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mythos

Gleichzeitig hat das Fernsehen den Status eines >Mythos< im Sinne von Roland Barthes erreicht. Barthes versteht unter Mythos eine Form von Weltverständnis, die unproblematisch ist, deren wir uns nicht völlig bewußt sind, die uns, um es mit einem Wort zu sagen, natürlich erscheint. Ein Mythos ist eine Denkfigur, die so tief in unserem Bewußtsein verankert ist, daß sie unsichtbar wird. So verhält es sich heute mit dem Fernsehen. (100/101)

Wie es nirgendwo sonst auf der Welt geschehen ist, haben die Amerikaner alles dafür getan, das Zeitalter des langsamen gedruckten Wortes zu beenden, und dabei haben sie dem Fernsehen die Vorherrschaft über ihre sämtlichen Institutionen eingeräumt. Amerika hat das Fernsehzeitalter eingeläutet und damit der Welt den Ausblick in eine Zukunft im Zeichen Huxleys eröffnet, wie man ihn klare rund anschaulicher nicht finden wird. (190)

 

oh Neil, du bist zu früh gestorben, hättest sonst die steigerung vom tv zum inter-einfang-netz noch erleben können. diese handaltare für die atavare, für das wischen mit dem finger, das kreiseln der daumen, das wummern in den kopfhörern, das autistische wegdammeln aus der realität in der was-weiß-ich-für-eine-bahn. schlimmer geht immer, so sagen wir sogar im film.

© 11.09.2019 brmu
aus: Neil Postman, Wir amüsieren uns zu Tode – Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie, S. Fischer 1985

 

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