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die brut der literaten

An guten wie an schlechten Tagen wetterte der kleine Mann mit den zerzausten Haaren mit Vorliege gegen die dreiste Brut der lebenden Literaten, die nichts Besseres zu tun hatte, als stets neue Bücher zu produzieren. Dabei gab es doch schon so viele Bücher, ein riesiges Meer an Schriftstücken, das längst über die Ufer des menschlichen Fassungsvermögens getreten war. Und selbst wenn man aus diesem Meer nur diejenigen Werke herausfischte, die bereits bei Erscheinen frenetisch gefeiert wurden, wollte sich keine rechte Verbesserung einstellen, weil, …, inzwischen der Umschlag jedes neu erschienen Buches voll war mit den Stellungnahmen befreundeter, oder wenn nicht befreundeter, so wenigstens freundlich miteinander bekannt gemachter Autoren, die sich gegenseitig bescheinigten, außerordentliche Genies zu sein und unübertreffliche Meisterwerke geschrieben zu haben. Die meisten dieser Bücher landeten früher oder später in einer Bananenkiste …

der kleine mann heißt Schulzen in dem roman und ist antiquar aus leidenschaft. ob er recht hat, angesichts der vielen schreibschulen und schulen des schreibens? will man dran bleiben, reichen die regale nicht.

© 04.08.20198 brmu
aus: Anselm Oelze: Wallace, Schöffling 2019, seite 99

 

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