great again
and again
and against …

© 05.03.2017 brmu

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klittern mit twittern

lass‘ ihn raus
den twitter-furz
denn er ist so
herrlich kurz
brauchst auch nicht
zu denken
gar worte gut
zu lenken
alles scheint erlaubt
was anderen
den atem raubt

ach, post-faktisch
so nennt man
diesen mist
aus dem handy
hingepisst
wo‘s doch contra
heißen muss
dieser post fuck
tische stuss

bedenke
nach dem fakt
da stehst du nackt
für alle zeit im
#tweet-kostüm

© 04.03.2017 brmu

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keine pläne

hast du feine pläne
bist du noch ein kind
hast du deine pläne
bist du erwachsen
hast du eil’ge pläne
bist du im alter
hast du reine pläne
dann wär‘st du ein mönch

wahrlich, wenn ihr nicht
planlos werdet, dann …

© 04.03.2017 brmu

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rosen montag

eine rose ist
eine rose am montag ist
eine rose am montag im zug ist
eine rose am montag im zug im strauß -
aber bitte mit kamelle

so vergessen wir die delle
die uns ins gemüt geschlagen
bejubeln laut die mottowagen
worauf all‘ uns‘re ängste hocken
gebannt in puppen die uns schocken
rennen in die kneipe, ab zum wirt
bis der nubbel helle brennen wird

eine rose war
eine rose am montag war
eine rose am montag im zug war
eine rose am montag im zug im strauß -
leider ohne kamelle

© 27.02.2017 brmu

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jeck um 11:11

jet jeck simmer all
das is’n klarer fall
un jede jeck is anders
im winter wie sommers
drum loss de jeck elans
ein zeichen von toleranz
und im karnevaltrubel
wird’s klar: auf der kugel
der erde leben wir alle
wie in einer großen falle
auf gedeih und verderb
köbes, ‘n kölsch, aber derb

© 23.02.2017 brmu

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beste lebensregel

haut     -farbe
haar     -farbe
augen  -farbe
körper insgesamt:
völlig irrelevant

auf dein hirn, da kommt es an
wenn reingefurzt da einer hat
macht‘s dein ganzes denken platt
drum achte auf dein hirn recht gut
selber denken, das macht mut

© 16.02.2017 brmu

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das sein

absurd, dass etwas ist
denkst du
wenn nächtens du mal pisst

absurd, wenn’s nicht mehr ist
denkst du
wer wär‘, der es vermisst'

© 16.02.2017 brmu

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Valentin hat's verpennt

verschwiegen hast du deinen tag,
Valentin, du schlapper sack!
den gestern wir doch feiern sollten.
oh wie arg wurd‘ ich gescholten:

wo denn meine liebe bliebe,
ob’s mir wäre einerlei.
und es drohten wörterhiebe
aus der jahre allerlei.

wo nur waren meine sinne,
dass auf ihn ich hatt‘ gesetzt
mich zu erinnern, hier und jetzt?
er jedoch pennt vor sich hinne!

muss zur buß‘ gedichte schreiben,
bis sie wieder gut mir ist
in eintracht, ohne diesen zwist.
will lieben ohne leiden.

für Valentinstags heißen kuss
ich den tag mir merken muss.
geht sonst das ganze wieder los!
wo, kalender, bist du bloß?

© 15.02.2017 brmu

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natur im alten stile

wenn du machst die augen auf
und aus lüften fällt der schnee
sanft auf alles bunte drauf
dann monochrom ich seh‘
was eitel einstmals farbig war

doch frühling wird es schaffen
die welt uns zu beleben
und off’nen munds wir gaffen
farben sich erheben
zu meisterbildern wunderbar

© 11.02.2017 brmu

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trübnis

reiher auf dem schuppen
dach vollendet getarnt in
flutender trübnis wie
grau in grau zerflossen
die teiche versiegelt von
mürbem eise spiegellos

wo ist oben und unten
zu suchen in diesen so
kaltherzigen welten

© 23.01.2017 brmu

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trampeltrump1

es gab eine bewerbung
in anderen landen,
die mich sprachlos gemacht.

twittersprüch‘ in hirne geschlagen,
klauen in meinem herzen versenkt,
was ist das wirkliche leben?

menschen erniedrigen
und offiziöse lügen verbreiten:
kochrezept zukünftiger gewalt!

aus machtkalkül gehoben,
sickert in unser aller leben
primitiv die respektlosigkeit.

wir brauchen als damm
den prinzipientreuen teil
der presse wider das fluten.

denn die wahrheit tut weh!
take your broken heart
make it into art.

© 10.01.2017 brmu
unter verwendung einiger passagen (schrägdruck) der von Christian Bos übersetzten rede von Meryl Streep anlässlich der verleihung des Cecil B. DeMille Award im Golden Globe in New York (Kölner Stadt-Anzeiger vom 10.1.2017, the original speech in: The New York Times, Jan, 8, 2017)

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manchmal, wenn

ich schreibe, fürchte ich,
niemand könne lesen
und meine zehn finger
landen auf den tasten
formen texte, soweit
mein denken eben reicht
es ist mein einsames gefühl

© 09.01.2017 brmu
angeregt durch: Peter Stamm, Ungefähre Landschaft, Arche Verlag 2001, seite 169

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Epirrhema anders

müsst im lit’raturbetrachten
immer dies für wichtig achten:
nichts nur drinnen, nichts nur draußen;
denn was innen, scheint nach außen.
so begreifet ohne träumnis
eilig, offen das geheimnis.

freunde nicht des baren scheins,
nicht auch des ernsten spiels:
kein geschriebenes ist eins,
immer auch ein vieles.

© 08.01.2017brmu
J. W. Goethe: Gedichte – Ausgabe letzter Hand, Cotta, 1827, Gott und die Welt, gedicht „Epirrhema“ in anderem gewande

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