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Bakker: schreiben muss versehentlich geschehen

der niederländische autor Gerbrand Bakker wohnt in der Eifel, betreibt einen eigenen blog und lässt sich in die schreibkarten schauen:

I.         Gestern habe ich das erste Stück Terrasse gepflastert, und das ist nicht einfach, weil die Steine unterschiedlich große sind. Heute wieder ein Stückchen, und morgen und übermorgen. Nicht zu eilig, es darf alles nicht zu schnell fertig werden, immer soll etwas liegenbleiben. In gewisser  Hinsicht wie beim Schreiben eines Romans: nie am Ende eines Schreibvormittags zu einem glatten Abschluss kommen; lieber ein paar Fäden lose lassen, um am nächsten Tag dort anzuknüpfen. Jahrelang bin ich bei Lesungen nach Gemeinsamkeiten zwischen dem Gärtnern und dem Schreiben gefragt worden. Viel mehr, als dass man im eigenen Text „nach Herzenslust jäten, schneiden und sägen“ könne, fiel mir nie ein. In Zukunft könnte ich noch hinzufügen, was ich hier über das Liegenlassen geschrieben habe.

II.        Viel offensichtlicher als eine Gemeinsamkeit zwischen Schreiben und Gärtnern ist in meinem Fall die Analogie zwischen Eisschnelllaufen und Schreiben. In dem Sinne, dass es mir unbeabsichtigt gelingen muss. Ich darf mit nichts rechnen, muss mit den Gedanken woanders sein, darf nicht das Buch der Bücher schreiben wollen. Im Grunde darf ich gar kein Buch schreiben wollen. Es muss versehentlich geschehen.

© 05/07.08.2018 brmu
aus: Gerbrand Bakker, Jasper und sein Knecht, Suhrkamp 2016,
zitat I von seite 240
zitat II von seite 306 (schrägdruck im original)

 

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