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Adorno's Hinweise schon 1967

Man hört ja sehr oft, …, die Behauptung, es gebe so einen Bodensatz von Unbelehrbaren oder von Narren,…, in jeder Demokratie. … Ich glaube, man kann darauf nur antworten: Gewiß sei in jeder sogenannten Demokratie auf der Welt etwas Derartiges in variierender Stärke zu beobachten, aber doch nur als Ausdruck dessen, daß dem Inhalt nach, dem gesellschaftlich-ökonomischen Inhalt nach, die Demokratie eben bis heute nirgends wirklich und ganz sich konkretisiert hat, sondern formal geblieben ist. Und die faschistischen Bewegungen könnte man in diesem Sinn als die Wundmale, also die Narben einer Demokratie bezeichnen, die ihrem eigenen Begriff eben doch bis heute noch nicht voll gerecht wird. (18)

Jede Menge Entwicklungsbedarf für das demokratische Selbstverständnis – auch heutzutage.

© 12.11.20198 brmu
aus: Theodor W. Adorno: Aspekte des neuen Rechtsradikalismus, Suhrkamp 2019, Seitenangabe in Klammern

 

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