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Freund dichtet

Wissen Sie – bei meinen guten Gedichten war es so – sie wussten mehr als ich. Sie haben Türen geöffnet, hinter denen Räume lagen, von denen ich selbst nichts wusste. (19)

Schreiben ist meine Art zu denken. Ich kann keinen klaren Gedanken fassen, es sei denn, auf Papier. (45)

Das, was mich am meisten daran hindert, in der Glückseligkeit des Seins aufzugehen, sind Worte. … Ist doch Wahnsinn, womit einen Worte die ganze Zeit quälen! Wir dürfen keine Namen geben. Damit beginnt der Irrweg. Schon mit der Benennung. Es geht nicht um die Benennung, nicht um die Bezeichnung. Nicht einmal um das Bezeichnete!!! (75)

Ich kann nicht schreiben über das Leben wie ein Forscher einen Frosch seziert. … Es geht um Realität. Wirklichkeit. (89)

Er dachte nicht daran, zu schreiben, er konnte ohnehin nur schreiben, wenn er allein war. Oder allein in einer Masse, also im Zug oder in einem Lokal. (109)

Manchmal wunderte er sich selbst darüber, welche Gedanken er absonderte. (110)

Der Gedanke allein, etwas zu tn, damit es einen inspiriert, ist schon völlig verkehrt. (113)

Wie konnte ich vergessen, dass wir aus einer anderen Welt kommen und in eine andere Welt gehen? Wie konnte ich vergessen, dass es meine Aufgabe ist, vom Durchschimmern dieser Welt zu berichten? (116)

… gereimte Gedichte entsprechen den Anforderungen der Zeit nicht. (119)

Ein Gedicht, hat er gesagt, ist nicht dazu da, verstanden zu werden. Jedenfalls nicht mit dem Verstand. (139)

Wir spielen immer, wer es weiß, ist klug. (157)

Im Grunde, …, hab ich für Dichter überhaupt nichts übrig. Die meisten Gedichte entstehen nur, weil irgendwer zu wenig Sex hat. (204)

© 17.09.2018 brmu
zitate zum thema „dichten“ aus: René Freund, Liebe unter Fischen, Deuticke 2013, (seitenangaben)

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wutbürger

keiner schließlich
hat es gewollt

wutbürger durch die straßen trollt

jeder schließlich
hat es getan
tief in seinem wutbürgerwahn

das hört sich an wie lüge
und ist es auch
mitten aus dem wutbürgerbauch

© 01.09.2018 brmu
gedichtzitat im schrägdruck aus: Ernst Jandl, Liebesgedichte, Insel 2015, it 4379, s. 96 gedicht: „nach altem brauch“

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toast | er

und wenn sie ihn küßt
dann wird sie eben
auch whiskey küssen

und wenn sie viel küsst
dann wird sie eben
auch schwanken müssen

und wenn sie ihn nicht küßt
dann wird er eben
ohne kuß trinken

wenn beide sich küssen
sie dessentwegen
ihr leben schminken

© 01.09.2018 brmu
zitat im schrägdruck aus: Ernst Jandl, Liebesgedichte, Insel 2015, it 4379, s. 107, gedicht „toast“

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schreiben scheint nichts

Ich habe unter Leuten zu schreiben begonnen, die mich streng zum Schamgefühl erzogen. Schreiben galt ihnen noch als moralisch. Heute scheint Schreiben recht oft nichts mehr zu sein. Manchmal weiß ich: wenn das Schreiben nicht, alle Dinge vereinend, ein flüchtiges Sprechen in den Wind ist, so ist es nichts. Wenn das Schreiben nicht jedesmal alle Dinge zu einem einzigen, seinem Wesen nach Unbestimmbaren vereint, so ist es nichts weiter als Werbung. Meist aber habe ich keine Ansicht, ich sehe, daß alle Bereiche offenliegen, daß es keine Mauern mehr gibt, daß das Geschriebene nirgends mehr einen Ort findet, sich zu verbergen, zu entstehen, gelesen zu werden, daß seine fundamentale Anstößigkeit nicht mehr respektiert wird, doch weiter denke ich nicht.

© 28.08.2018 brmu
zitat aus: Marguerite Duras, Der Liebhaber, Suhrkamp 1992, Bibliothek Suhrkamp Bd. 967, 15

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intelligenz ist, wenn ...

„Intelligenz besteht darin, dass man in einem neuen Zustand die Essenz der Sache ziemlich schnell finden kann und imstande ist, zu unterscheiden, was wichtig ist und was nicht wichtig ist.

… man kann sie nicht lehren. Man kann aber dennoch von vielen anderen Menschen lernen, vor allem, wenn die Schule oder die Familie oder der Einfluss von Freunden sehr reich an Wissen ist.“

© 31.07.2018 brmu
quelle: Kölner Stadt-Anzeiger, „Immer froh, wenn Computer scheitern“, Michael Hesse interviewt Prof. Dr. Douglas Hofstadter, Autor von "Gödel, Escher, Bach" und "Die Analogie: Das Herz des Denkens"

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warum ein buch gefällt

Dieses Buch ist wunderbar.
Es macht Sie intelligent.
Es macht Sie glücklich.

es fällt ganz schön schwer, "jemand anderem zu erklären, warum einem ein Buch gefällt. Ich schaffe das nicht immer. Wenn ich manche Bücher ausgelesen habe, fühle ich mich … ich weiß auch nicht. Sie lassen mich nicht mehr los, aber ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll. So hingegen sage ich alles in ein paar Worten, und die Leute sollen die Bücher einfach selber lesen.“

© 31.07.2018 brmu
quelle: Christine Férret-Fleury, Das Mädchen, das in der Metro las, DuMont 2018, seite 63 (schrägdruck im original) u. seite 66

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Modick kanalisiert

Mit irgendetwas muss man schließlich anfangen, auch wenn’s schwerfällt. Der Anfang fällt deswegen schwer, weil er den ersten Spatenstich jenes Kanals bildet, der aus dem Ozean des Möglichen und Unerzählten eine Geschichte oder einen Roman oder auch nur einen kargen Bericht wie diesen ableiten will. Und wenn dann der Autor als Kanalarbeiter an der falschen Stelle zu graben beginnt und statt auf den Ozean schließlich auf die trüben Teiche namens Alles-schon-mal-dagewesen trifft – gar nicht auszudenken.

Über den raffinierten und tiefen Doppelsinn der letzten drei Worte bitte ich Sie einen Moment zu meditieren. Gar nicht auszudenken! Ja, eben! Die besten Geschichten kann man sich gar nicht ausdenken. Sie liegen auf der Straße …1

was will uns Modick kanalisieren?

dudengemäß ginge es um eine gezielte problemlösung, indem etwas in bestimmte bahnen oder richtungen gelenkt würde..

und welches wäre das problem?

vielleicht geschmeidigkeit der texte für die leserschaft zwecks lustkauf.

Also gier nach  auflagengröße und umsatz durch ruhm und medienpräsenz oder umgekehrt?

was wäre dagegen einzuwenden?

alles! schreiben, das den massengeschmack bedient, weitet keine horizonte.

dorten kann man sich verlieren, in der weite.

genau, man kommt sich aber auch nicht ins gehege, die selbstverschuldete müdigkeit des denkens.

© 24.07.2018 brmu
1 Klaus Modick, Bestseller, KiWi 2015, seite 13/14

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bier | hoff | entlich nicht

… erklärte aber auch sehr deutlich, dass die Nationalmannschaft als „cash cow“ weiter intensiv gemolken werden muss, … Eine entsprechend umfassende Vermarkung sei deshalb notwendig.1

bier vernebelt, hoffnung auch
beides führt zur melkbaren kuh
kohle machen ein schöner brauch
lass dabei den sportsgeist in ruh!

© 23.07.2018 brmu
1 zitat aus Kölner Stadt-Anzeiger, Ch. Müller, Löw und Bierhoff überzeugen den DFB

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so ein kick ...

quelle: Jan Böttcher, Das Kaff, Aufbau Verlag 2018, seite 262

der protagonist Michael Schürtz bereitet mit seiner schwester Jul ein „Freundlichkeitsspiel“  (262) zwischen den migranten im „Kaff“ und seiner c-jugend des dortigen fußballvereins vor. der verein will das spiel nicht im stadion austragen. also wird von ihm ein ehemaliger bolzplatz hergerichtet.

Gut, sage ich, ich mach’s. Ich klemm mich dahinter. Aber nur unter einer Bedingung. Dass wir kein großes Bohei darum machen und das Käseblatt draußen halten, weil das Käseblatt gleich wieder von Integration schwafeln wird, und mir das Wort Freundschaftsspiel zu hoch gegriffen ist. Ein Freundlichkeitsspiel, das lasse ich gelten. …

So ein Kick ist ja nicht mehr als der allererste Schritt, der im besten Fall die Erkenntnis freisetzt, dass man Menschen aus Fleisch und Blut vor sich hat. Echte Menschen, die wirklich da sind. Nichts sonst.

11.07.2018 brmu

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amüsiertod in sicht?

"Wenn ein Volk sich von Trivialitäten ablenken läßt, wenn das kulturelle Leben neu bestimmt wird als eine endlose Reihe von Unterhaltungsveranstaltungen, als gigantischer Amüsierbetrieb, wenn der öffentliche Diskurs zum unterschiedslosen Geplapper wird, kurz, wenn aus Bürgern Zuschauer werden und ihre öffentlichen Angelegenheiten zur Varieté-Nummer herunterkommen, dann ist die Nation in Gefahr – das Absterben der Kultur wird zur realen Bedrohung."

Zitat: Neil Postman, Wir amüsieren uns zu Tode – Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie, S. Fischer1985, seite190

© 10.07.2018 brmu
anlässlich der „Counter-Strike-WM“ in der Lanxess-Arena in Köln am 7.7.2018

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